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 Newsletter 11

 

Willkommen im Club!

riesengroß ist meine Freude darüber, dass ich Sie überzeugen konnte, weiterhin – jetzt gegen Bezahlung – an meinem SKN teilzunehmen.

Ich bin ehrlich zu Ihnen, wenn ich Ihnen die zwei Gründe nenne, warum ich mich über Ihren Entschluss freue:

  1. Ich habe in Ihnen einen "Gleichgesinnten" bzw. eine "Gleichgesinnte" gefunden in meinem Anliegen, unsere Sprache nicht verkommen zu lassen.
     
  2. Ich bin wieder um 47 Euro (Normalpreis) reicher geworden (warum soll ich das nicht zugeben?).

 
Die Reihenfolge ist übrigens nicht zufällig. Tatsächlich stand der sprachliche Aspekt im Vordergrund. Die Idee, damit Geld zu verdienen, kam erst später, als ich selbst einen ähnlichen Newsletter abonniert hatte – zu einem anderen Thema.
 

Es ist übrigens gut möglich, dass Ihnen dieses andere Thema auch schon über den Weg gelaufen ist: Es handelt sich um den SCN (SuccessCoach-Newsletter) von Helmut Ament. In diesem Newsletter lernen Sie Schritt für Schritt, Ihren eigenen Erfolg zu planen und zu erreichen, indem Sie etwas für Ihre Persönlichkeitsbildung und Ihre Zielsetzung tun – sehr empfehlenswert.
 

Sie finden auch am rechten Rand einen Link, mit dem Sie auch dort ein kostenloses Testabonnement bestellen können. Ich habe diese Methode übernommen, weil ich sie für außerordentlich fair halte.

 

Warum habe ich nun das Thema Sprachkompetenz gewählt?

Immer wieder führe ich bei unterschiedlichen Anlässen Gespräche mit Personen aus vielen verschiedenen Bereichen und erhalte ausnahmslos Zustimmung, wenn ich über meinen "Sprach-Tick" spreche. Auch diesen Personen wird sehr schnell klar, wie wichtig es ist, Sprachkompetenz zu erwerben bzw. zu besitzen.

Der Begriff Sprachkompetenz beherrscht übrigens seit Oktober 2010 sogar die politische Diskussion, wenn auch in einem anderen Zusammenhang. Es geht dabei um Integration von Zuwanderern in unsere Gesellschaft.

Doch letzten Endes steht dasselbe Ziel zur Debatte:
Bildung, Anerkennung und Erfolg durch das Erlernen der deutschen Sprache.

Unsere ausländischen Mitbürger können dabei vielfach sogar als Vorbild dienen für viele "Eingeborene". In dem Willen, unsere Sprache wirklich zu lernen, entwickeln sie mehr Ehrgeiz als manche deutschen Zeitgenossen, die oft nicht mehr reden als dumme Sprüche am Stammtisch oder kollektive Hetzparolen im Fußballstadion.
 

Sie dagegen haben diesen Ehrgeiz und das wollen wir gemeinsam nutzen. Hierzu stelle ich Ihnen jetzt eine Aufgabe, die Sie bitte in Ihrem eigenen Interesse gewissenhaft lösen sollten. Erinnern Sie sich, dass ich Ihnen während der Testphase diverse Fragen zu Ihrem Bildungsverhalten gestellt habe?

Gut.
Dann fangen wir an:

Die Aufgabe besteht aus zwei Teilen:

  1. Verzichten Sie ab sofort auf eine beliebige Fernsehsendung, die Sie sonst regelmäßig anschauen. Egal, welche.

    Serienkrimi ("Tatort", "Soko Leipzig", …)
    oder Unterhaltung ("In aller Freundschaft", "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", …).
    Hierbei ist die Aufgabe umso besser gelöst, je öfter diese Fernsehsendung läuft
    (täglich, wöchentlich, monatlich). 
     
  2. Während Sie diese Sendungen ungesehen laufen lassen oder - besser - währenddessen den Fernseher außer Betrieb setzen, lesen Sie bitte irgendein Buch über ein Thema, das Sie interessiert. Keine Zeitschrift, sondern wirklich ein Buch!
     

Es ist wichtig, dass Sie konsequent bleiben, auch wenn das in den ersten Tagen schwer fällt.

Ich werde Sie bei jedem Newsletter daran erinnern.
 

Wenn Sie noch kein interessantes Buch besitzen, kaufen Sie eines oder lassen Sie es sich schenken oder leihen es aus.
 

Also:
Viel Spaß beim Lesen – und bis zum nächsten Mal! 

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
 

 

 Newsletter 12

 

Lesen lernen

da bin ich wieder. Haben Sie schon eine gewohnte Fernsehsendung ausfallen lassen? Oder war die noch nicht wieder "dran"? Denken Sie darüber nach, ob Sie vielleicht doch lieber eine tägliche Sendung wählen sollten.

 

Haben Sie schon ein Buch ausgewählt? Falls nicht, lassen Sie nicht mehr als zwei Tage ab jetzt vergehen, bis Sie mit der Aufgabe Lesen statt Fernsehen wirklich starten.

Warum?

Gestern habe ich Ihnen die Aufgabe gestellt. Wenn Sie dieselbe akzeptieren und dann nicht innerhalb von 72 Stunden umsetzen, gefährden Sie ernsthaft den Erfolg des Newsletter-Seminars, für das Sie schließlich bezahlt haben.

Ich verlange keine stundenlangen Aktionen von Ihnen, aber Sie sollten meinen Empfehlungen wirklich folgen. Anderenfalls hätten Sie das Geld unnötig investiert. Das können Sie nicht ernsthaft wollen und ich möchte auch nicht, dass bei Ihnen der Eindruck entsteht, Sie bekämen keinen Gegenwert.
 

Also lassen Sie uns den Weg gemeinsam gehen – ich verspreche Ihnen: Am Ende werden Sie froh sein, wenn Sie plötzlich keine Angst mehr haben vor den sprachlichen Herausforderungen, denen Sie bislang vielleicht noch nicht gewachsen sind.
 

Warum möchte ich, dass Sie ein Buch lesen?

Das Lesen eines Buches hat mehrere positive Effekte, die bei keiner anderen Tätigkeit so konzentriert, gleichzeitig und nachhaltig auftreten:
 

Zunächst blicken Sie beim Lesen auf korrekte Formulierungen, auf einwandfreie Rechtschreibung, auf stilistisch saubere Texte und prägen sich dabei unmerklich – ja unvermeidlich – "richtige" Sprachelemente ein. Das ist genau der Prozess, der bei Ihnen abläuft, wenn Sie Werbesprüche lesen, die Sie sehr schnell auswendig daher sagen können. Ihre Kinder (falls Sie welche haben) sogar deutlich schneller als Sie.
 

Ferner schulen Sie Ihre Fantasie und Vorstellungskraft ebenfalls unmerklich und damit ohne Anstrengung. Was Sie lesen, lässt Bilder in Ihrem Kopf entstehen. Unser Gedächtnis speichert Bilder ab – keine Texte!
 

Aber:

Interessanterweise erwerben wir beim Lesen auch mühelos das Wissen um korrekte Rechtschreibung.
 

Nanu?

Gerade habe ich behauptet, dass wir uns Bilder und keine Texte merken, und kurz darauf widerspreche ich mir scheinbar, indem ich im Gegensatz zu der vorherigen Behauptung davon ausgehe, dass wir uns doch geschriebenen Text merken?
 

Die Erklärung liegt in der Art und Weise, wie wir die Information, die in geschriebenem Text steht, tatsächlich aufnehmen.
 

Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie in Ihrem ersten Schuljahr Lesen und Schreiben gelernt haben? Hatten Sie eine Fibel? Wie sah die aus? Was stand drin?
 

Ich habe damals Buchstaben gelernt. Ganz zuerst das I. Danach das M. Und in meiner Fibel stand dann der Satz:

I – IMI – I (IMI war damals ein bekanntes Putzmittel).
Und die Heldin in meiner Fibel hieß MIMI.

Heute staune ich noch immer darüber, dass ich tatsächlich sehr schnell und außerdem sehr gut schreiben gelernt habe. Das war 1952! Nur drei Jahre später kam meine Schwester in die Schule und lernte nach der so genannten – damals entsetzlich revolutionären – "Ganzwortmethode".

Sie bekam also von Anfang an vollständige Wörter vorgesetzt statt einzelner Buchstaben.

Wiederum dreißig Jahre später konnte ich bei meinen Kindern beobachten, wie die in der Grundschule an die Schriftsprache herangeführt wurden. Auch meine Kinder haben von Anfang an Wörter gelernt.
 

Warum das so gut funktioniert, erfahren Sie im nächsten Newsletter. Dann kläre ich auch den vorher erwähnten Widerspruch auf. Arbeiten Sie bis dahin weiter an der ersten Aufgabe.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.

Sie sollten innerhalb der nächsten 48 Stunden damit beginnen.
 

 Newsletter 13

 

Wort und Bild - Teil 1

unser Gedächtnis speichert Bilder ab. Das haben Sie gestern von mir erfahren. Aber Bilder sind nicht die einzigen Informationen, die unser Gedächtnis abspeichert. Auch Geräusche, Gerüche und ähnliche Eindrücke werden als Information von unserem Gedächtnis sehr gut gespeichert. 

 

Was haben alle diese Informationen gemeinsam?

Es sind unsere unmittelbaren Sinneseindrücke, an die wir uns am besten erinnern können. Dazu kommt allerdings noch eine Stimmung bzw. ein Gefühl, an das wir uns ebenfalls sehr gut erinnern können. Aber streng genommen sind Stimmungen und Gefühle nichts anderes als eine bestimmte Kombination bio-chemischer Prozesse in unserem Körper, und diese werden deshalb tatsächlich körperlich wahrgenommen und deshalb auch perfekt in das Gedächtnis eingebrannt.
 

Auf keinen Fall speichert unser Gedächtnis Texte ab.

Und wieso lernen wir trotzdem richtig zu schreiben?
 

Denken Sie an die "Ganzwortmethode" von gestern. Was wir uns merken, sind Bilder. Wir erinnern uns daran, wie das Wort "aussieht", nicht, aus welchen Buchstaben es besteht.
 

Ein einfacher Test, den Sie sicher schon oft gemacht haben, belegt diese Tatsache: Wenn Sie mal nicht wissen, ob ein Wort groß oder klein geschrieben wird, ob es mit "ie" oder mit "ieh" geschrieben wird – was tun Sie?

Sie schreiben beide Möglichkeiten auf – und schon sehen Sie, welche von beiden die richtige ist. Sie erinnern sich an den Anblick dieses Wortes, als Sie es einst gelernt haben. Eine von beiden Schreibweisen sieht einfach "richtiger" aus als die andere. Und in den meisten Fällen stimmt es tatsächlich.

Haben Sie in der Schule mal ein Gedicht auswendig gelernt?

Was haben Sie sich gemerkt? Vor allem: Wie?
 

Wenn Sie ein überwiegend visueller Mensch sind, sehen Sie den Text als Bild vor sich, Sie sehen die Anordnung der Zeilen, die Verse, die Einrückungen usw.

Wenn Sie ein akustisch orientierter Mensch sind, dann erinnern Sie sich an den Sprachrhythmus, an die Satzmelodie, an den Reim usw.
 

Diese akustische (ggf. musikalische) Komponente der Erinnerung lässt uns Gedichte leichter auswendig lernen als normalen Text, so genannte Prosa.

Theaterschauspieler merken sich den Kontext – also das Stichwort eines Kollegen. Und bei einem langen Monolog, also einer längeren, insbesondere ungereimten Textpassage arbeitet ein Schauspieler mit Bildern aus dem Inhalt dieses Textes oder mit konkreten Situationen auf der Bühne – vor dem geistigen Auge oder in der Erinnerung an eine Probe.
 

Um Text (bzw. Schreibweisen) zu lernen, benutzen wir also die berühmten Eselsbrücken – entweder das Bild (das Aussehen) oder irgendeinen anderen Sinneseindruck.
 

Musiker lernen ihr Instrument zu spielen, indem sie sich ihre Körperhaltung sowie die Stellung und die Bewegung ihrer Hände bzw. Finger einprägen, also den durch ihren Tastsinn erworbenen Sinneseindruck.

Bei Musikern kommt noch ein weiterer interessanter Aspekt hinzu: Musik wird in einer speziellen Bilderschrift aufgezeichnet. Das sind die fünf Linien und die Noten mit allen dazu gehörenden Symbolen. Ein Musiker liest und spielt dann eine Komposition, indem er das Notenbild unmittelbar in die Fingerstellung (bei Blasinstrumenten zusätzlich die Mund- oder Lippenstellung und Atmung) umsetzt – gewissermaßen "ohne Umweg über das Großhirn". Das heißt natürlich nur: Die bewusste Interpretation der Schrift mit anschließender Übersetzung in körperliche Einstellungen wird weitestgehend umgangen. Das erfordert natürlich langes und intensives Training.

 

Zusammenfassend haben wir hiermit ziemlich genau beschrieben, wie Lernen funktioniert. Der Kern des Lernprozesses ist nicht die Anstrengung, sondern die Wiederholung! Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis. Die wichtigste Erkenntnis überhaupt, wie ich meine, wenn es darum geht, Fähigkeiten zu erwerben.
 

Jetzt begreifen Sie vielleicht, warum ich Ihnen empfehle, ein Buch (oder mehrere Bücher) zu lesen. Denn genau dabei lernen Sie am besten, wie richtig geschriebener Text aussieht.
 

Doch das ist nur die Grundlage. Ich habe nicht 47 Euro (Normalpreis) von Ihnen kassiert, nur um Ihnen das Lesen eines Buches zu empfehlen. Sie können schon etwas mehr von mir erwarten.

Freuen Sie sich auf die weiteren Newsletter in diesem Seminar!

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.

Sie sollten spätestens morgen damit beginnen!
 

 Newsletter 14

 

Wort und Bild - Teil 2

heute wollen wir uns noch einmal damit beschäftigen, wie wir die in einem geschriebenen Text enthaltene Information aufnehmen.

 

Dazu möchte ich Sie vorher in eine Situation versetzen, die Ihnen möglicherweise hilft, das Folgende zu verstehen.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Auto (egal, ob als Fahrer oder Beifahrer). Sie fahren auf einer gut ausgebauten Landstraße – mit mäßiger Geschwindigkeit. Sie nähern sich einer Ortschaft. Das Auto wird langsamer, das Tempo fällt ab auf die üblichen erlaubten 50 km/h. Es kommt eine Kurve, gleich dahinter endet der Asphalt, und grobes Kopfsteinpflaster lässt Sie hörbar und fühlbar erkennen, aus wie vielen klappernden Einzelteilen ein Auto besteht. Sie verringern das Tempo weiterhin, doch das unangenehme Klappern und Rütteln will kein Ende nehmen. Sehnsüchtig und ungeduldig warten Sie auf das Erscheinen des Ortsendeschildes und auf den dahinter hoffentlich wieder beginnenden glatten Straßenbelag. Und sobald Sie den rettenden Asphalt wieder unter den Rädern spüren, erkennen Sie, dass Sie zwar unkomfortabel, angestrengt, mühsam nach Schlaglöchern Ausschau haltend, aber dennoch erfolgreich durch den Ort durchgekommen sind.
 

Und nun lesen Sie diesen Text:

"Laut einer Studie der Universität Cambridge spielt es keine Rolle, in welcher Reiehnfogle die Buhcstbaen in eniem Wrot vorkmomen, die eingzie whictige Sahce ist, dsas der ertse und der lettze Buhcstbae stmimt. Der Rset knan in eienm veliölgn Duchrienanedr sein und knan trtozedm problemlos gelesen werden. Das ist so, weil das menschliche Auge nicht jeden Buchstaben liest, sondern ganze Wörter. Erstaunlich - oder?"

Haben Sie bemerkt, wo das Kopfsteinpflaster beginnt? Und wo es wieder aufhört? Oder mussten Sie dafür zweimal durch den Ort (ich meine den Text) durchfahren?
 

Also: Wenn Sie ehrlich sind, konnten Sie den Text sicher auf Anhieb flüssig lesen – auch auf der Pflasterstrecke. Aber irgendwie unwohl werden Sie sich beim ersten Lesen sicherlich gefühlt haben, bevor Sie überhaupt merkten, woran das lag.
 

Und noch etwas: Haben Sie auch gespürt, wie angenehm das Lesen in dem Moment wird, wenn die Buchstaben wieder an ihren richtigen Plätzen stehen?
 

Sehen Sie – genau so empfindet ein Personalchef, wenn er Ihre Bewerbung liest!

Genau so fühlt ein Lehrer beim Korrigieren Ihrer (Deutsch-)Klausur (falls Sie noch zur Schule gehen).

Genau so denkt der Empfänger im Gericht, bei dem Sie als Rechtsanwalt Ihre Klageschrift einreichen.

Genau so geht es den Mitgliedern Ihres Sportvereins, denen Sie Ihr Protokoll der letzten Mitgliederversammlung zusenden.

Genau so stutzt ggf. ein Besucher Ihrer Webseite, wenn er Ihre Informationen zur Kenntnis nimmt.

Genau so kommt sich Ihre Angebetete vor, wenn sie einen zärtlichen Brief von Ihnen erhält – oder, falls Sie weiblich sind: Ihr Freund, dem Sie schriftlich mit liebevollen Worten mitteilen, was Sie für ihn empfinden.

 

Wir werden nun gemeinsam daran arbeiten, dass Sie in Ihren Texten keine "Löcher im Asphalt" produzieren und keine Kopfsteinpflasterstrecken bauen.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.

Wenn Sie jetzt noch nicht damit begonnen haben, gefährden Sie ernsthaft Ihren Erfolg.

Nachfrist: Maximal 24 Stunden!!!
 

 Newsletter 15

 

Schriftliches Reden

gleich zu Beginn: Sind Sie schon am Lesen?

Wenn ja, gut so, überspringen Sie den folgenden Absatz.
 

Wenn nein: Jetzt wird es Zeit! Dieses Seminar nutzt Ihnen überhaupt nichts, wenn Sie nicht selbst etwas beitragen. Es ist Ihr Geld, das Sie für Ihre Sprachkompetenz ausgegeben haben. Ich meine es wirklich sehr ernst: Wenn Ihnen die 47 Euro (Normalpreis) ohne sichtbaren Nutzen nicht weh tun … ok, es ist Ihre Sache, wofür Sie dann Geld zum Fenster hinauswerfen, ich nehme es trotzdem gern. Aber glauben Sie mir: Wir werden beide nicht glücklich dabei. Ich frage Sie morgen wieder.

 

Und jetzt an die Arbeit:

Wir haben uns bereits in der Testphase mit dem Sprechen beschäftigt. Das war allerdings nur ein Anfang. Zunächst haben wir geklärt, was Sie sprechen: Kauderwelsch, Deutsch oder Kanakisch.
 

Damit niemand auf die Idee kommt, mich wegen irgendeiner Verhetzung oder Diskriminierung zu verklagen, wiederhole ich hier, wie "Kanakisch" zu erklären ist:

Treffen mehrere Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen zusammen, so entsteht zwischen Ihnen eine Sprache, die allen Beteiligten hilft, sich untereinander zu verständigen. Zwangsläufig hat diese Sprache einen stark eingeschränkten Wortschatz sowie sehr vereinfachte Regeln, die jedem Sprachwissenschaftler zunächst die Haare zu Berge stehen lassen – aber sie erfüllt ihren Zweck.

Deutsche im Ausland sprechen genauso "Kanakisch" wie Ausländer in Deutschland. Und die jeweiligen "Eingeborenen" machen dann einfach mit.

Wir Deutsche sind jedoch so boshaft, das Wort "Kanakisch" als Diskriminierung zu deuten, aber in anderen Ländern existieren mit Sicherheit ebensolche Bezeichnungen, nur reagieren die Beteiligten oder Betroffenen nicht so empfindlich wie wir hier bei uns.
 

Wenn Sie selbst ein eingewanderter Ausländer sind und mit meiner Hilfe die Feinheiten unserer Sprache besser verstehen und beherrschen möchten, dann kann ich Ihnen nur meine allergrößte Hochachtung aussprechen!

Allen muttersprachlichen Deutschen rufe ich in dem Fall zu:

"Hut ab vor diesem Mut, diesem Ehrgeiz
und diesem eisernen Willen
zur sprachlichen Integration!" 

 

Eine Bitte: Vergessen und verlernen Sie Ihre Muttersprache nicht! Vieles von dem, was ich Ihnen über meine Muttersprache vermitteln werde, können Sie sicher auch in Ihre Sprache übertragen. Es geht hier nicht nur um Rechtschreibung und Grammatik.

Die eigene Muttersprache
ist ein wertvolles Kulturgut!

 

Nun weiter für Alle:

Ganz generell gilt: Wer nicht vernünftig sprechen kann, kann erst recht nicht ordentlich schreiben.

Also müssen Sie, bevor Sie richtig schreiben können, sicherstellen, dass Sie anständig sprechen.

Noch einen Schritt weiter (zurück): Bevor Sie überhaupt zu sprechen anfangen, müssen Sie in der Lage sein, richtig zuzuhören.
 

Die Reihenfolge lautet also: Zuhören, Denken, Sprechen, Schreiben. Sie sehen – ich habe das Denken hinzugefügt. Damit ist hier nur gemeint, dass Sie das, was Sie hören, zunächst verstehen sollen, bevor Sie etwas erwidern.
 

Im nächsten Newsletter werden wir diese Schrittfolge vertiefen. Dazu bitte ich Sie, folgende (zweite) Aufgabe zu lösen:

Fragen Sie irgendeinen Menschen Ihres Vertrauens nach seiner Meinung oder seiner Fachkenntnis über irgendein Thema. Hören Sie zu, was er sagt, wie er es sagt, welche Wörter er verwendet. Sprechen Sie ihn einfach mit den Worten an:

"Sag mal, wie denkst du eigentlich über …"

oder so ähnlich. Ganz unverfänglich.


Und wenn Ihr Gesprächspartner erstaunt zurück fragt, warum er Ihnen etwas erzählen soll, antworten Sie:

"Na ja, ich bin gerade dabei, mich über verschiedene Dinge schlau zu machen …".

Und wenn der Gesprächspartner nicht locker lässt, den Spieß umdreht und damit beginnt, Sie über Ihre Absichten auszufragen, dann schenken Sie ihm reinen Wein ein. Dann bekennen Sie bitte offen, dass Sie Ihre Fähigkeit verbessern wollen, sich auszudrücken und dass Sie jemanden brauchen, der das gut kann, und dass Sie von ihm lernen wollen, indem Sie ihm einfach interessiert zuhören.

Ihr Gesprächspartner wird das als großes Kompliment auffassen, und er wird der Letzte sein, der Ihnen dann nicht hilft. Also: Fassen Sie Mut, reden Sie und – ganz wichtig – stellen Sie Zusatzfragen, Zwischenfragen, zeigen Sie damit Ihr Interesse an seinem Thema.
 

Ich wünsche Ihnen ein anregendes und interessantes Gespräch!

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen. JETZT SOFORT!  
2. Gespräch(e) führen.  

 Newsletter 16

 

Höre und staune!

hatten Sie ein gutes Gespräch?

Oder haben Sie noch keinen Gesprächspartner gefunden?

Egal. Schieben Sie das Gespräch aber nicht auf die lange Bank.
 

Ich gebe Ihnen hier noch einen wichtigen Tipp für Ihr Gespräch: Suchen Sie als Gesprächspartner jemanden, der mindestens so viel weiß wie Sie, besser noch mehr. 
 

Zwischendurch machen Sie sich einmal ein paar Gedanken darüber, wie Sie selbst sprechen. Gehen Sie dabei bitte ehrlich zu Werk. Über Dialekt habe ich mich schon während der Testphase geäußert. Jetzt geht es mir hauptsächlich um die Frage, welche Wörter Sie verwenden. Denken Sie daran: Wir wollen vor allem Ihre Chancen bei Bewerbungen, im Beruf und bei gesellschaftlichen Anlässen verbessern.

 

Viele Menschen zeichnen sich im Gespräch dadurch aus, dass sie sehr oft mit Fäkalausdrücken arbeiten. Oft sind sie nicht in der Lage, einen einfachen Sachverhalt zu erklären, ohne mit Beispielen zu arbeiten, die sich unterhalb der Gürtellinie abspielen.

Ich weiß nicht, welcher Ton heute in der Bundeswehr vorherrscht, aber als ich vor mehr als 40 Jahren selbst eine Eignungsprüfung für die Verwendung in der Truppe absolvierte, erklärte uns zukünftigen Wehrpflichtigen ein Unteroffizier einen Sachverhalt, bei dem es darum ging, dass man erst einen Antrag stellen muss, bevor irgendein Vorgang passieren sollte, mit den Worten:

"Wenn Sie kacken wollen,
müssen Sie eben erst
die Hose runterlassen."

Eigentlich sind solche Leute zu bedauern.

 

In der täglichen Kommunikation mit anderen Personen unterlaufen uns immer wieder solche Entgleisungen nach dem Motto "ach du Scheiße …". Auch wenn bestimmte Redewendungen dieser Art mittlerweile "gesellschaftsfähig" geworden sind, so sollten Sie sich doch folgenden Satz einprägen:

"Ein geschriebener Fäkalausdruck sieht scheiße aus –
und gesprochen klingt er genauso bepisst!"

 

Das sollte genügen. Ich werde dieses Vokabular ab sofort vermeiden. Ich wollte Ihnen nur klar machen, worum es geht, wenn ich von Wortwahl spreche.
 

Beobachten Sie jetzt einmal, ob Sie selbst oder Ihre Freunde oder Familienmitglieder sich oft in dieser oder ähnlicher Weise ausdrücken.

Fangen Sie an, solche Ausdrücke zu vermeiden. Suchen Sie Ersatzwörter hierfür und verwenden Sie diese konsequent. Weisen Sie Andere gegebenenfalls auf solche Ausdrücke hin. Natürlich nur, wenn diese Personen Weisungen von Ihnen entgegennehmen, also Ihre Kinder, Ihre unterstellten Kollegen, Ihr Lebenspartner usw. Bei anderen Personen erwidern Sie entsprechende Ansagen einfach deutlich mit Ihrerseits gepflegter Wortwahl. Auf Dauer wirkt das ebenso erzieherisch wie bei den anderen Personen.
 

Mit dieser Grundreinigung sind Sie jetzt auf dem besten Weg, das Niveau Ihrer Sprache deutlich anzuheben.

 

Morgen werden wir unsere Kindheit wiederholen.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
 

 

 Newsletter 17

 

Kinder

haben Sie Kinder?

Können Sie sich noch erinnern, wie die sprechen gelernt haben? Oder haben Ihnen Ihre Eltern erzählt, wie das bei Ihnen ablief?
 

Als Baby kann der Mensch nur schreien. Der erste Schrei nach der Geburt ist das Anlassgeräusch für den Motor der Atmung. Das Neugeborene hat vor der Geburt bereits eine Menge akustischer Eindrücke gespeichert, aber die neue Situation stellt alles in den Schatten, was bisher zu hören war.

Das Kind fühlt, hat Bedürfnisse (Nahrung, Wärme, Zuwendung) und kann sich zunächst nicht anders ausdrücken als durch eine Variation verschiedener Schreie. Nur die eigene Mutter versteht sehr schnell, was dem Kind fehlt (geübte und erfahrene Kinderschwestern natürlich auch).
 

Aber schon sehr bald bildet sich zwischen Kind und Umgebung eine individuelle und immer reichhaltigere Kommunikation heraus – zunächst mit den Eltern, dann mit Verwandten, Freunden und schließlich mit "fremden" Menschen.

Im Laufe dieser Kommunikationsausbildung werden viele Babies und Kleinstkinder Opfer von allzu entzückten Menschen, die angesichts des "ach so niedlichen" Kindes plötzlich in eine affektierte quietschende Tonlage mit unartikulierten Lauten verfallen, anstatt das Kind normal anzusprechen. Und später wundern sie sich, wenn das Kind in der Sprache "zurückbleibt" oder mit anderen Schwierigkeiten bei seiner mentalen Entwicklung zu kämpfen hat. Welche sonstigen Schäden diese frühkindlichen Eindrücke anrichten, können wir anhand der bisherigen Forschungsergebnisse nur vermuten. Da sind sicher noch etliche Überraschungen zu erwarten.
 

Ich bin überzeugt, dass viele Schwierigkeiten, die etliche Kinder heute in der Schule haben, zu einem erheblichen Teil auf diese oben erwähnten Verhaltensstörungen von Erwachsenen beim Anblick eines Kindes zurückzuführen sind.
 

Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen! Wenn Sie Kinder sehen, ganz gleich, welchen Alters, sprechen Sie mit denen wie mit Erwachsenen. Wenn ein Kind etwas nicht versteht, fragt es nach. Verlassen Sie sich darauf. Kinder sind von Natur aus neugierig.
 

Ich habe selbst – zusammen mit meiner Ehefrau – drei Kinder großgezogen. Wir beide haben, weil wir absolut abschreckende affige Beispiele gesehen hatten, unsere Kinder sofort als vollwertige Menschen behandelt – vom allerersten Tage an. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ich weiß deshalb sehr genau, worüber ich spreche.

Zum Glück haben seinerzeit auch die Großeltern perfekt "mitgespielt".

 

Ganz gleich, ob und in welchem Ausmaß Sie als Kind bei der Entwicklung Ihrer Sprachkompetenz geschädigt wurden – jetzt haben Sie die einmalige Chance, nachzuholen, was bei Ihnen früher versäumt wurde.
 

Vielleicht haben Sie es mittlerweile bemerkt: Ich nehme keine Rücksicht darauf, ob Sie alles sofort verstehen, was ich Ihnen mitteile. Ganz bewusst nicht, weil ich den Prozess der Kommunikationsausbildung bei Ihnen erneut in Gang setzen will. Dies ist der Grund, warum ich mich bzw. uns so lange mit diesen Betrachtungen aufhalte, bevor wir uns an das Regelwerk unserer deutschen Sprache herantasten. Irgendwann nämlich, wenn Ihnen etwas unklar ist, fangen Sie an, sich um Klärung zu bemühen, weil Sie nicht wollen, dass die 47 Euro (Normalpreis) umsonst bezahlt wurden.

Aber bis dahin haben Sie in Ihrem Buch schon so weit gelesen und von mir schon so viele Newsletter erhalten, dass Sie inzwischen daran gewöhnt sind, anspruchsvolle Texte zu lesen und zu verstehen – und gegebenenfalls die richtigen Fragen zu stellen.
 

So bereiten wir gemeinsam den Boden, auf dem dann die Beschäftigung mit Sprachregeln eine große Chance hat zu gedeihen. Ihr Verständnis hierfür ist ungleich größer, als wenn ich Ihnen gleich zu Beginn die Grammatik um die Ohren gehauen hätte.

 

Übrigens: Viele Menschen haben Angst vor Mathematik, nur weil ihnen von Kindesbeinen an eingeredet wurde, das sei ein schwieriges Fach. Viele sind sogar stolz darauf, in der Schule mathematische Versager gewesen zu sein.

Was für eine verbohrte und unverantwortliche Haltung!

Da wird ein Vorurteil von Generation zu Generation weitergegeben mit der Folge, dass auf unserem Arbeitsmarkt händeringend nach Ingenieuren und technischen Fachkräften gesucht wird.

Deutschland schafft sich auf diese Weise ab, und zwar schon lange, bevor Thilo Sarrazin mit seinen missglückten Thesen an die Öffentlichkeit getreten ist!

Wir haben uns mit solchem Verhalten technologisch das Wasser abgegraben. Aber ich möchte hier nicht in politisierende Betrachtungen verfallen und kündige Ihnen deshalb für morgen an, dass wir anfangen werden, sprechen zu lernen – wie ein Kind.

Es wird spannend!

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  

 Newsletter 18

 

Sprechen lernen

Mama – das ist meistens das erste Wort, das ein Kleinkind spricht.

Es ist Zufall (bzw. physikalische Realität), dass genau dieses Wort erklingt (oder von uns verstanden wird), wenn ein Baby den Mund aufmacht und einen Laut von sich gibt. Sehr schnell lernt es, dass ihm dadurch die Aufmerksamkeit der Mutter geschenkt wird.

Das Baby weiß beim ersten Mal nicht wirklich, dass es mit dem Wort "Mama" die eigene Mutter anspricht.

In allen Sprachen klingt dieses Wort ähnlich.
 

Wir wollen jetzt keine Verhaltensforschung betreiben, aber dieser beschriebene Sachverhalt macht deutlich, wie Sprachen entstanden sind:

Wir produzieren einen Laut und lösen eine Reaktion der Umwelt aus. Unterschiedliche Lautäußerungen führen zu unterschiedlichen Reaktionen. Irgendwann lernen wir, bestimmte beabsichtigte Reaktionen auszulösen, indem wir einen entsprechenden Laut produzieren. Bis zu diesem Punkt unterscheiden wir uns nicht von den Tieren.
 

Doch nun kommt der Unterschied: Wir fangen an, Dinge zu benennen. Für alles, was wir sehen, fühlen oder irgendwie wahrnehmen, haben wir bald ein Wort zur Verfügung. So fangen wir an, eine Vorstellung zu entwickeln für etwas, was wir nicht wahrnehmen, aber dessen beschreibendes Wort wir hören.
 

Dann kombinieren wir die Wörter zu ersten Sätzen:

"Mama – Essen",

"Papa – Auto" usw.

Bald werden die Sätze länger, enthalten schon mehr Wörter und bekommen eine grammatikalische Sruktur.

 

Jetzt sind wir an einem ganz wichtigen und entscheidenden Punkt angelangt. Dieser Punkt ist so ungeheuer wichtig, dass ich auf keinen Fall schnell darüber hinweggehen möchte.
 

Also:

Wir wissen, dass Gegenstände mit Wörtern benannt oder beschrieben werden. Bald lernen wir auch, Gedanken, Gefühle, Ideen, Konzepte mit Wörtern zu beschreiben. Wer bringt uns das bei?
 

Es sind diejenigen Menschen, die uns die Wörter und Sätze "vorsprechen". Die Eltern, die Verwandten, die Freunde, die Erzieher im Kindergarten, die Lehrer.
 

Erkennen Sie, welche unermesslich große Verantwortung diese Menschen für die Entwicklung unserer Sprache tragen?

Und verstehen Sie jetzt, wie wichtig es ist, zum richtigen Zeitpunkt (als Sprechen lernendes Kind) die richtigen Vorbilder zu haben?
 

Nicht nur als Kind, sondern auch als Erwachsener nehmen wir instinktiv die Sprachgewohnheiten derjenigen Leute an, mit denen wir uns umgeben. Ich drücke dies ganz bewusst aktiv aus, also so, als könnten wir ebendies beeinflussen. Wir können uns zwar unsere Eltern und Verwandten nicht aussuchen, aber spätestens in der Schule werden wir allmählich entscheidungsfähig. 
 

Deshalb sind Sie hier und jetzt in der Lage, Ihre Sprachkompetenz zu verbessern, ganz gleich, wie viel bei Ihnen bisher versäumt wurde.
 

Sie haben die ersten Schritte getan: Sie lesen diesen Newsletter, und Sie lesen ein gutes Buch (hoffentlich !!!).

Ab sofort sollten Sie nie wieder aufhören zu lesen.

Je mehr, je öfter, je besser Sie lesen, umso besser können Sie sprechen – das heißt: Umso besser können Sie sich ausdrücken.

 

Im nächsten Newsletter werden wir versuchen, einen ersten Maßstab zu finden für die Qualität Ihrer Sprache.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
 

 

 Newsletter 19

 

Der Wortschatz - Teil 1

mit einigen wenigen Wörtern sind wir schon in der Lage, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Auch in einem Urlaubsland, dessen Sprache wir nicht beherrschen, schaffen wir es irgendwie – ausgestattet mit einem Reiseführer und einem Wörterbuch, dem wir die wichtigsten Begriffe entnehmen können.

Damit können wir vielleicht überleben, aber auf keinen Fall wirklich kommunizieren.

 

Je mehr Wörter wir kennen, umso besser können wir reden. Bleiben wir jetzt mal bei unserer deutschen Sprache. Alle uns bekannten Wörter zusammengenommen bilden unseren so genannten "Wortschatz".
 

Was ist ein Schatz?

Ein Besitz, der als Reichtum gesehen wird.

Ein Schatz wird beschrieben entweder mit den Elementen, aus denen er besteht (Goldschatz) oder mit dem Ort, in dem er ruht (Bodenschätze).
 

Ein Wortschatz ist also der im Gedächtnis vorhandene Besitz einer mehr oder weniger großen Anzahl von Wörtern. Ein großer Wortschatz ist der Reichtum, der uns in die Lage versetzt, in unserer Sprache beliebig umfangreiche Texte zu verfassen – in mündlicher Rede oder als Schriftstück.
 

Jeder Mensch besitzt einen individuellen Wortschatz. Dieser Wortschatz besteht aus zwei Teilen:

Der aktive Wortschatz besteht aus allen Wörtern, die wir beim Reden oder beim Schreiben verwenden, die uns also im richtigen Moment "einfallen", genau dann, wenn wir sie brauchen.

Unser passiver Wortschatz enthält zusätzlich alle Wörter, die wir auf Anhieb verstehen, wenn wir sie hören oder lesen.

Der passive Wortschatz ist immer wesentlich größer als der aktive. Um unseren aktiven Wortschatz zu erweitern, müssen wir Wörter aus dem passiven Wortschatz gewissermaßen "aktivieren".
 

Ein Wort aus unserem passiven Wortschatz können wir nur dann aktivieren, wenn wir es irgendwo hören oder lesen. Ein solches Wort fällt uns nicht von selbst ein. Sonst wäre es ja bereits ein Teil unseres aktiven Wortschatzes.
 

Wie erreichen wir nun die Wörter aus unserem passiven Wortschatz?

Richtig! – Wir müssen lesen, lesen und nochmal lesen!
 

Aber:

Lesen allein reicht nicht. Wir haben das Wort zwar verstanden, aber im entscheidenden Moment, in welchem es passen würde, fällt es uns nicht ein. Für die Aktivierung eines Wortes müssen wir noch einen zweiten Schritt tun: Wir müssen dieses Wort verwenden. Immer und immer wieder. Und wie schaffen wir das?

Wir reden mit anderen Menschen über ebendiese Themen, in denen das jeweilige Wort eine Bedeutung hat.
 

Spätestens jetzt müssten Sie verstanden haben, warum ich Ihnen die bisherigen beiden Aufgaben gestellt habe. Und Sie müssten jetzt auch einsehen, warum die Lösung dieser Aufgaben so ungeheuer wichtig ist.

Ferner dürfte für Sie jetzt deutlich geworden sein, was ich damit meinte, als ich Ihnen sagte, dass der Kern des Lernprozesses nicht die Anstrengung, sondern die Wiederholung ist.

 

Morgen befassen wir uns noch einmal mit dem Wortschatz. Sie werden einige erstaunliche Erkenntnisse darüber gewinnen.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
 

 

 Newsletter 20

 

Der Wortschatz - Teil 2

wissen Sie, aus wie vielen Wörtern die deutsche Sprache besteht?

Es gibt zu der Größe des Wortschatzes der deutschen Sprache etliche unterschiedliche Betrachtungsweisen. Allen gemeinsam ist allerdings die Feststellung, dass insgesamt etwa 300.000 bis 500.000 Wörter in der deutschen Sprache vorkommen. Die relativ große Schwankung beruht auf der unterschiedlichen Zählweise: Mit Zusammensetzungen oder ohne – Fachausdrücke erweitern den Bestand auf bis zu mehrere Millionen Wörter. Doch diese Zahlen sind theoretisch und haben mit dem alltäglichen Sprachgebrauch sehr wenig zu tun. 
 

Einigermaßen übereinstimmend wird festgestellt, dass die deutsche Standardsprache ca. 70.000 (siebzigtausend) Wörter enthält.

Der Wortschatz eines 15-jährigen Jugendlichen wird nach Untersuchungen mit ca. 12.000 Wörtern angegeben.

Insgesamt reicht die Bandbreite von 3.000 bis 216.000 Wörtern für einen deutschen Muttersprachler. Dabei ist immer der passive Wortschatz gemeint.
 

Den größten bekannten und dokumentierten aktiven Wortschatz besaß Johann Wolfgang von Goethe mit ca. 90.000 Wörtern.
 

Alle Quellen dieser Zahlen nennen als Hauptkriterium für die Größe des individuellen Wortschatzes den Bildungsstand sowie die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht. 

 

Was bedeuten diese Aussagen nun für Ihre Sprachkompetenz?

Sie erweitern Ihre Sprachkompetenz in mehreren Schritten:
  1. Sie vergrößern Ihren Wortschatz – aktiv und passiv.
     
  2. Sie erlernen die Regeln der Rechtschreibung.
     
  3. Sie erwerben Sicherheit in der Grammatik.
     
  4. Sie beschäftigen sich mit sprachlicher Logik.
     

Den ersten Punkt erreichen Sie durch Abarbeiten der ersten beiden Aufgaben.

Diese bilden auch bereits eine Grundlage für die weiteren Punkte, die Gegenstand der weiteren Newsletter-Lektionen sind.

 

Ich gebe Ihnen noch einen Tipp zur Erweiterung Ihres Wortschatzes:

Falls Sie regelmäßig eine Boulevard-Zeitung lesen (z.B. die mit "B" anfängt und mit "ild" aufhört), tauschen Sie diese aus gegen "Welt", "FAZ", "Süddeutsche" oder "Frankfurter Rundschau". Sollte das zu teuer sein, lesen Sie halt nur jeden zweiten Tag Zeitung und informieren Sie sich sonst über Radio. Die Springer Verlags AG verdient ggf. auch ohne Sie genug Geld. Und versäumen tun Sie nichts.
 

Wenn Sie in der Zeitung einen Kulturteil finden, werfen Sie gern mal einen Blick hinein. Und im Wirtschaftsteil versuchen Sie einfach mal, ein paar Zusammenhänge zu verstehen. Dies ist übrigens ein hervorragender Anknüpfungspunkt für ein Gespräch entsprechend der zweiten Aufgabe.
 

Also: Bis morgen!

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
 

 

 Newsletter 21

 

Zuhören und Lesen

nein – noch immer keine Rechtschreibregeln. Die kommen noch. Haben Sie Geduld. Wir müssen vorher noch einige andere Dinge klären.

 

Erinnern Sie sich? Die Reihenfolge lautet:

Zuhören – Denken – Sprechen – Schreiben. Also kommen auch die Rechtsschreibregeln zuletzt. Schließlich heißen sie nicht "Rechtsprechregeln".
 

Zum Zuhören im weitesten Sinne gehört selbstverständlich auch das Lesen, gewissermaßen "schriftliches Zuhören".

Mit den ersten beiden Aufgaben, die Sie hoffentlich permanent erledigen, üben Sie das Zuhören und das Lesen auf vollkommene Art und Weise.
 

Das Denken erledigen Sie automatisch. Beweis: Versuchen Sie mal, eine Zeitlang nicht zu denken! Irgendetwas denken Sie immer. Sie können gar nicht anders. Wenn Sie zuhören oder lesen, denken Sie sofort über das Gehörte oder Gelesene nach. Wenn nicht, dann nur deshalb, weil Sie in diesem Moment an etwas anderes denken (wie z.B. Ehemänner das oft tun, wie deren Frauen behaupten). Also denken Sie auch dann!
 

Sollten Sie mit Ihren Gedanken abschweifen, weil Sie etwas nicht verstehen, dann allerdings ist es höchste Zeit, nachzufragen! Unterbrechen Sie Ihren Gesprächspartner höflich und stellen Sie Ihre Fragen. Er wird, weil Sie besonderes Interesse signalisieren, sehr gerne Erläuterungen liefern. Einen besseren Gefallen können Sie Ihrem Gesprächspartner gar nicht tun.

Einzige Ausnahme: Als Ehemann, dem gerade die eigene Ehefrau etwas erzählt, sollten Sie Nachfragen unbedingt vermeiden und besser auf Umwegen im Gespräch herausfinden, was Ihnen an Information fehlt. Aber diese Situation ist eher ein Kapitel für das Thema Eheberatung.
 

Zurück zu unserem Thema:

Plötzlich auftretende Lücken im Verständnis haben im Wesentlichen drei Hauptursachen:

  1. Sie verstehen ein Wort nicht, weil Sie es nicht kennen. Das ist ein Wortschatzproblem und kann durch sofortige Nachfrage (beim Zuhören) oder Nachschlagen im Lexikon bzw. im Internet (beim Lesen) beseitigt werden.
     
  2. Sie verstehen eine Aussage nicht, weil hierfür die Kenntnis eines anderen Sachverhalts nötig ist. Dieses Problem ist deutlich schwieriger zu lösen. Im einfachsten Fall wissen Sie, dass Ihnen zum Verständnis lediglich eine bestimmte Information fehlt. Dann lassen Sie sich zwischendurch kurz informieren oder holen sich die Information aus Lexikon oder Internet.
     
  3. Sie verstehen eine Aussage nicht, weil Sie nicht über genug Wissen verfügen, um den Gedanken folgen zu können. Dieses Problem ist sofort nicht lösbar.

    Beispiel: Sie sind Ingenieur und hören einen medizinischen Fachvortrag über neue Erkenntnisse in der Immunologie bei speziellen Therapie-Ansätzen für Aids.

    Oder Sie sind Professor für Sinologie und hören im Rundfunk ein Feature über spezielle Taktiken zur Aufstellung einer Fußballmannschaft.

    Oder Sie sind Handwerker und werden bei einem Jubiläumsempfang von einem Kunsthändler über Besonderheiten der Werke des Impressionismus zugetextet. – Lächeln Sie, versuchen Sie, sich ein paar Wörter zu merken, die Ihnen gefallen und erfinden Sie eine Ausrede, warum Sie sich um einen anderen Gast kümmern müssen. Oder beim Lesen: Warum lesen Sie so etwas überhaupt? Nehmen Sie ein anderes Buch oder geben Sie sich weiter dem Vergnügen hin, Wörter zu lernen, ohne den Inhalt zu verstehen. Schaden kann es nicht.

 

Eine bissige Bemerkung zum ersten Punkt:

Wenn Sie ein so genanntes Fremdwort hören und nicht verstehen, fragen Sie unbedingt sofort nach! Sie werden nicht glauben, wie oft irgendwelche halbgebildeten Schwätzer solche Wörter benutzen, ohne selbst zu wissen, was sie bedeuten. Damit entlarven Sie solche Scharlatane und gewinnen sofort Oberhand im Gespräch.
 

Der Übergang vom zweiten zum dritten Punkt ist fließend. Je öfter der zweite anstelle des dritten Punktes zutrifft, umso weiter sind Sie in Ihrem Bildungsprozess vorangekommen. Das hört übrigens nie auf.

Wir lernen lebenslang. Das ist gut so - für uns als Person und für unsere Gesellschaft. Der englische Komponist Benjamin Britten hat gesagt:

"Lernen ist wie Rudern gegen den Strom.
Wer damit aufhört, treibt zurück."
 
 

Denken Sie (nach), lernen Sie und freuen Sie sich auf morgen, wenn wir über das Sprechen reden. Oder über das Reden sprechen – wie Sie wollen …

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
 

 

 Newsletter 22

 

Sprechen

sehen Sie im Fernsehen eine Sportsendung an. Fußball, Tennis, EM, WM, Leichtathletik, egal – was Sie wollen.

 

Konzentrieren Sie sich auf die Interviews im Anschluss an die Wettkämpfe. Achten Sie darauf, was die Sportler sagen. Achten Sie nicht auf den Inhalt, der ist sowieso nicht wichtig. Aber achten Sie auf den Wortschatz. Das am meisten gebrauchte Wort lautet: "äh" – es kommt in jedem Satz mehrmals vor. Und daneben gibt es dann noch vielleicht zehn oder zwanzig weitere Wörter – und das war’s. Es sind ohnehin immer wieder dieselben Aussagen. Von Fußballspielern oder Fußball-Trainern hört man schon seit über 50 Jahren (seit der Zeit von Sepp Herberger) keine neuen Erkenntnisse mehr. Und auch der "Herbergersepp" hat so ungeheuer erhellende Sätze gesagt wie "Der Ball ist rund" und "Ein Spiel dauert 90 Minuten". Das muss einem erst einmal einfallen!
 

Noch eins obendrauf: Achten Sie auf die Tonlage bei den Sportlern. Wie ein sakraler Sprechgesang – immer dieselbe Tonhöhe – ohne Absenken beim Satzende, ohne Pause bei Satzzeichen.
 

Unsere ehemaligen Tennisprofis Boris Becker und Steffi Graf waren zu ihrer Zeit ganz typische Beispiele. Boris ist für mich der ungekrönte "äh"-König, und Steffi könnte mit ihrer Sicherheit, eine einmal eingestellte Tonhöhe zu halten, manchem Laienchor aus der Patsche helfen.
 

Beiden, die ich übrigens keineswegs für dumm halte, gönne ich ihren Erfolg von Herzen.
 

Woher kommen die "äh"s, die "nicht wahr"s, die Redewendungen "ich sag mal", "ich würde sagen", "oder so ähnlich",  "im Grunde genommen", "an dieser Stelle" und all die anderen Redewendungen, die nichts ausdrücken außer dem Umstand, wie inhaltsleer die Gedanken des Sprechers sind?
 

Sie kennen sicher das Sprichwort:

"Reden ist Silber, Schweigen ist Gold."

Wenn Sie nichts zu sagen haben, schweigen Sie. Reden Sie nur dann, wenn Sie genau wissen, was Sie sagen wollen. Reden Sie, wenn Sie mit Sicherheit davon ausgehen können, dass Andere sich für das, was Sie sagen wollen, wirklich interessieren.
 

Auch wenn Sie viel wissen, heißt das nicht, dass Ihre Mitmenschen an Ihrem Wissen teilhaben wollen.

Wenn Sie etwas mitzuteilen haben, werben Sie für Ihr Wissen. Wecken Sie das Interesse Anderer an Ihrem Wissen. Provozieren Sie mit einer kurzen Bemerkung die Nachfrage Ihrer Zuhörer. Aber bereiten Sie sich auf Ihre Antworten gut vor. Das heißt: Ordnen Sie Ihre Gedanken. Prüfen Sie Ihre Aussagen auf Wahrheitsgehalt, auf Logik und vor allem darauf, wie Ihre Zuhörer die Aussagen verstehen können. Wählen Sie Ihre Worte mit Bedacht.

Behalten Sie den Überblick über das, was Sie sagen.
 

Das klingt banal, aber es gibt ein paar Gründe, warum das so wichtig ist:

Sprechen Sie in kurzen ganzen Sätzen. Denken Sie einen Satz vollständig zu Ende, bevor Sie ihn sprechen! Unvollständige oder zu lange Sätze vermitteln Ihren Zuhörern einen Eindruck von Chaos, Sie werden nicht ernst genommen, niemand kann Ihnen folgen, und Sie wirken wie ein Dilettant, der nur redet, ohne etwas zu sagen. Sie selbst verlieren umso leichter den Überblick über Ihre Gedanken, je länger Ihre Sätze sind. Wie können Sie dann erwarten, dass Ihre Zuhörer Ihr Anliegen verstehen?

 

Es gibt zwei deutsche Politiker, die gleichermaßen anerkannt sind und in ihren Positionen jeweils Hervorragendes geleistet haben, die sich aber total voneinander unterscheiden im Hinblick auf die Länge ihrer gesprochenen Sätze.
 

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt ("Schmidt Schnauze") ist berühmt für seine im Deutschen Bundestag gesprochenen Bandwurmsätze (teilweise in freier Rede, also ohne Manuskript, wohlgemerkt).

Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker hingegen ist für seine extrem kurzen Sätze bekannt. Auch die Manuskripte waren in kurzen Sätzen verfasst.

 

Morgen werde ich auf das Thema Satzlänge noch genauer eingehen.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
 

 

 Newsletter 23

 

Bandwürmer in Schachteln

Bekanntmachung:

"Der, der den, der den Pfahl, der an der Brücke, die auf dem Weg, der nach Worms führt, liegt, steht, umgeworfen hat, anzeigt, bekommt eine Belohnung!" 

 

Verstanden?

Nein? - Ok, dann noch einmal, aber etwas anders angeordnet:

Der
      der den 
            der den Pfahl 
                  der an der Brücke
                        die auf dem Weg
                              der nach Worms 
                              führt 
                        liegt 
                  steht 
            umgeworfen hat
      anzeigt
bekommt eine Belohnung

(und alle Satzzeichen weggelassen)
 

Jetzt verstanden? – Gut!
 

Nun stellen Sie sich vor, dass diese vergleichsweise einfache Aussage durch eine umfangreiche Erläuterung des NATO-Doppelbeschlusses durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt vor dem Deutschen Bundestag ersetzt wird, allerdings in einer vergleichbaren Satzstruktur. Ein solcher einzelner Satz dauerte zuweilen mehrere Minuten, bevor der Kanzler ihn vollständig und "unfallfrei" zu Ende gesprochen hatte. Eine rhetorische Meisterleistung, die kaum zu übertreffen ist.

 

Unsere deutsche Sprache ermöglicht das Bilden solcher Sätze.

Genau dies führte im Europäischen Parlament in Straßburg zuweilen zu nervösen Nachfragen einiger Abgeordneter, weil sie glaubten, bei einer Rede eines deutschen Abgeordneten sei die Dolmetscher-Anlage ausgefallen. Die lapidare Antwort der Dolmetscher lautete sinngemäß: "Wir können noch nicht übersetzen – der Redner hat das Prädikat noch nicht gesagt."
 

Sie erinnern sich?

Das Prädikat (die Satzaussage) steht in unserer Sprache meistens am Ende. Wenn also das Subjekt (der Satzgegenstand) durch mehrere ineinander verschachtelte Nebensätze umständlich beschrieben wird, wird der Abstand zwischen diesen beiden Satzteilen (Satzgegenstand und Satzaussage) beliebig groß.

Im anfänglichen Beispiel lautet das Subjekt: "Der" und das Prädikat: "bekommt eine Belohnung".

Ein Dolmetscher müsste sich also alles dazwischen Stehende merken, bevor er am Ende erfährt, dass es heißt: "bekommt eine Belohnung" und nicht etwa "wird als Denunziant bestraft".
 

Was lernen wir daraus?

Kurze Sätze erhöhen die Verständlichkeit. Außerdem prägen sich kurze Sätze bei den Zuhörern besser ein. Je kürzer die Sätze sind, die wir sprechen, umso besser behalten wir den Überblick über unsere Gedanken.

 

Morgen betrachten wir das Behördendeutsch.

 

Eine neue Aufgabe: Bemühen Sie sich bei Ihren Gesprächen um kurze Sätze. Formulieren Sie diese Sätze vollständig zu Ende, bevor Sie dieselben aussprechen. Wenn es nicht klappt, entschuldigen Sie sich bei Ihrem Zuhörer und beginnen den Satz von vorn.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
 

 

 Newsletter 24

 

Behördendeutsch

hatten Sie schon einmal mit einem Rechtsanwalt zu tun? Mit einem eigenen oder mit einem "gegnerischen" Rechtsanwalt?

 

Haben Sie dessen Schriftsätze immer auf Anhieb vollständig verstanden?

Wenn nicht, woran liegt das?

Wenn ein Anwalt schreibt, geht es immer um juristische Sachverhalte. Das hat etwas zu tun mit Recht und Gesetz. Gesetze und Verordnungen müssen alle möglichen Umstände berücksichtigen und erscheinen deshalb oft sehr umständlich und unverständlich formuliert. Wenn man jedoch die Sätze in den Gesetzestexten genau untersucht, stellt man fest, dass sie streng logisch und nahezu unangreifbar sind.
 

Die so genannten Gesetzeslücken bestehen aus denjenigen Sachverhalten, die in den Gesetzestexten nicht festgelegt oder erfasst sind und die auch in den vielen Durchführungsbestimmungen und Kommentaren nicht beschrieben sind. Solche Lücken zu finden bedarf es einer umfangreichen juristischen Ausbildung.
 

Die Rechtswissenschaft ist eine höchst lebendige Wissenschaft, weil sich die Lebensumstände der menschlichen Gesellschaft ständig weiter entwickeln. Die Rechtsprechung muss darauf reagieren, um das Zusammenleben der Menschen und der Gesellschaften vor dem Chaos zu bewahren, das in Gesetzlosigkeit entsteht, wenn Menschen zusammen sind.

Es ist nicht einfach, dies alles zu verstehen und zu überblicken. Deshalb bietet gerade die Rechtswissenschaft ständig neue Themen für wissenschaftliche Texte wie Doktorarbeiten, Habilitationen, Rechtsgutachten, Fachbücher usw. - Abschreiben ist da überhaupt nicht nötig.

 

Zurück zur Sprache: Alle rechtsverbindlichen Dokumente (z.B. Verträge) müssen "wasserdicht" formuliert sein. Dies funktioniert in unserer deutschen Sprache aber nur um den Preis des Verlustes einer unmittelbaren Verständlichkeit.

Selbst einfachste Vertragstexte enthalten deshalb immer eine Klausel am Schluss, die den Fall regelt, dass in irgendeinem Abschnitt des Vertrages eine Formulierung eben nicht "wasserdicht" bzw. juristisch einwandfrei formuliert wurde.

Diese Klausel sagt dann, salopp ausgedrückt:

"Liebe Vertragspartner, Ihr wisst beide, was gemeint ist, also versteht den Text gefälligst in diesem Sinne und versucht nicht, durch Wortklauberei den Anderen über den Tisch zu ziehen!"

Wörtlich heißt es in der Regel:

"Sollte eine der genannten Bestimmungen unwirksam sein, so ist sie durch eine neue zu ersetzen, die dem Sinn der ursprünglichen Bestimmung am nächsten kommt."

Diese Klausel wird "Salvatorische Klausel" genannt. Mit dieser Klausel wird verhindert, dass ein Vertragspartner sich aus seiner Verpflichtung stiehlt, indem er den gesamten Vertrag wegen einer Formalie für ungültig erklärt.
 

Sicher lassen sich etliche juristische und verwaltungstechnische Sachverhalte stilistisch besser beschreiben, als es in den Gesetzen und Verordnungen der Fall ist. Aber fast immer bliebe dadurch irgendein möglicher Einzelfall auf der Strecke.
 

In Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung steht zum Beispiel der Satz:

"Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird."

Drücken Sie das mal besser oder treffender aus, ohne die Vollständigkeit der möglichen Situationen zu gefährden. Sie werden es nicht schaffen!
 

Ein anderer logisch absolut unangreifbarer Satz löste, als er ausgesprochen wurde, bei einer bestimmten Gruppe der Bevölkerung große Empörung aus. Dieser Satz war in der Tat dazu gedacht, diese Bevölkerungsgruppe mit Worten zu diffamieren. Er war aber juristisch so wasserdicht formuliert, dass der Urheber dieses Satzes trotz geballten Volkszornes nicht belangt werden konnte:

Kein Geringerer als der damalige CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß rief nämlich bei einer politischen Veranstaltung im Rahmen der 68-er Protestbewegung den damaligen Anhängern der so genannten Außerparlamentarischen Opposition (APO) folgenden legendären Satz zu:

"Teile der APO benehmen sich wie Tiere,
auf die die Anwendung der für Menschen gemachten Gesetze
nicht möglich ist!!!"

Wieder einmal eine rhetorische Meisterleistung eines – in diesem Falle umstrittenen – Politikers, der auf weiteren Kundgebungen mit lautem Hundegebell, Ziegenmeckern, Pferdewiehern, Schweinegrunzen und allen möglichen anderen Tierlauten von der Menschenmenge empfangen wurde.

Er hatte Recht mit seiner Aussage.

Diskutieren konnte man mit diesen APO-Agitatoren tatsächlich nicht. Es waren meine Altersgenossen, die ich zum Teil schon aus der Schule kannte. Ich konnte die damals auch nicht leiden.

Wie die Geschichte weiter ging, ist bekannt. Aus diesen Gruppen gingen etliche Mitglieder der RAF und anderer krimineller Vereinigungen hervor.

Und die "Harmlosen" unter ihnen gehen gerade alle in Rente.

 

Was hat das alles mit Behördendeutsch zu tun?

Es geht um die Sprache. Es geht um wasserdichte Formulierungen. Es geht um Genauigkeit, Vollständigkeit und Logik. Dies alles sind Eigenschaften, die vom Behördendeutsch erwartet werden.

Aber wir sollten auf Anhieb verständlich reden. Wir müssen nicht sofort alles in einem Satz ausdrücken. Besser formulieren wir in kurzen Sätzen. Mit Pausen dazwischen, in denen wir unsere eigenen Gedanken ordnen und dem Gesprächspartner Gelegenheit zur Bestätigung oder zum Widerspruch geben.
 

Wenn Sie das können, sind Sie in der Lage, verständlich zu schreiben. Dann können wir anfangen, die Rechtschreibung unter die Lupe zu nehmen. Viele korrekte Schreibweisen haben Sie bereits jetzt unmerklich gelernt. Denn erstens lesen Sie ja nebenbei ein Buch (vielleicht schon das zweite?) und zweitens haben Sie jetzt 24 Tage lang diesen Newsletter gelesen, bei dem Sie sich darauf verlassen können, dass er keine Fehler enthält. Weder in der Rechtschreibung noch in der Grammatik. Und wenn Sie einen unvollständigen Satz finden wie gerade eben den vorherigen, dann ist der ganz bewusst unvollständig geblieben – aus stilistischen Gründen.
 

Geben Sie es zu: Sie haben keine Mühe, diese Newsletter zu lesen, denn alle Tipps, die ich Ihnen empfehle, sind selbstverständlich auch in meinem eigenen Text berücksichtigt. Dieser SKN ist nicht von einem Lektor überprüft worden. Damit will ich Ihnen und vor allem mir selbst beweisen, dass ich auf eine solche Dienstleistung nicht angewiesen bin.

Lediglich der Inhalt hat die eine oder andere Korrektur durch die beiden Lehrerinnen in meiner Familie erfahren.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
 

 

 Newsletter 25

 

Rechtschreibung

wir werden uns jetzt drei Tage lang mit der Rechtschreibung auseinandersetzen. Der heutige Newsletter heißt zwar "Rechtschreibung", befasst sich aber noch nicht mit derselben. Zunächst nehmen wir das Wort selbst unter die Lupe. 


"Rechtschreibung" endet mit ung. Weil das so ist, muss ich schon hier eine Besonderheit der deutschen Sprache genauer betrachten.


Unsere deutsche Sprache bietet die Möglichkeit der Substantivierung. Substantive sind Hauptwörter. Tätigkeitswörter, die mit en aufhören, werden zu Hauptwörtern durch Ersetzen von en durch ung.

In unserer Sprache wimmelt es geradezu von Wörtern, die mit ung enden. Sie alle sind erstarrte Tätigkeitswörter. Normalerweise drückt ein Tätigkeitswort etwas anderes aus als das aus ihm hervorgegangene Hauptwort mit ung. In den Fällen ist der Gebrauch des substantivierten (erstarrten) Tätigkeitswortes gerechtfertigt.


Beispiele:

rechnen – Rechnung

kleiden – Kleidung

senden – Sendung

Aber in allen Fällen, in denen mit dem ung-Wort dasselbe gemeint ist wie mit dem ursprünglichen Tätigkeitswort, nämlich die Tätigkeit selbst, sollten Sie das Tätigkeitswort verwenden, sonst erstarrt Ihre Sprache und wirkt furchtbar aufgedunsen.


Beispiele:

bezahlen – Bezahlung

vermeiden – Vermeidung

übersenden – Übersendung


Wie stellen Sie aber fest, ob ein ung-Wort angebracht ist oder nicht?

Wenn das ung-Wort einen Gegenstand oder einen Sachverhalt beschreibt, ist es angebracht.

Wenn dieses Wort allerdings nur die Tätigkeit beschreibt, aus der es hervor gegangen ist, sollte es vermieden werden.


Für eine stilistische ung-Entgleisung gibt es ein Beispiel, das mir tatsächlich so begegnet ist:

"Wir bitten um Übersendung der Sicherungsbestätigung,
damit wir die Bezahlung der Rechnung vornehmen können."

(Textbaustein im Schriftverkehr einer Leasing-Gesellschaft).

Ich habe dem Kollegen, der diesen Satz verbrochen hat, damals empfohlen, diesen Textbaustein umzuformulieren in:

"Bitte schicken Sie uns die Sicherungsbestätigung,
damit wir die Rechnung bezahlen können."

Dieser Satz enthält zwar immer noch drei ung, aber mit diesen betroffenen Wörtern werden Gegenstände beschrieben. Außerdem ist dieser Satz kürzer.

 

Was wir eben betrachtet haben, war eine Kombination aus Rechtschreibung, Grammatik und Stil. Wir sind noch immer nicht beim Thema angekommen, wenn das Thema "Rechtschreibung" heißt. Dafür sind wir allerdings mitten drin im Thema "Sprachkompetenz".

Und dieses Newsletter-Seminar heißt nicht RSN (RechtSchreibung-Newsletter) sondern SKN (SprachKompetenz-Newsletter). Das ist wesentlich mehr als das schlichte Befolgen elementarer Rechtschreibregeln.
 

So wird es nun auch weitergehen. Rechtschreibregeln behandeln wir in diesem Newsletter-Seminar nicht an einer kompakten Stelle, sondern verteilt über alle Newsletter dieses Seminars.

Damit bleiben die behandelten Themen abwechslungsreich, und Ihr Lernerfolg wird deutlich größer.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
 

 

 Newsletter 26

 

Groß oder klein? - Teil 1

heute werden wir einen sanften Übergang zu Rechtschreibregeln vollziehen. Das gesamte Newsletter-Seminar ist geschrieben wie ein Brief. Ich bin der Verfasser und Sie sind der Adressat. Ich teile Ihnen etwas mit und bin damit in der Situation, Sie persönlich anreden zu müssen.


Die Regeln hierfür sind denkbar einfach – nach der Reform genauso wie vor der Reform:

Wir sprechen mit einem Mitmenschen in zwei verschiedenen Varianten: Als Fremder reden wir ihn mit "Sie" an, als Nahestehender mit "Du". Die förmliche Anrede "Sie" ("Ihnen", "Ihre") wird immer mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben – ohne jede Ausnahme!

Grammatisch: Dritte Person Plural (Mehrzahl).

Früher – z.B. zu Goethes Zeiten – wurden Fremde ebenfalls ehrerbietig in der Mehrzahl angesprochen, auch wenn es sich um eine einzelne Person handelte. Grammatisch war das die zweite Person Plural.

"Habt Ihr eine Bleibe für mich?" war der Satz,
der heute lautet: "Haben Sie noch ein Zimmer frei?"


Im schnellen E-Mail-Verkehr, aber auch bei normalen auf Papier verfassten Geschäftsbriefen wird diese Regel oft verletzt. Dem Empfänger fällt das sofort auf, insbesondere, wenn dadurch in einem Satz ein falscher Bezug entsteht, weil der Leser sich nicht angesprochen fühlt – oder weil er angesprochen wird, ohne tatsächlich gemeint zu sein. Hierfür ein Beispiel aus einer E-Mail (halten Sie sich fest!):

"Wir haben noch etliche Luftballons (...), die wir gerne an die Kinder (...) verteilen würden (...). Falls sich für uns die Möglichkeit ergibt, würden wir Sie gerne mit Gas befüllen. Gäbe es diesbezüglich irgendwelche Sicherheitsbedenken?"


Und nun beruhigen Sie sich bitte wieder. Alle, die das lasen, haben – wie Sie – herzhaft gelacht!


Hier bietet sich für Sie eine großartige Gelegenheit, allen Schriftstücken, die Sie verfassen, mit einer dritten Maßnahme ein professionelles Aussehen zu verleihen – Sie erinnern sich?


Die das/dass-Regel sowie die ß/ss-Regel aus der Testphase waren die ersten beiden Maßnahmen, mit denen Sie Ihren Text erheblich aufwerten können.

Auch wenn Ihr Adressat es möglicherweise nicht eingesteht, auch nicht sich selbst, fühlt er sich immer ein bisschen beleidigt, wenn er mit "sie" statt mit "Sie" angeredet wird. Das sollten Sie stets berücksichtigen. Und Sie vermeiden Missverständnisse - siehe oben!

 

Die Rechtschreibreform hatte im ersten Anlauf die vertrauliche Anrede "Du" in "du" umgewandelt, sozusagen im Gegensatz zur förmlichen Anrede. Doch dadurch sahen sich viele Menschen in der Situation, ihre vertrauten Mitmenschen nicht mit dem nötigen Respekt anschreiben zu können. Deshalb wurde wenig später diese Regel aufgelockert, so dass es heute jedem Schreiber freigestellt ist, die persönliche Anrede mit kleinem oder großem Buchstaben zu beginnen.


Diese besondere Regel ist noch nicht in allen Nachschlagewerken zur Rechtschreibung berücksichtigt. Aber sie gilt dennoch.

 

Abschließend gebe ich Ihnen noch eine Faustregel mit auf den Weg, mit der Sie beim Schreiben blitzschnell entscheiden können, ob bei dem Wort "sie" eine Anrede vorliegt oder nur ein Personalpronomen (persönliches Fürwort):

Wenn das Wort "sie" nicht ersetzt werden kann durch "diese",
ist es eine Anrede und wird groß geschrieben.

In deklinierter Form (2. und 3. Fall – Genitiv, Dativ) ist das ersetzende Wort "deren" für "ihres" bzw. "ihrem". Diese Wörter stellen immer einen Bezug zu einem vorhergehenden Begriff her.

 

Heute stelle ich Ihnen eine weitere Aufgabe, mit deren Lösung Sie sich gern etwas Zeit lassen dürfen. Diese Aufgabe bearbeiten Sie bitte ab sofort bis zum Ende dieses Newsletter-Seminars:

Durchsuchen Sie Ihren Schriftverkehr (amtliche Schreiben, persönliche Briefe usw.), nehmen Sie sich die Briefe vor und korrigieren Sie die Fehler (mit Bleistift). Schreiben Sie sich die falsche und die richtige Version auf, um später nachschlagen zu können. Wenn Sie das mit Ihrem Computer machen, achten Sie bitte darauf, dass Ihnen die automatische Rechtschreibkorrektur die falschen Versionen nicht versehentlich korrigiert.

Legen Sie sich auf diese Weise also ein Dokument an, in welchem Sie – nicht nur für die Rechtschreibung, sondern auch für alles andere, das noch kommt – jeweils eine Spalte für falsch und richtig einrichten und dort die entsprechenden Versionen eintragen.

Korrigieren Sie zunächst nur Texte von Anderen, nicht Ihre eigenen. Der Grund: Andere zu verbessern ist immer leichter als sich selbst. Machen Sie es sich nicht unnötig schwer. Außer Ihnen selbst weiß ja niemand davon. Seien Sie also zu Beginn gern überheblich und egoistisch.

Genießen Sie die Lust der Besserwisserei!


Im Ergebnis werden Sie große Sicherheit gewinnen im Beurteilen und in der Korrektur von Texten. Dann können Sie später auch Ihre eigenen Texte selbstkritisch überarbeiten.

Aber beachten Sie bitte dies: Arbeiten Sie sorgfältig. Ziehen Sie in Zweifelsfällen meine Newsletter-Lektionen zu Rate oder schlagen Sie ggf. in einem Wörterbuch nach (Duden/Wahrig).

Und noch etwas: Folgen Sie unbedingt dieser Empfehlung, wirklich "handgreiflich" zu arbeiten – nicht nur in der Theorie. Es ist wichtig, dass Sie auch mit Ihren fünf Sinnen erfassen, was falsch und was richtig ist. Vor einigen Tagen habe ich Ihnen ausführlich erläutert, wie wir lernen.

Wiederholen ist wichtiger als Anstrengen!

Außerdem: Eigenes Tun ist effektiver als Hören oder Lesen.

Ihr Gehirn speichert Sinneseindrücke ab. Und die müssen Sie wirklich erzeugen. Das geht nicht theoretisch, sondern nur praktisch! So programmieren Sie Ihr Unterbewusstsein auf die richtigen Versionen.


Denken Sie immer an das Ziel:

Sie wollen Sprachkompetenz erlangen.

Wofür?

Sie möchten ernst genommen werden. Sie möchten interessant sein für Andere. Sie wollen auf keinen Fall für dumm oder ungebildet gehalten werden. Sie wünschen sich gesellschaftlichen und beruflichen Erfolg!

 

Mit diesem Appell verabschiede ich mich heute von Ihnen.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
 

 

 Newsletter 27

 

Groß oder klein? - Teil 2

ist doch eigentlich ganz einfach: Jeder Satz beginnt mit einem großen Buchstaben. Und innerhalb eines Satzes beginnt jedes Hauptwort (Substantiv) mit einem großen Buchstaben, außerdem auch jeder Eigenname.

Wo steckt denn da nun die Schwierigkeit?


Hierzu ein volkstümliches Gebet:

"Herr – gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Geduld, Tatsachen zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Kennen Sie doch – oder?

Nun: Was ist Hauptwort und was nicht? Wenn wir das richtig beantworten, ist das Problem der Groß- und Kleinschreibung sofort gelöst.


Alle Gegenstände, alle Lebewesen (Tiere sowie Menschen), alle Namen von Orten, Ländern, Schiffen, Menschen, Tieren usw. beginnen mit einem großen Buchstaben. Soweit dürften wir uns einig sein, dass man das schnell entscheiden kann.


Die ersten Zweifel kommen, wenn Sie den Satz schreiben sollen:

"Wesentlicher Teil der menschlichen Bildung ist lebenslanges Lernen."

Oder ". . . Lebenslanges Lernen"?

Oder ". . . lebenslanges lernen"?

"Leben" ist doch ein Hauptwort, und "lernen" ist doch ein Tätigkeitswort – was ist nun richtig?

Und wäre "wir lernen ein Leben lang" die richtige Schreibweise?


Es gibt klare Regeln. Diese sind in den einschlägigen Werken (z.B. Duden und Wahrig) klar und übersichtlich beschrieben. Es sind allerdings nicht gerade wenige Regeln. Sie haben jetzt mehrere Möglichkeiten:

  1. 1.
    Kaufen Sie sich eines dieser Werke und lernen Sie die Regeln auswendig. Das dauert naturgemäß eine längere Zeit, und Sie lernen dabei auch etliche Regeln, die Sie nur sehr selten brauchen.
     
  2. 2.
    Lesen Sie viele Bücher. Wenn Sie Glück haben, werden die Regeln dort weitestgehend befolgt, und Sie haben durch wiederholtes Lesen richtiger Schreibweisen in den unterschiedlichen Situationen den entsprechenden Lerneffekt. Auch das ist ein langwieriger Prozess.
     
  3. 3.
    Eine effiziente Möglichkeit, zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen, ist die Teilnahme an diesem Newsletter-Seminar SKN. Dies geschieht gerade, ist zwar mit 47 Euro (Normalpreis) etwas teurer als ein Duden, spart aber sehr viel Zeit. Zeit ist Geld, wie Sie wissen. Auch hier.


Damit Sie nun nicht anfangen, an Ihrer Investition in diesen Newsletter zu zweifeln, erinnere ich Sie daran, dass Sie in diesem SKN viele Dinge lernen, die Sie in keinem allgemein erhältlichen Lehrbuch finden, falls Sie sich überhaupt die Mühe machen sollten, ein solches zu suchen.

Dafür ist es jetzt wirklich zu spät. In der Schule hätten Sie Gelegenheit gehabt, Ihre Sprachkompetenz auszubilden. Aber viele von Ihnen mochten vielleicht den Deutschlehrer nicht leiden (ich meinen übrigens auch nicht – aber das ist eine andere Geschichte! Heute bin ich mit einer Deutschlehrerin verheiratet – wie das Leben so spielt), und etliche Menschen haben als Schüler vielleicht viel mehr getan für die attraktive Lehrkraft z.B. im Fach Mathematik.

 

Ich habe meine Sprachkompetenz erst sehr viel später erworben – und Sie können und werden dies ebenfalls tun.

Zu dieser Sprachkompetenz gehört sehr viel mehr als Kenntnisse zu erwerben über Rechtschreibregeln, Zeichensetzung, Grammatik usw.

Sprachlich einwandfreie Logik, richtige Wortwahl, Stil, Satzbau – all das lernen wir zwar in der Schule, aber möglicherweise nur in weiter führenden Schulen und dort auch nicht immer bei den besten Lehrern. Seit meiner eigenen Schulzeit hat sich vieles verändert – zum Besseren, wie ich weiß. Aber noch heute führen viele Schüler (und Lehrer – bei den Korrekturen und Beurteilungen) einen verzweifelten Kampf gegen die Versäumnisse in der frühen Kindheit und gegen etliche negative Einflüsse der heutigen Medien- und Kommunikationskultur.

 

Bei der Analyse Ihres Bildungshintergrunds zu Beginn dieses Newsletter-Seminars hatte ich bereits darauf hingewiesen, wie außerordentlich wichtig die Vorbilder für kleine Kinder sind, die gerade Sprechen lernen.

Mit diesem SKN halten Sie das Instrument in den Händen, mit dem Sie wenigstens einen Teil der ggf. vorhandenen Defizite in Ihrer Sprachkompetenz ausgleichen können. Und genau dafür haben Sie mit 47 Euro (Normalpreis) sicherlich nicht zu viel bezahlt – gemessen daran, welchen Erfolg Sie mit den hier erworbenen Kenntnissen in Ihrem zukünftigen Leben in Beruf und Gesellschaft zu erzielen imstande sind.

 

Kehren wir nun zurück zu unserer Groß- und Kleinschreibung:

Die Kunst, ein Ziel zu erreichen, besteht darin, sorgfältig auf Effektivität und Effizienz zu achten. Worin besteht der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen?

Die beste (weil kürzeste) Erklärung ist folgende:

Effektivität: Die richtigen Dinge tun (Wirksamkeit).

Effizienz: Die Dinge richtig tun (Leistungsfähigkeit).

Auf unsere Rechtschreibregeln angewendet heißt das, dass das Lernen von Regeln sicherlich effektiv ist (wirksam), effizient wird es allerdings erst dadurch, dass man zunächst nur die wichtigsten Regeln lernt, also jene, die in den häufigsten Fällen Auskunft geben. Die weniger häufig anzuwendenden Regeln können dann gern mit etwas mehr Zeitaufwand nachgeschlagen werden, ohne die Effizienz (Leistungsfähigkeit) der Textproduktion zu gefährden.

Bei der Groß- und Kleinschreibung ist es im Sinne der Effizienz also zunächst ausreichend, dass Sie sich folgende Regeln merken, die fast als "Faustregel" bezeichnet werden können:

Ein Wort wird mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben, wenn es durch einen bestimmten oder unbestimmten Artikel (der, die, das, ein, eine) näher bezeichnet werden könnte. Auch ein vorangestelltes persönliches Fürwort (Personalpronomen) - wie mein, dein, sein - kann als Test hierfür dienen.

Mit dieser einen wichtigen Regel können Sie schon sehr weit kommen. Merken Sie sich nur noch als Ausnahme die Formulierungen "ein bisschen" und "ein paar" (für einige), dann sind alle anderen Zweifelsfälle so selten, dass Sie diese dann getrost nachschlagen (oder im Internet nachfragen) können, ohne Zeit zu verlieren.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
 

 

 Newsletter 28

 

Im Falle eines Falles

die Fälle in der deutschen Sprache bringen viele Menschen zu Fall.


Erinnern Sie sich noch daran, was Sie in der Schule hierzu gelernt haben?

Sie können es sicher noch heute:

1. Fall (Nominativ)

2. Fall (Genitiv)

3. Fall (Dativ)

4. Fall (Akkusativ)


Die eingeklammerten Bezeichnungen haben Sie wahrscheinlich ebenfalls gelernt, auch wenn es Ihnen ggf. nicht vergönnt war, ein Gymnasium zu besuchen. Diese Bezeichnungen sind Bestandteil zumindest des passiven Wortschatzes der meisten deutschsprachigen Zeitgenossen.

Und so haben viele von Ihnen schon von dem Buch gehört:
"Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod".

Es ist eines von vielen Büchern, in denen sich der jeweilige Autor über die Leute lustig macht, die es in vielen Fällen nicht schaffen, die richtige Fallentscheidung zu treffen.

Witzig sind diese Bücher allerdings nur für diejenigen Leute, die mit der Grammatik keine Schwierigkeiten haben. Die anderen sprechen wahrscheinlich "Kanakisch", also jene Sprache, in der es nur einen Fall gibt – den Dativ. Und denen ist es dann egal, ob es diese Bücher gibt oder nicht. Sie nehmen das gar nicht wahr, weil sie sich normalerweise nicht in einen Buchladen oder die Buchabteilung eines Kaufhauses verirren.

"Dem Auto schon bezahlt - ey?" In entsprechendem Tonfall angebrüllt fühlt man sich schnell nach Hamburg-Wilhelmsburg oder Berlin-Kreuzberg versetzt.

 

Nicht nur in den satirischen Büchern wird über das allmähliche Aussterben des Genitivs lamentiert, sondern ganz allgemein ist zu beobachten, dass das Auto von dem Handwerker sehr viel häufiger erwähnt wird als das Auto des Handwerkers. Und wegen dem Verfall der Sprache macht sich kaum noch jemand Gedanken.

?!?

Nicht, dass Sie jetzt denken, ich hätte meinen Sprachverstand verloren …

Natürlich weiß ich, dass es heißen muss: "Wegen des Verfalls …".

Klar. Aber haben Sie das sofort bemerkt?

Seien Sie ehrlich! Tatsache ist, dass diese Fehler nicht auf die so genannten bildungsfernen Gesellschaftsgruppen beschränkt sind. Dieser inflationäre Gebrauch des Dativs an Stellen, die dem Genitiv gehören, ist bis in höchste akademische Kreise zu beobachten – ebenso wie das Problem mit das/dass.


Wie vermeiden Sie nun diesen Fehler?

Ich erzähle Ihnen nichts Neues, wenn ich Ihnen den richtigen Tipp gebe, aber dennoch kann es hilfreich sein, dass ich Sie daran erinnere:

Stelle Sie die Nachfrage: "Wegen dem Verfall …" – wie fragen Sie? Weswegen?

Das Auto von dem Handwerker – wessen Auto?

(Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit "Wem sein Auto?"!!!)

 

Ich bin zum Glück nicht in der Situation Ihres Deutschlehrers, der Ihnen das alles jetzt verständlich erklären muss. Sie wissen es nämlich selbst noch sehr gut. Sie haben es nur vergessen oder verdrängt oder vernachlässigt – suchen Sie sich etwas aus.

Was ich tun kann, ist, Ihnen geeignete Tipps und Beispiele zu geben, um Sie wieder auf die richtige Fährte zu setzen.

Also: Stellen Sie die richtige Frage – und schon erkennen Sie, mit welchem Fall Sie es hier zu tun haben. Bald werden Sie auch in der Lage sein, nicht nur beim Schreiben, sondern auch beim Reden auf Anhieb die richtige Formulierung zu finden.

 

Morgen beschäftigen wir uns mit dem Genitiv. Er wird zwar oft vernachlässigt, wuchert dafür aber an anderen Stellen unmerklich und ist dort – wie Unkraut – nur schwer zu bekämpfen.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
 

 

 Newsletter 29

 

Der Genitiv-Fetischismus

gestern haben wir uns ausführlich mit dem Dativ als "dem Genitiv sein Tod" beschäftigt. Bei all dem Gejammer über den angeblich aussterbenden Genitiv wird übersehen, wie dieser 2. Fall unterirdisch wuchert und an vielen Stellen durch die sprachlichen Ritzen wieder hervortritt – zunächst unbemerkt, bald aber gefördert und gedüngt von ahnungslosen – meistens jedoch besonders bildungsbeflissenen – Zeitgenossen.


Wieder einmal sind es diejenigen Menschen, die man einer überdurchschnittlich gebildeten Gruppe zurechnen darf – Journalisten, Politiker, Akademiker aller Fachrichtungen. Von vielen dieser Menschen, allerdings auch von solchen Menschen, die besonders gebildet erscheinen möchten, hört oder liest man dann Formulierungen wie:

"Entgegen des allgemeinen Trends zum Vorruhestand …" oder

"Entsprechend des großen Verlangens nach finanzieller Sicherheit …" oder - noch weniger auffällig im Plural:

"Entsprechend der großen Herausforderungen unserer Zeit …"

oder, wie ein besonders beflissener Verkäufer zu mir sagte:

"Ich hatte den Artikel für Sie zurück gelegt, aber mein Kollege hat ihn ohne meines Wissens an einen anderen Kunden verkauft."


Obwohl dieser Vorfall schon über zehn Jahre zurück liegt, weiß ich heute noch sehr genau, dass ich mich über diese affig halbgebildete Formulierung mehr aufgeregt habe als über die Tatsache, dass ich den begehrten Gegenstand nun nicht erwerben konnte!

 

Bevor ich Ihnen nun ein paar Erläuterungen gebe, ergreife ich die Gelegenheit, Sie auf eine weitere sehr interessante Tatsache hinzuweisen. Während ich nämlich diesen Text schreibe, bewahrheitet sich die von mir zu Beginn dieses Newsletter-Seminars erstellte Behauptung, dass auf die automatische Korrektur von Microsoft Word (hier: Office 2007) kein Verlass ist. Alle vier Beispielsätze sind nämlich falsch, aber nur der vierte wird vom Programm als falsch erkannt.

 

Nehmen wir gleich einmal den ersten Satz unter die Lupe:

"Entgegen des allgemeinen Trends zum Vorruhestand …"

Stellen Sie sich die Situation vor, dass zwei Männer aufeinander zu gehen.

Der eine kommt also _____ (des oder dem) anderen entgegen?

Na also. Geht doch. Warum also nicht gleich:

"Entgegen dem allgemeinen Trend zum Vorruhestand …"?

Wie gesagt: MS Word hat das nicht gemerkt.


Der nächste Satz ist schon etwas schwieriger:

"Entsprechend des großen Verlangens nach finanzieller Sicherheit …"

In einem weiteren Satz wird sofort deutlich, was nicht stimmt:

"Das Xenon-Licht am Auto entspricht des Tageslichts …" - ?!?

Da merkt wirklich jeder, dass das nicht stimmen kann. Auch hier wuchert der Genitiv an einer Stelle, wo er nicht hingehört.


Im letzten Beispiel hat der Genitiv allerdings nicht den Dativ verdrängt, sondern den Akkusativ:

"Ich hatte den Artikel für Sie zurück gelegt, aber mein Kollege hat ihn ohne meines Wissens an einen anderen Kunden verkauft."

Ohne wessen oder ohne wen bzw. was? Wieder hilft hier eine entsprechende Nachfrage.

"Die Kneipe gegenüber des Bahnhofs dient vielen Fahrgästen als Wartehalle." – Das hat MS Word wiederum erkannt.


Man sieht: Auch MS Word wurde von Menschen programmiert bzw. übersetzt. Und diese Menschen kennen den SKN noch nicht.

 

Zum Schluss unseres heutigen Kapitels zitiere ich eine Moderatorin des Fernsehmagazins "Report" aus München. Dass sich dieser Vorgang in Bayern abspielte, ist Zufall. So etwas kommt auch vielfach in den anderen Bundesländern vor.


Das Zitat lautete:

"… und so haben die Verantwortlichen wider besseren Wissens dafür gesorgt, dass …".

Hier wurde der Begriff "besseres Wissen" zwar vollkommen korrekt dekliniert, aber "wider" erfordert nun einmal den Akkusativ.

Falsch gebrüllt – (bayerischer) Löwe!


Tipp: Ersetzen Sie "wider" durch "gegen", ein anderes Wort für dieselbe Aussage. Dann sehen bzw. hören Sie den Fehler sofort:

"… und so haben die Verantwortlichen gegen besseren Wissens dafür gesorgt, dass …". (Genitiv)

Richtig heißt es:

"… und so haben die Verantwortlichen gegen besseres Wissen dafür gesorgt, dass ". (Akkusativ)

oder - mit Dativ:

"… und so haben die Verantwortlichen entgegen besserem Wissen dafür gesorgt, dass ".

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
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4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
 

 

 Newsletter 30

 

TROTZdem oder trotzDEM?

die Großbuchstaben sollen hier die betonte Silbe anzeigen.

Wird das Wort richtig, also komplett klein (außer am Satzanfang) geschrieben, weiß der Leser zunächst nicht, wie das Wort zu betonen ist.

"Nein – sagen Sie jetzt nichts!" (Loriot)

Lassen Sie mich erst weitermachen.


Also: "Trotzdem" wird manchmal auf der ersten Silbe und manchmal auf der zweiten Silbe betont. Im täglichen Umgang miteinander hören wir immer wieder, wie ein Mensch einem anderen Menschen erzählt, dass er im Süden Urlaub macht, trotzdem es dort sehr heiß sein soll. Der Andere bedauert ihn dann möglicherweise. Aber er wünscht ihm trotzdem gute Erholung.


Wenn Sie diese Sätze so lesen, hören Sie instinktiv die unterschiedlichen Betonungen des Wortes "trotzdem" in den beiden Sätzen, in denen es verwendet wird. Woher kommt das?


Die gefühlt richtige Betonung auf der ersten oder auf der zweiten Silbe hat einen grammatischen Ursprung:

Wenn das Wort "trotzdem" in einem Hauptsatz steht, betont der Sprecher es auf der ersten Silbe. Wird das Wort zum Einleiten eines Nebensatzes verwendet, sitzt die Betonung auf der zweiten Silbe.


Wollten Sie jetzt etwas sagen?

Ja? – Tatsächlich?

Fangen Sie gerade an, meine Sprachkompetenz in Frage zu stellen anlässlich dessen, was ich in diesem Kapitel bisher geschrieben habe?


Sehr gut! – Dann gehören Sie zu den wenigen Menschen, die erkennen, dass meine bisherigen Erklärungen zur Verwendung und Betonung des Wortes "trotzdem" zwar logisch und einleuchtend sind und außerdem die sprachliche Realität beschreiben, aber trotzdem vollkommener Blödsinn sind - und auch "offiziell" falsch!


Dann können Sie den Rest dieses Kapitels getrost überschlagen oder dessen Inhalt einfach vollständig ignorieren. Dann wissen Sie nämlich, dass wir es hier mit einem waschechten Wortschatzproblem zu tun haben, das bei Ihnen offensichtlich nicht existiert.

Glückwunsch! Also dann bis morgen …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

???

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sind Sie noch da?

Dann hatten Sie offenbar nicht das Bedürfnis, gleich nach den ersten Sätzen in diesem Kapitel heftig zu widersprechen.


Zunächst eine für Sie tröstliche Bemerkung: Sie befinden sich in allerbester Gesellschaft! Es gibt reichlich Schriftsteller, die mit "trotzdem" Nebensätze einleiten. Oft wird das damit begründet, dass in den jeweiligen Texten eine mundartliche Besonderheit zum Ausdruck kommen soll.

Akzeptieren lässt sich das jedoch nur, wenn mit einer solchen Wortwahl der eingeschränkte Wortschatz des Protagonisten deutlich werden soll. Mit Mundart hat das nämlich nichts zu tun.

Aber lassen wir mal die Literaturkritik beiseite. Das können Andere besser.


Wir reden hier über den Wortschatz. Viele Menschen, so haben wir festgestellt, leiten mit "trotzdem" einen Nebensatz ein, obwohl es nicht korrekt ist. Das liegt daran, dass das Wort "obwohl" zwar in ihrem Wortschatz enthalten ist, aber offenbar noch nicht aktiviert wurde.

Trotzdem ist es in diesem Fall ganz einfach, zu entscheiden, wo das Wort "trotzdem" nicht hingehört, sogar ohne grammatische Überlegung! Das geht auch beim Sprechen.

Regel:

Immer dann, wenn Sie versucht sind,
das Wort "trotzdem" zu verwenden,
indem Sie es auf der zweiten Silbe betonen wollen,
ersetzen Sie es bitte blitzschnell durch das Wort "obwohl".

Das stimmt immer. Ohne Ausnahme!


So – das haben wir nun geklärt.


Jetzt machen Sie sich bitte auf einige spitzfindige Überlegungen gefasst. Für schriftliche Texte ist das Problem "trotzdem/obwohl" hinreichend behandelt. Aber Sprachkompetenz soll auch in freier Rede deutlich werden.

Es gibt etliche Leute, die das Wort "trotzdem" scheinbar korrekt verwenden, es aber dennoch auf der zweiten Silbe betonen.


Beispiel:

"Er wusste, dass es keinen Zweck hatte, seinen Vater um Hilfe zu bitten. TrotzDEM gab er die Hoffnung nicht auf, dass dieser ihn unterstützen würde."

Zugegebenermaßen ein etwas "hergeholter" Text, aber gut geeignet für folgende Überlegung:

Mit der Betonung auf der zweiten Silbe von "trotzdem", das hier keinen Nebensatz einleitet, kann beim Sprechen dieses Satzes die Aussage des vorangehenden Satzes durch diese Betonung noch einmal zusätzlich bekräftigt werden. Das klingt auch zunächst nicht falsch.


Um dies genauer zu untersuchen, müssen wir zunächst herausfinden, woher eigentlich das Wort "trotzdem" kommt:

"trotzdem" – so als ein Wort – ist die Abkürzung für "dem (Umstand) zum Trotz". Dabei soll Wert gelegt werden auf die Aussage, die mit "trotzdem" bekräftigt wird.

Soll dagegen die vorangestellte Aussage besonders hervorgehoben werden, so muss dies auch in der Formulierung zum Ausdruck kommen: "trotz dieses Umstands" oder "trotz dessen" in zwei getrennten Wörtern. Mit "dessen" wird noch einmal ausdrücklich auf die vorangestellte Aussage verwiesen.

Damit haben wir den Sprecher entlarvt, der zur Bekräftigung der vorangestellten Aussage das Wort "trotzdem" auf der zweiten Silbe betont. Er hat eine falsche Fallentscheidung getroffen und hätte stattdessen das Wort "trotz" zusammen mit dem Genitiv verwenden müssen.


Fazit: "trotzdem" wird ausschließlich auf der ersten Silbe betont. Anderenfalls muss es durch die Formulierung "trotz dessen" oder, wenn damit ein Nebensatz eingeleitet wird, durch "obwohl" ersetzt werden.

Ich habe Sie gewarnt. Das ist zwar spitzfindig, aber korrekt.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

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 Newsletter 31

 

Der Schein trügt

heute kommen wir zu einem Thema, das zunächst sehr theoretisch klingt, aber in der sprachlichen Praxis fast immer und fast überall Missverständnisse hervorruft.


Zunächst machen wir einige Aussagen:

1. Die Erde ist eine Scheibe.

2. Der Himmel ist blau.

3. Die Sonne läuft täglich einmal um die Erde.

4. Der Mensch stammt vom Affen ab.

5. Die Schwerkraft lässt alles herunterfallen.


Ja – ich weiß, das sind längst aufgeklärte Irrtümer. Aber wie sind diese Irrtümer entstanden?

Stellen Sie sich in eine Ebene und lassen Sie Ihren Blick schweifen. Sie sehen bis zum Horizont. Und dahinter ist nur der Himmel, der sich wie eine Glocke über Ihnen und der Ebene, in der Sie stehen, wölbt. Und der ist außerdem noch blau. Und wenn Sie von morgens bis abends stehen bleiben, sehen Sie auch, wie die Sonne am Horizont aufsteigt, über Sie hinweg zieht und schließlich auf der anderen Seite wieder hinter dem Horizont verschwindet.

Nichts deutet für Sie darauf hin, dass die ersten drei Aussagen falsch sind.


Besuchen Sie den Zoo und sehen Sie sich im Affengehege um. Was Sie dort sehen, sind fast menschliche Verhaltensweisen – vor gar nicht langer Zeit haben wir uns auch noch so benommen, und einige von uns tun dies sicher noch heute.

Einen Moment lang passen Sie nicht auf, und schon liegt die Bananenschale am Boden, bevor Sie sie im nächsten Müllbehälter entsorgen konnten.


Bevor die Menschen die Möglichkeit hatten, aus anderen Perspektiven die Natur zu betrachten, haben sie das, was sie sahen, für richtig gehalten. Für das eigene Überleben war es nicht wichtig, dass die Tatsachen anders sind.

 

Heute wissen wir:

Es sieht nur so aus, als ob die Behauptungen stimmen. Was wir sehen, scheint nur so zu sein, ist aber ganz anders. Solche Sachverhalte sind scheinbar – sie scheinen nur so, sind aber nicht. Und so müssen die Sätze vom Anfang lauten:

1. Die Erde ist scheinbar eine Scheibe.

2. Scheinbar ist der Himmel blau.

3. Die Sonne läuft scheinbar täglich einmal um die Erde.

4. Der Mensch stammt scheinbar vom Affen ab.

5. Die Schwerkraft lässt alles scheinbar herunterfallen.


Ich nehme an, dass Sie mit den Aussagen 1 bis 4 sofort einverstanden sind. Aber was ist mit der Schwerkraft?

Dazu nur die Frage: Was ist "unten"?

Aus unserer deutschen Perspektive fällt die Bananenschale im Zoo von Sydney (Australien) nämlich nach oben. "Oben" und "unten" sind Begriffe, die nur in unserer unmittelbaren Nähe Gültigkeit haben. Wir sehen also die Bananenschale "nach unten fallen", aber in Wahrheit wird sie lediglich von der vergleichsweise sehr viel größeren Erde aufgrund ihrer erheblich größeren Masse in Richtung Erdmittelpunkt angezogen, bis diese Bewegung durch die Erdoberfläche unterbrochen wird, wodurch die Schale "am Boden liegen bleibt".

 

Jetzt kommt der Umkehrschluss:

Viele Sätze, in denen der Verfasser eine Vermutung über eine Tatsache äußert, die zwar zutrifft, aber noch nicht belegt ist, enthalten das Wort "scheinbar", um die Tatsache zunächst als Vermutung zu beschreiben.

Aber genau das ist nicht gemeint. Der Tote im Krimi ist nicht scheinbar ermordet worden – um deutlich zu machen, dass kein Freitod vorliegt, sondern er wurde tatsächlich umgebracht, sonst würde er noch leben.

Und bei Ihrem negativen Kontostand haben Sie nicht scheinbar zu viel Geld ausgegeben, sondern tatsächlich.

 

"Scheinbar" gehört zu denjenigen Wörtern in unserer Sprache, die inflationär missbraucht werden.


Woran liegt das?

Vielleicht haben Sie es schon richtig vermutet:

Erneut ein krasses Wortschatzproblem! Die vielen Menschen, die sich mit "scheinbar" über die Runden retten, haben das richtige Wort (noch) nicht aktiviert:

"offenbar" – es geht auch: "anscheinend".

Aber "offenbar" ist deutlicher, und es ist leichter zu merken.


Nicht umsonst heißt es (siehe Überschrift):

"Der Schein trügt."

 

Und nun kommt die Regel:

"Scheinbar" wird nur verwendet, wenn ganz sicher ist,
dass die damit verbundene Aussage nicht zutrifft.
Solange die Richtigkeit einer Aussage noch nicht feststeht,
wird "offenbar" verwendet.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

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 Newsletter 32

 

Unsinn

"Nachdem der Hamburger Senat Unsummen für die Elbphilharmonie ausgegeben hatte, deckte die Presse eine Unmenge von Korruptionsfällen auf, bei denen viele Politiker sich ihre Unkosten für private Veranstaltungen von den Auftragnehmern finanzieren ließen."


So oder ähnlich stelle ich mir die Meldung eines örtlichen Privat-Fernsehsenders aus dem Jahr 2015 vor, wenn die ersten Korruptionsfälle bekannt werden, die zur Kostenexplosion bei diesem neuen kulturellen Wahrzeichen der Stadt Hamburg geführt haben. 

(Eine nachträgliche im Jahr 2014 eingefügte Bemerkung:
Als ich den SKN schrieb, erschien mir das Fertigstellungsjahr der Elbphilharmonie mit 2015 utopisch weit in der Zukunft zu liegen - wie wir inzwischen wissen, hat uns die Realität längst überholt. Ich hatte es wirklich nicht für möglich gehalten!)


Aber auch weniger spektakuläre Anlässe führen zu Formulierungen, die zu einem Unkostenbeitrag von 10 Euro auffordern, damit der Veranstalter seine Arbeit machen kann.

Was soll das?

Unkenntnis macht sich breit.


Unkenntnis ist das Gegenteil von Kenntnis. Wir sind Wissende oder Unwissende – wir verfügen über Wissen oder leiden unter Unwissen (gelegentlich auch unter Halbwissen).

Wenn etwas nicht möglich ist, wird es als unmöglich bezeichnet. Unbezahlbar ist, was man sich nicht leisten kann. Sonst wäre es bezahlbar.


Die Vorsilbe "un" kehrt also die Bedeutung eines Wortes in das Gegenteil um. Dieses Gegenteil bezeichnet in den meisten Fällen eine negative Eigenschaft. Oft gibt es sogar die formal gegenteilige Bezeichnung gar nicht mehr. Oder wissen Sie, was ein gezogenes Kind ist? Oder ein glaublicher Skandal?


Im Laufe der Sprachentwicklung hat diese kleine Vorsilbe aber noch weitere Funktionen erobert:

Eine Situation oder ein Phänomen wird durch die Vorsilbe "un" als negativ oder schlecht bezeichnet: Unwetter – gemeint ist schlechtes Wetter, und zwar in verstärkter Form.

Und so wird diese Vorsilbe statt zur Gegenteil-Beschreibung oft für die Steigerung eines Begriffes verwendet. So auch in dem ersten Satz dieses Kapitels: Unsummen sind viel größer als Summen. Die Menge von Korruptionsfällen wird erst durch die Bezeichnung Unmenge wirklich skandalös.


Was aber sind Unkosten?

Die einzige Erklärung dafür, dass jemand dieses Wort verwendet, liegt in der Tatsache, dass man angeblich nur sehr widerwillig "Eintritt" bezahlt, um eine Veranstaltung zu besuchen. Es soll also ein negatives Gefühl erzeugt werden. Warum eigentlich?

Ist es nicht sehr viel klüger, von einem Besucher Geld zu verlangen, ohne ihm gleich zu suggerieren, dass er es – bitteschön – nur widerwillig bezahlen soll?

Wer einen Kostenbeitrag entrichtet, sieht sofort ein, dass dieser nötig ist, und zahlt dann auch bereitwillig. Ohne Murren.

Unkraut ist Kraut am falschen Platz und muss entfernt werden.

Sind Unkosten also Kosten am falschen Platz? Sollen diese Kosten also entfernt (vermieden) werden? – Nehmen Sie den Veranstalter beim Wort und verweigern Sie einfach den Unkostenbeitrag. Sagen Sie ihm, Sie würden sich stattdessen gern an seinen Kosten beteiligen. Je mehr von Ihnen da mitmachen, umso früher wird dieses schreckliche Unwort endlich ausgerottet.


Also:

Vergessen Sie die Unkosten! Und gehen Sie auch sonst sparsam mit der Vorsilbe "un" um. Geschriebene Unmengen und Unsummen offenbaren nur das Unvermögen des Autors, sich präzise auszudrücken.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

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 Newsletter 33

 

Bevor und solange - Teil 1

heute wollen wir uns mit einem Thema beschäftigen, das nicht nur in unserer deutschen Sprache, sondern z.B. auch im Englischen von nur ganz wenigen Menschen wirklich beherrscht wird, obwohl es sehr einfach ist.


Dieses Thema ist unangenehmerweise auch in anspruchsvoller Literatur ein häufiger Fehler; mit anderen Worten: Sogar unseren deutschsprachigen Schriftstellern unterläuft dieser Fehler mit penetranter Regelmäßigkeit – und damit auch allen Verlagslektoren, deren Aufgabe es eigentlich sein sollte, solche Fehler aufzuspüren und zu korrigieren.

Es ist nach meiner Beobachtung ein sprachlicher Fehler, den zu vermeiden Sie auch durch das Lesen noch so vieler Bücher nie lernen würden. Allein dadurch, dass Sie 47 Euro (Normalpreis) für dieses Newsletter-Seminar bezahlt haben, erhalten Sie die Chance, endlich für sich diese Fehlerquelle ein für alle Mal zu beseitigen.


Ich weiß, das klingt sehr eingebildet. Aber außer mir achten bisher nur meine Töchter darauf, diesen Fehler zu vermeiden. Ich habe seit vielen Jahren immer wieder mit Gesprächspartnern erbittert gestritten, und am Ende gestanden mir fast alle zu (nachdem sie – salopp formuliert – endlich ihr Gehirn eingeschaltet hatten), dass meine Einschätzung die richtige ist. Der einzige, der mir nicht folgen wollte, war der von mir sonst sehr geschätzte Kollege, den ich Ihnen ganz zu Anfang dieses Seminars als kompetente Person für die Behandlung des Stotterns empfohlen hatte. Dieser Mann hat viele Jahre in den USA gelebt und begründete seinen Widerspruch damit, dass die betreffende Formulierung auf Englisch genauso lautet wie auf Deutsch.


Aber:

Dadurch, dass auch die Englisch sprechenden Menschen dieselbe Formulierung benutzen, wird sie dennoch nicht richtig. Um Ihnen verständlich zu machen, um welchen Fehler es sich handelt, gebe ich Ihnen zunächst einige Beispiele aus unterschiedlichen Bereichen:

Satz 1:
Der Finanzminister auf der Bundes-Pressekonferenz: "Steuersenkungen sind ausgeschlossen, bevor die Neuverschuldung nicht deutlich verringert werden kann."

Satz 2:
Die Mutter zu ihrer Tochter: "Bevor du deine Schularbeiten nicht fertig hast, kannst du den Kinobesuch vergessen!"

Satz 3:
Der Vater (später) zu derselben Tochter: "Du kommst bitte nach Hause, bevor es dunkel wird."

Satz 4:
Der Chef zur Sekretärin: "Bitte kochen Sie uns Kaffee, bevor wir mit dem Kunden verhandeln."

Satz 5:
Der Einkäufer zum Buchhalter: "Wir geben keine Zahlung frei, bevor die Ware nicht geliefert wurde."

Satz 6:
Der Gärtnermeister zu seinem Gehilfen: "Bevor es nicht zu regnen aufhört, hat es keinen Sinn, den Rasen zu mähen."

Satz 7:
Der Schriftsteller in seinem Roman: "Bevor ihr Geliebter sich nicht für sein Verhalten entschuldigen würde, dachte sie nicht daran, ihm zu verzeihen."

Satz 8:
Die Ehefrau zu ihrem Mann: "Kauf bitte etwas von der leckeren Wurst, bevor sie nicht mehr im Angebot ist."

Satz 9:
Der Mann zu seinem Freund: "Bitte deine Frau um Hilfe, bevor deine Firma nicht zu retten ist!"

 

Ich vermute, Ihnen ist nichts Besonderes aufgefallen. Es sind Situationen aus dem Leben, die Sie alle kennen. Diese Situationen sind jeweils Anlass für einen Menschen, eben einen dieser Sätze zu sprechen, wie ich sie zitiert habe.


Sie hören oder lesen solche Sätze täglich. Überall. In der Zeitung, im Fernsehen, in dem Buch, das Sie lesen. Politiker, Journalisten, Reporter, Schriftsteller, ja sogar Sie selbst sprechen solche oder ähnliche Sätze, ohne dass Ihnen etwas auffällt. Es machen schließlich alle!

Ok.


Und nun lesen Sie die zitierten Sätze noch einmal Wort für Wort sorgfältig durch. Überlegen Sie dabei wirklich sehr genau, welche Aussage jeweils in diesen Sätzen steckt. Versuchen Sie den jeweiligen Inhalt eines Satzes anders zu formulieren.


Ein Tipp: Versuchen Sie, die jeweilige Logik des Inhalts zu verstehen – und zwar wörtlich! Zeigen Sie diese Sätze gern Ihren Mitmenschen und fragen Sie sie, ob ihnen etwas dazu einfällt, und wenn ja, was.

 

Ganz bewusst lasse ich Sie jetzt mit diesem Problem allein – aber nur bis morgen. Dann werde ich die Sätze genau analysieren und Ihnen verraten, warum wir uns hiermit so ausführlich beschäftigen müssen.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
 

 

 Newsletter 34

 

Bevor und solange - Teil 2

heute ist es soweit: Wir analysieren die Sätze aus dem Newsletter von gestern. Damit Sie dieselben nicht extra auf einer anderen Seite öffnen müssen, zitiere ich sie hier noch einmal:

Satz 1:
Der Finanzminister auf der Bundes-Pressekonferenz: "Steuersenkungen sind ausgeschlossen, bevor die Neuverschuldung nicht deutlich verringert werden kann."

Satz 2:
Die Mutter zu ihrer Tochter: "Bevor du deine Schularbeiten nicht fertig hast, kannst du den Kinobesuch vergessen!"

Satz 3:
Der Vater (später) zu derselben Tochter: "Du kommst bitte nach Hause, bevor es dunkel wird."

Satz 4:
Der Chef zur Sekretärin: "Bitte kochen Sie uns Kaffee, bevor wir mit dem Kunden verhandeln."

Satz 5:
Der Einkäufer zum Buchhalter: "Wir geben keine Zahlung frei, bevor die Ware nicht geliefert wurde."

Satz 6:
Der Gärtnermeister zu seinem Gehilfen: "Bevor es nicht zu regnen aufhört, hat es keinen Sinn, den Rasen zu mähen."

Satz 7:
Der Schriftsteller in seinem Roman: "Bevor ihr Geliebter sich nicht für sein Verhalten entschuldigen würde, dachte sie nicht daran, ihm zu verzeihen."

Satz 8:
Die Ehefrau zu ihrem Mann: "Kauf bitte etwas von der leckeren Wurst, bevor sie nicht mehr im Angebot ist."

Satz 9:
Der Mann zu seinem Freund: "Bitte deine Frau um Hilfe, bevor deine Firma nicht zu retten ist!"


Zunächst:

Einige Sätze sind richtig, andere falsch. Warum, werden Sie gleich verstehen. Fangen wir mit dem ersten Satz an:

"Steuersenkungen sind ausgeschlossen, bevor die Neuverschuldung nicht deutlich verringert werden kann."

Welche Aussage steckt in diesem Satz? Die Neuverschuldung wird irgendwann verringert werden, aber noch ist es nicht soweit. Deshalb sind Steuersenkungen zum heutigen Zeitpunkt ausgeschlossen. Mit dem Nebensatz, der mit "bevor" beginnt, wird hier eine gegenwärtige Situation beschrieben, nämlich: Die Neuverschuldung kann nicht deutlich verringert werden.

Das Wort "bevor" leitet aber normalerweise einen Nebensatz ein, der eine zukünftige Situation beschreibt. In der Zukunft jedoch kann die Neuverschuldung deutlich verringert werden. Nun soll aber in dem Satz eine Begründung dafür geliefert werden, warum jetzt keine Steuern gesenkt werden können. Dazu muss die Situation beschrieben werden, die heute vorherrscht, nämlich: Die Neuverschuldung kann nicht deutlich verringert werden.

Also sollte der Finanzminister statt "bevor" ein anderes Wort verwenden, wenn er die Formulierung seiner Aussage insgesamt beibehalten möchte.

Welches Wort ist das? Es ist ein Wort, welches einen Nebensatz einleitet, der eine gegenwärtige Situation beschreibt. Kennen Sie dieses Wort? Gehört es zu Ihrem aktiven Wortschatz? Zu dem aktiven Wortschatz des Bundes-Finanzministers in unserem Beispiel gehört es sicher nicht, sonst hätte er es verwendet und den Satz wie folgt formuliert:

"Steuersenkungen sind ausgeschlossen, solange die Neuverschuldung nicht deutlich verringert werden kann."

Schon versteht man die Aussage sofort. Denn erst jetzt ist sie logisch richtig! Das war jetzt eine sehr lange Erklärung. Die ist allerdings nötig, um wirklich zu verstehen, wo der Fehler in dem ersten Satz steckt.


Kommen wir nun zum zweiten Satz. Den dritten Satz werden wir heute auch noch betrachten. Aber keine Angst: Ab sofort können die Erklärungen kürzer ausfallen, nachdem Sie den ersten Satz richtig verstanden haben.

Also:

"Bevor du deine Schularbeiten nicht fertig hast, kannst du den Kinobesuch vergessen!"

Spüren Sie wieder das Unwohlsein bei dieser Formulierung? Klar – es ist derselbe Fehler wie im ersten Beispiel. Im Unterschied dazu steht allerdings der Nebensatz am Anfang. Das ändert jedoch keineswegs die Aussage, die in diesem Satz steht. Das einleitende Wort "Bevor" soll auch hier eine gegenwärtige Situation beschreiben, die als Grund dafür dient, dass die Tochter sich den Kinobesuch "abschminken" kann, wenn sich die Situation nicht ändert. Wie wir aus dem ersten Beispiel gelernt haben, ist auch hier das Wort "bevor" fehl am Platz. Stattdessen ist "solange" angebracht. Also:

"Solange du deine Schularbeiten nicht fertig hast, kannst du den Kinobesuch vergessen!"

Klingt doch gleich viel besser und vor allem verständlicher – oder? Und es ist ebenfalls erst jetzt logisch richtig!


Nehmen wir uns gleich den dritten Satz vor. Inzwischen hat die Tochter konzentriert und zügig ihre Hausaufgaben fertiggestellt, denn auf den Kinobesuch mit ihrem Freund will sie auf keinen Fall verzichten. Es ist Sommer, es bleibt also länger hell, und der Vater, der inzwischen nach Hause gekommen ist, gibt seiner Tochter den Satz aus dem dritten Beispiel mit auf den Weg:

"Du kommst bitte nach Hause, bevor es dunkel wird."

Dieser Satz ist richtig! Der Vater gibt eine Anweisung, die vor einer zukünftigen Situation zu befolgen ist. Der Nebensatz, der die zukünftige Situation beschreibt, wird hier korrekt mit "bevor" eingeleitet.

Kleine Aufgabe nebenbei: Geben Sie bitte der Tochter dieselbe Anweisung, indem Sie das Wort "solange" verwenden. Wie muss dieser Satz dann lauten? (Auflösung morgen)

 

Schon jetzt möchte ich Ihnen einen äußerst nützlichen und wichtigen Tipp verraten:

Wenn Sie auf einen Nebensatz treffen,
der mit "bevor" beginnt und in dem
gleichzeitig das Wort "nicht" vorkommt,
sollten Sie "bevor" durch "solange" ersetzen.
Fast immer.


Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen. Beispiele dafür werden Sie morgen kennen lernen.


Wenn wir morgen die restlichen Beispiele durchgearbeitet haben werden, erhalten Sie Gelegenheit, den Gebrauch der Wörter "bevor" und "solange" zu üben.

Danach sind Sie in der Lage, besser zu formulieren als die meisten Schriftsteller und Journalisten!

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
 

 

 Newsletter 35

 

Bevor und solange - Teil 3

Aufgabe von gestern:

"Du kommst bitte nach Hause, solange es hell ist."

Und? – Haben Sie das auch so formuliert?


Heute kommen wir sicher etwas schneller voran, denn in den letzten beiden Tagen haben Sie schon alles zum aktuellen Thema gelernt. Wir werden das Gelernte also nur noch vertiefen.


Los geht’s:

"Bitte kochen Sie uns Kaffee, bevor wir mit dem Kunden verhandeln."

Klarer Fall. – Richtig! – Warum? – Der Kunde ist noch nicht da, die Verhandlung liegt also in der Zukunft, und der Kaffee soll jetzt gekocht werden, um ihn dem Kunden sofort nach dessen Ankunft servieren zu können. Der Nebensatz beschreibt eine zukünftige Situation – also "bevor".

Ich unterstelle, dass es der Sekretärin nichts ausmacht, den Kaffee zu kochen.


Nächster Satz:

"Wir geben keine Zahlung frei, bevor die Ware nicht geliefert wurde."

Aua!!!

Nimmt man diesen Satz logisch wörtlich, dann ist es in diesem Unternehmen üblich, Ware immer dann zu bezahlen, wenn sie nicht geliefert wurde.

Der Pleitegeier befindet sich bereits im Landeanflug!

Also: "Solange"!!!


Weiter im Text:

"Bevor es nicht zu regnen aufhört, hat es keinen Sinn, den Rasen zu mähen."

Ein sehr gutes Bespiel für die Anwendung einer weiteren Methode:

Dieser Satz enthält (wie die meisten anderen fehlerhaften Sätze dieser Art) in jedem Halbsatz eine negative (verneinende) Aussage. Im Nebensatz steht, dass es nicht zu regnen aufhört, und im Hauptsatz steht, dass es keinen Sinn hat den Rasen zu mähen. Wenn man nun beide negativen Aussagen in positive Aussagen umformuliert, ändert sich die Gesamtaussage des Satzes nicht. Also:

"Bevor es zu regnen aufhört, ist es sinnvoll, den Rasen zu mähen."

Und genau das war sicherlich nicht gemeint. Wieder einmal muss "bevor" durch "solange" ersetzt werden, und schon stimmt alles:

"Solange es nicht zu regnen aufhört, hat es keinen Sinn, den Rasen zu mähen."

Was lernen wir daraus? Bei Sätzen mit zwei negativen Aussagen hilft es, durch Umkehrung beider negativen Aussagen die Unsinnigkeit der Gesamtaussage zu verdeutlichen.


Diese Methode eignet sich übrigens auch für das nächste Beispiel:

"Bevor ihr Geliebter sich nicht für sein Verhalten entschuldigen würde, dachte sie nicht daran, ihm zu verzeihen."

 "Umgedreht" heißt das nämlich, dass sie ihm bereits verzeiht, ohne dass er sich entschuldigt – indem sie ihm verzeiht, bevor er sich entschuldigt. Wenn der Schriftsteller das ausdrücken wollte, hätte er es entsprechend so oder ähnlich formulieren müssen.

Aber ich unterstelle, dass die Protagonistin (Figur – in Roman oder Film) ihrem Geliebten wohl nicht verzeihen will und deshalb darauf wartet, dass er sich bei ihr entschuldigt. Und weil der Schriftsteller das Wort "solange" offenbar auch nicht zu seinem aktiven Wortschatz zählt, unterläuft ihm der allzu bekannte Fehler. Nobelpreis ade!


Zum Schluss zeige ich Ihnen mit den beiden letzten Beispielen zwei Ausnahmefälle, in denen die Kombination von "bevor" und "nicht" richtig ist:

"Kauf bitte etwas von der leckeren Wurst, bevor sie nicht mehr im Angebot ist."

Morgen oder übermorgen endet hier offenbar das Sonderangebot für die Wurst. Also ist die Wurst zukünftig nicht mehr im Angebot. Deshalb sollte der Ehemann den gegenwärtig günstigen Angebotspreis nutzen und die Wurst heute kaufen. "Bevor" für die Beschreibung einer zukünftigen Situation ist demnach korrekt.


In dem letzten Beispiel lernen Sie eine weitere Anwendung zum richtigen Gebrauch des Wortes "bevor" kennen:

"Bitte deine Frau um Hilfe, bevor deine Firma nicht zu retten ist!"

Hier beschreibt der mit "bevor" eingeleitete Nebensatz eine Situation, die unbedingt vermieden bzw. verhindert werden sollte. Eine bekannte Redensart bedient sich dieser Formulierung in perfekter Weise:

"Lege einen Deckel auf den Brunnen, bevor ein Kind hineinfällt."

Da wird ganz deutlich, dass die Situation zwar in der Zukunft liegt, aber unbedingt verhindert werden soll, was in diesem Fall viel wichtiger ist.

 

Fassen wir zusammen:

1. Die Kombination "bevor" und "nicht" ist immer dann durch "solange" und "nicht" zu ersetzen, wenn der Nebensatz eine gegenwärtige Situation schildert.

2. "Bevor" leitet einen Nebensatz ein, der eine zukünftige oder eine zu vermeidende Situation bzw. ein entsprechendes Ereignis schildert.

3. "Solange" leitet einen Nebensatz ein, der eine gegenwärtige Situation schildert.

4. Zwei negative Aussagen können umgekehrt werden, um die fehlerhafte Logik sofort zu verdeutlichen.

 

Ich hatte Ihnen vorgestern berichtet, dass es langer Streitgespräche bedurfte, um meine Gesprächspartner von diesem Sachverhalt zu überzeugen. Ich habe auch sehr lange gebraucht, bis mir einfiel, wie diese Regel erklärt werden kann. Bisher hatte ich meine Texte immer "gefühlsmäßig" logisch richtig formuliert, und zwar nur deshalb, weil das Wort "solange" zu meinem aktiven Wortschatz gehört. Erst vor kurzer Zeit bin ich darauf gekommen, den Sachverhalt mit den vorher genannten vier Punkten zu beschreiben.


Damit ist der Schlüssel zur Lösung dieses Problems gefunden.

Wenn Sie jetzt einige Tage brauchen, um das ebenfalls zu verstehen, ist das vollkommen normal. Damit sind Sie allemal immer noch schneller als ich.

Ich habe Ihnen einige Beispiele vorbereitet, an denen Sie Ihre neuen Erkenntnisse ausgiebig üben können, damit Sie das Wort "solange" als Nebensatz einleitendes Wort aus Ihrem passiven Wortschatz wirklich aktivieren. Lösen Sie die Testsätze nicht gleich alle auf einmal. Lassen Sie sich damit ruhig etwas Zeit. Gerade dieses Thema will wirklich sehr sorgfältig behandelt werden.

Und denken Sie daran: Wiederholung geht vor Anstrengung!

 

Hier finden Sie die Testsätze:

Test 1: Richtig oder falsch?

Test 2: Sätze ergänzen

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Bearbeiten Sie die Testsätze der beiden bevor/solange - Tests.  
 

 

 Newsletter 36

 

Ohne dass

nicht, dass Sie die Überschrift missverstehen! "Dass" soll nicht abgeschafft werden. Aber die Formulierung "ohne dass" entpuppt sich bei näherem Hinsehen als gefährliche sprachliche Tretmine.


Diese Formulierung kommt aus demselben Stall wie die in den letzten drei Tagen ausführlich behandelte Redewendung "bevor … nicht …". Und sie fällt noch weniger auf, gewinnt dadurch an Gefährlichkeit, da hier auf ganz besonders heimtückische Weise Missverständnisse produziert werden.

 

Bodo Ramelow, der Fraktionsvorsitzende der Partei "Die Linke" im Thüringer Landtag, sprach in einem Interview folgenden Satz:

"Wir können das Wort 'Kommunismus' nicht in den Mund nehmen, ohne dass nicht sofort die anderen Parteien aufschreien."


Aufschreien müssten eigentlich seine eigenen Parteigenossen: Kehrt man nämlich die negativen Aussagen in Hauptsatz und Nebensatz um, wodurch sich, wie wir gelernt haben, die Gesamtaussage nicht verändert, so lautet der Satz:

"Wir können das Wort 'Kommunismus' in den Mund nehmen, ohne dass sofort die anderen Parteien aufschreien."


Und genau das Gegenteil hat Herr Ramelow eigentlich sagen wollen! Niemand hat es bemerkt. Der Journalist nicht, der das Interview führte, die Parteifreunde nicht - nicht einmal Herr Gysi, der sich sonst durch hohe Intelligenz auszeichnet.

 

Was läuft da ab mit unserer Sprache? Wo ist das Volk der Dichter und Denker? Wenn wir überhaupt denken, dann sicher nicht logisch. Hören Sie sich gut um: Wie viele Menschen um Sie herum sprechen solche ähnlichen Sätze?

Sie können dabei viel lernen. Immer öfter und immer schneller werden Sie selbst diese logischen Brüche in den Formulierungen Ihrer Mitmenschen feststellen. Nachdem Sie darauf aufmerksam gemacht wurden und für solche Dinge sensibilisiert sind, werden Sie mehr und mehr bei Ihren eigenen Formulierungen darauf achten, keinen logischen Unsinn zu erzählen. Und wo es wirklich auf unmissverständliche Formulierungen ankommt, fragen Sie bitte gnadenlos nach.

 

Haben Sie zum Beispiel den Mut, einen notariell aufgesetzten Vertrag kritisch zu lesen, und bestehen Sie darauf, dass Formulierungen geändert werden, wenn diese den Sachverhalt nicht logisch unangreifbar wiedergeben. Lassen Sie sich nicht auf den Einwand des Notars ein, das habe man schon immer so formuliert. Was falsch ist, bleibt falsch, auch wenn es oft wiederholt wird. Und Notare sind auch nur Menschen, die umso mehr Fehler machen, je mehr sie arbeiten – wie wir alle.


Es muss nicht gleich der Notar sein – wie oft kaufen oder verkaufen Sie schon ein Haus oder eine Wohnung …

Auch in weniger spektakulären Fällen des Vertrags-Alltags gewinnen Sie durch Ihre wachsende Sprachkompetenz die Souveränität, die Sie in Verhandlungen unbedingt brauchen.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Bearbeiten Sie die Testsätze der beiden bevor/solange - Tests.  
 

 

 Newsletter 37

 

Alternative - Teil 1

"Alternative" klingt gebildet. Verwenden auch Sie dieses Wort? Wissen Sie, woher es kommt und was es bedeutet?


"Alternative" ist das am häufigsten missbrauchte Fremdwort in der deutschen Sprache. Die meisten Menschen, die dieses Wort verwenden, kennen dessen Bedeutung nicht. Dieses Wort breitet sich in unserer Sprache aus wie eine ansteckende Krankheit, denn da die meisten Menschen die Bedeutung nicht wirklich kennen, verwenden sie es unbesorgt, ja geradezu fahrlässig weiter, nachdem sie es gehört haben – eben weil es so schön gebildet klingt.

Fallen Sie nicht darauf herein!


Alle reden von Bildung. Politiker, Lehrer, Journalisten. Alle wissen, wie wichtig Bildung für unsere Gesellschaft ist. Alle befürworten, dass Bildungsmaßnahmen bereits im Vorschulalter notwendig und sinnvoll sind. Und alle behaupten, dass es hierzu keine Alternative gibt.

Mit all dem bin ich vollkommen einverstanden. Und dann kommen oft dieselben Leute daher und sprechen Sätze wie z.B.:

"Die Kinder erst in der Grundschule zu bilden, ist keine Alternative. Wir müssen die andere Alternative fördern, nämlich bereits im Kindergarten Bildungsmaßnahmen zu ergreifen."


Ein weiterer sprachlicher Unfall passierte zur besten Sendezeit im Fernsehen:

Anlässlich der Probleme mit dem Toyota-Gaspedal (erinnern Sie sich?) demonstrierte ein Sprecher des ADAC, wie zu verfahren sei, wenn das Gaspedal klemmt. Er sagte wörtlich:

"Sie haben zwei Alternativen. Die eine Alternative ist, dass Sie die Kupplung treten und damit den Wagen ausrollen lassen oder abbremsen, die andere Alternative ist, dass Sie sofort die Zündung ausschalten…".


Sie sollten Ihre Kinder niemals unbeaufsichtigt fernsehen lassen!

Genauso schnell, wie sie lustige Werbesprüche auswendig lernen, gewöhnen sie sich nämlich an die falsche Verwendung von Fremdwörtern und an viele andere sprachliche Unfälle.

 

Zur Sache:

Woher kommt eigentlich das Wort "Alternative"?

Möglicherweise ahnen Sie es bereits: Ebenso wie viele andere Wörter, die wir täglich verwenden, stammt es ursprünglich aus der Sprache der alten Römer: Latein.

Früher (also bis zum vorletzen Jahrhundert) lernte jeder Schüler eines Gymnasiums Latein. Latein ist die Grundlage vieler lebender Sprachen, die deshalb auch "Romanische Sprachen" genannt werden. Die Weltsprachen Französisch und Spanisch gehören dazu, Italienisch selbstverständlich auch – als Sprache der Nachkommen der alten Römer. Viele andere Sprachen haben romanische Elemente, so auch Englisch und unsere Muttersprache Deutsch.

Latein gilt weltweit als Basissprache der Wissenschaft. So werden zum Beispiel alle Tiere und Pflanzen in der Biologie mit lateinischen Namen belegt. Haben Sie einen "canis domesticus"? Das ist ein Haushund. Auch für den Menschen verwendet die Wissenschaft die lateinische Bezeichnung "homo sapiens". "Homo" steht für "Mensch" und "sapiens" für "weise". Die Bezeichnung "weise" soll allerdings nur die Existenz eines Gehirns ausdrücken, das theoretisch in der Lage ist, weise zu handeln. Praktisch sind wir davon jedoch noch weit entfernt. Fast alle Menschen machen (noch) keinen Gebrauch von den Möglichkeiten ihres Großhirns, das ihnen die Natur geschenkt hat.

Eine andere Bezeichnung, der "homo erectus", ist nicht, was Sie jetzt vielleicht denken, sondern der Mensch mit "aufrechtem" Gang. (Lassen Sie Ihre Fantasie chemisch reinigen!)


Ärzte verwenden Latein für die Bezeichnung medizinischer Befunde (Diagnosen). Viele Fächer an den Universitäten setzen das so genannte "kleine Latinum" voraus. Wer das nicht bereits in der Schule erworben hat, muss ein oder zwei Semester lang in der Uni Latein büffeln – Vollzeit, wohlgemerkt, um nachzuholen, was er in mehreren Jahren in der Schule nebenbei fast ohne Anstrengung hätte lernen können.

An der Universität reiben sich manche fortschrittlichen Abiturienten, die sich durch geschickte Aus- und Abwahl von Kursen durch die Prüfung gerettet haben, verwundert die Augen.

 

Nach diesem Ausflug in die Bildungspolitik kommen wir wieder zurück zu unserem Begriff "Alternative". Er besteht aus zwei Teilen. Der hintere Teil (native) entstammt dem Wort "natus" = Geburt. Wie so oft im Vergleich zweier Sprachen gibt es auch hier keine eins zu eins – Zuordnung von Wörtern. Und so stecken in dem Wort "natus" mehrere Bedeutungen: geboren, entstanden, natürlich usw.

Der vordere Teil ist direkt übersetzt: "alter" = der andere.

Wenn man von "der andere" spricht, sollte vorher von "der eine" die Rede gewesen sein.

Unsere Konstruktion: "Der eine …, der andere …" lautet auf Latein: "alter – alter". Die Alternative beschreibt also immer (!) das Entstehen bzw. Vorhandensein von mindestens zwei Möglichkeiten (die eine Möglichkeit – die andere Möglichkeit, ggf. eine weitere Möglichkeit).

 

Ich stelle Ihnen jetzt die Prototypen der beiden blödsinnigen Sätze vor, mit denen viele Leute mithilfe des Wortes "Alternative" versuchen, einen gebildeten Eindruck zu machen:

  • „Wir haben zwei Alternativen: Entweder handeln wir nach der einen Alternative – oder wir verfolgen die andere Alternative“.
  • „Wir haben nur eine einzige Alternative: Wir müssen handeln!“

 

Ich weiß nicht, ob und in welchem Zusammenhang Sie selbst das Wort "Alternative" bisher verwendet haben. Möglicherweise bin ich bei Ihnen sogar bereits ins Fettnäpfchen getreten. Aber ich schreibe gern Klartext. Mir geht es um Ihre Sprachkompetenz. Ich möchte, dass Sie einen kompetenten und gebildeten Eindruck bei Ihren Kommunikationspartnern hinterlassen.

Wenn Sie ein Fremdwort verwenden, müssen Sie es erklären können. Ich habe Ihnen in einem früheren Kapitel genau diesen Sachverhalt aus der anderen Perspektive geschildert. Erinnern Sie sich?


Prüfen Sie sich selbst, ob und wie Sie bisher mit der "Alternative" umgegangen sind. Entscheiden Sie, ob Sie meiner dringenden Empfehlung folgen sollten, die ich Ihnen jetzt gebe:

Streichen Sie das Wort "Alternative"
sofort aus Ihrem aktiven Wortschatz,
und zwar für mindestens ein Jahr!

Verwenden Sie es bitte einfach nicht mehr. Sie sollten es vergessen. Das meine ich wirklich ernst. In fast allen Fällen, in denen Sie es verwenden wollen, würden Sie es falsch verwenden. Die "richtigen" Gelegenheiten sind äußerst selten – glauben Sie mir!

Wie soll das praktisch gehen?

Ersetzen Sie "Alternative"
ab sofort durch "Möglichkeit".

Wenn Sie unbedingt ein Fremdwort verwenden wollen, dann verwenden Sie ggf. "Option".

(Lat.: optio = freier Wille)

Damit drücken Sie aus, dass es dem freien Willen unterworfen ist, eine Auswahl zu treffen.

"Variante" ist auch eine Möglichkeit, die "Alternative" zu vermeiden.

(Lat.: variatio = Abwechslung, Vielfalt)

"Vielfalt" beschreibt recht treffend das Vorhandensein mehrerer Möglichkeiten.

 

Morgen befassen wir uns mit den Ausnahmefällen, in denen das Wort "Alternative" korrekt verwendet wird.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
 

 

 Newsletter 38

 

Alternative - Teil 2

gestern habe ich Ihnen etwas verordnet. Ich habe es zu Ihrem Besten getan. Vielleicht halten Sie diese Verordnung aber für übertrieben oder gar unnötig. Deshalb möchte ich Ihnen zunächst noch einmal erläutern, warum ich Ihnen diese "Radikalkur" empfohlen habe.


Zu Beginn der gestrigen Lektion habe ich Ihnen erzählt, dass sich das Wort "Alternative" wie eine ansteckende Krankheit verbreitet.

Dieses Bild beschreibt den Sachverhalt so exakt wie kein anderes. Um eine epidemische Krankheit zu bekämpfen, müssen Sie den Erreger ausrotten. Gleichzeitig müssen in Labors Kulturen dieses Erregers angelegt werden, um wirksame Medikamente zu dessen Bekämpfung zu entwickeln.


Viele Krankheitserreger werden durch einen Wirt oder ein Medium übertragen. Malaria durch die Mücken, Cholera durch verunreinigtes Wasser usw. Sie müssen also die Mücken fernhalten bzw. das verunreinigte Wasser durch sauberes ersetzen.

Das Wort "Alternative" überträgt die Unkenntnis seiner Bedeutung. Also müssen Sie es von sich fernhalten, wenn Sie bereits unter der Unkenntnis leiden. Deshalb habe ich Ihnen als Therapie gegen diese Unkenntnis empfohlen, das Wort zu meiden, solange Sie dessen Bedeutung nicht kennen und solange Sie nicht genau wissen, bei welchen Gelegenheiten Sie dieses Wort wirklich verwenden können.

Übrigens gilt das für alle Wörter, deren Bedeutung Sie nicht kennen. Aber die Alternative spielt inzwischen in unserer Sprache die gleiche Rolle wie Giersch und Quecke in Ihrem Garten.

 

Jetzt möchte ich Sie aber endlich belohnen für Ihren guten Vorsatz, meiner Empfehlung zu folgen:

Mit der folgenden extrem einfachen Regel verwenden Sie das Wort Alternative korrekt:

Statt
"zwei (oder mehr) Möglichkeiten"

verwenden Sie
"eine (oder die) Alternative".


Schon gestern haben Sie erfahren: Eine Alternative beschreibt immer das Vorhandensein von mindestens zwei Möglichkeiten.


Wenn Sie also zwei Möglichkeiten haben, ein Problem zu lösen, ist das eine Alternative. Eine Alternative erfordert immer eine Entscheidung.

Die zwei oder mehr Möglichkeiten einer Alternative schließen sich gegenseitig aus. Sobald Sie "das eine tun können, ohne das andere zu lassen", wie man so schön treffend formulieren kann, liegt keine Alternative vor, sondern ein Kompromiss.


Und um Sie vollständig zu verwirren: Wenn bei einer bestehenden Alternative neben den beiden Möglichkeiten eine dritte Möglichkeit existiert, die eine Kombination der beiden Möglichkeiten darstellt, so handelt es sich – streng genommen – insgesamt wieder um eine Alternative, diesmal mit drei Möglichkeiten. Aber das ist extrem selten.

 

Noch einmal: Wenn Sie das Wort "Alternative" vollkommen vermeiden, sind Sie immer auf der sicheren Seite, ohne dass dies Ihrer Bildung schadet.


Die "Alternative" ist extremes Glatteis! Viele Menschen sind längst ausgerutscht. Sie haben es nur nicht bemerkt. Allein die (noch) Stehenden können das ganze Elend überblicken.


Wenn Sie sprachliches Glatteis betreten, sollten Sie den SKN unter Ihre Schuhe schnallen.

Hals- und Beinbruch! Bis morgen.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

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5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
 

 

 Newsletter 39

 

Alternative - Teil 3

ich habe es gestern nicht angekündigt. Aber wir müssen uns noch in einer weiteren Lektion mit der Alternative beschäftigen.


Seit gestern wissen Sie genau, dass eine Alternative immer das Vorhandensein mindestens zweier sich gegenseitig ausschließender Möglichkeiten beschreibt, zwischen denen eine Entscheidung zu fällen ist.

Ich hatte Ihnen jedoch empfohlen, das Wort "Alternative" aus Sicherheitsgründen vorerst nicht mehr zu verwenden.


Wenn Sie nun allerdings unbedingt darauf bestehen, mit dem (gefährlichen!) Gebrauch dieses Wortes weiterhin Ihre Bildung zu demonstrieren, müssen Sie noch einige zusätzliche Aspekte zur Kenntnis nehmen.


Dass der Gebrauch von "Alternative" statt "Möglichkeit" nicht Bildung, sondern das Fehlen derselben dokumentiert, sollte inzwischen klar sein.

Nun gibt es allerdings etliche Fälle, in denen zu einer oder mehreren bestehenden Möglichkeit(en) eine weitere hinzukommt. Das heißt: Eine (einzige) Möglichkeit wird durch Hinzufügen einer weiteren Möglichkeit zu einer Alternative – oder eine bestehende Alternative wird durch eine weitere Möglichkeit erweitert. In diesem Fall ist das Wort "Alternative" korrekt, wenn man es mit dem Wort "zu" im Zusammenhang verwendet.

Also: Es gibt zunächst nur eine Möglichkeit. Jetzt ändern sich die Umstände, und eine weitere Möglichkeit tut sich auf. Es entsteht also eine Alternative. Diese weitere Möglichkeit kann nun korrekt als "Alternative zu" der ersten Möglichkeit bezeichnet werden, wenn man nur über diese neue Möglichkeit sprechen möchte.


Beispiel:

Eine Brücke führt über einen Fluss. Es gibt also nur eine Möglichkeit, trockenen Fußes von der einen zur anderen Seite des Flusses zu gelangen.

Jetzt wird ein Tunnel unter den Fluss hindurch gebaut. Der Weg durch den Tunnel ist jetzt eine Alternative zu dem Weg über die Brücke.

Aber es bleibt dabei: Für das Überqueren des Flusses existiert die (eine!) Alternative: Brücke oder Tunnel – also zwei Möglichkeiten, für deren eine Sie sich entscheiden müssen, wenn Sie auf die andere Seite gelangen wollen.


Kommen Sie bitte nie wieder auf die Idee, in diesem Falle von zwei Alternativen zu sprechen!

 

In der Technik gilt folgender Satz:

"Eine Konstruktion ist erst dann vollkommen, wenn man nichts mehr weglassen kann."

Diesen Satz übertragen wir jetzt auf die Sprache hinsichtlich des Gebrauchs der Alternative:

In einem entsprechenden unmissverständlichen Kontext können Sie sogar noch das Wort "zu" weglassen, ohne die Bedeutung des Wortes "Alternative" zu beschädigen.


Dies erläutere ich Ihnen an unserem Beispiel mit dem Fluss:

"Sie können über die Brücke auf die andere Seite des Flusses gelangen. Aber es gibt eine Alternative, indem Sie den Tunnel benutzen."

Hier fehlt das "zu". Und der Satz bzw. die Verwendung des Wortes "Alternative" ist trotzdem richtig.

Warum?

Durch den unmittelbaren Zusammenhang mit dem vorangehenden Satz wird deutlich, dass es sich bei der beschriebenen Alternative eindeutig um eine "Alternative zu …" handelt, also um nichts anderes als eine weitere Möglichkeit. Das lässt sich als Regel formulieren:

Eine "weitere Möglichkeit" kann korrekt
als "Alternative" bezeichnet werden.

Beachten Sie dabei, dass es sich eindeutig um eine weitere bzw. zusätzliche Möglichkeit handeln muss!

 

Ich wiederhole:

Der Gebrauch des Wortes "Alternative" ist und bleibt gefährlich. Vermeiden Sie es sicherheitshalber. Glauben Sie mir: Ich bin nicht der Einzige, der merkt, wenn jemand dieses Wort falsch verwendet. Gehen Sie kein Risiko ein.

Zu diesem Wort existiert immer eine Alternative:

Die "Möglichkeit"!

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

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 Newsletter 40

 

Alternative - Teil 4

haben Sie etwa geglaubt, wir seien jetzt durch mit der Alternative?


Ich muss Sie enttäuschen. Ein Aspekt fehlt nämlich noch. Doch bevor wir uns damit beschäftigen, möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen. Ich sprach eingangs dieses Themas vor drei Tagen davon, dass sich die Alternative wie eine Krankheit ausbreitet. Dazu stehe ich nach wie vor. Aber um diese Krankheit wirklich zu heilen, brauchen wir eine lange Therapie. Denn für etliche von Ihnen ist es sicherlich nicht leicht, dieses Thema vollständig zu verstehen. Deshalb habe ich Ihnen ja auch empfohlen, die Alternative nicht weiter zu verwenden.


Aber Sie haben den Ehrgeiz, das Thema zu begreifen. Das kann ich verstehen. Und deshalb müssen wir auch so viel Zeit darauf verwenden. Eine lange Therapie wird von Patienten oft als unnötig empfunden, insbesondere, wenn sie sich schon relativ schnell gesund fühlen. Aber hier wie bei manchen Krankheiten ist die Gefahr eines Rückfalls besonders groß. Und deshalb möchte ich Sie um Entschuldigung bitten dafür, dass dieser Prozess so lange dauert.

 

Sie wissen aus einer früheren Lektion, dass die Wiederholung der wichtigste Teil des Lernprozesses ist. Und so wiederholen wir besonders in diesem schwierigen Thema immer wieder bereits bekannte Sachverhalte, wenn wir einen neuen Aspekt betrachten. So auch heute:

Das Vorliegen mehrerer Möglichkeiten wird als Alternative bezeichnet. Von mehreren Alternativen zu sprechen, ist blanker Unsinn.

Doch jetzt kommt das große ABER:

Wenn diese Alternativen nun allesamt als "zusätzliche Möglichkeiten" daherkommen, wird die ganze Angelegenheit wieder richtig.


Zu dem Weg über die Brücke kann es nämlich durchaus zwei Alternativen geben: Der bereits bekannte Weg durch den Tunnel und das Übersetzen mit einer Fähre.

Dieser Fall ist aber streng genommen nur der Plural (die Mehrzahl) für den Fall, den wir gestern behandelt haben. Sie erinnern sich? Wir hatten das Wörtchen "zu" weggelassen, wenn der Zusammenhang zur ursprünglichen Möglichkeit eindeutig klar ist.

Hoffentlich habe ich Sie nicht zu sehr erschreckt.

 

Dafür kommen wir jetzt zur Königsklasse der Alternative:

Es kann sinnvoll und richtig sein, von zwei (oder mehreren) Alternativen zu sprechen.

Sie kaufen ein Auto.

Sie müssen sich entscheiden: Benzin oder Diesel (eine Alternative), Stahlfelgen oder Leichtmetallfelgen (eine weitere Alternative), Schaltgetriebe oder Automatik (eine dritte Alternative), Kombi oder Limousine (eine vierte Alternative), usw.

Sie haben es also mit vier Alternativen zu tun. Allerdings gehorcht jede einzelne dieser Alternativen wieder den bekannten Regeln, die wir in den letzten drei Tagen gelernt haben.

Jetzt sagt Ihr Ehepartner zu Ihnen: "Du kannst entweder die Entscheidung über den Motor und das Getriebe fällen oder über die Felgen und die Fahrzeugart. Das jeweils andere entscheide dann ich. – Worüber möchtest du nun entscheiden?"

Das ist eine Alternative, deren Bestandteile (Möglichkeiten) wiederum Alternativen sind. Und in jeder dieser Möglichkeiten haben Sie zwei Alternativen. Ihr Ehepartner entscheidet dann die beiden anderen Alternativen…

 

Ein letztes Mal: Vermeiden Sie einfach dieses Wort.


So – jetzt sind wir durch – versprochen!


Nur noch eine letzte Meldung (vom 18. Januar 2011):

Das Unwort des Jahres 2010 lautet: alternativlos

(1. Woher wusste die Kommission, dass ich Ihnen empfehle, "alternativlos" zu kommunizieren?
2. Durch meine Empfehlung hat dieses Unwort bereits zwei verschiedene Bedeutungen!)

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
 

 

 Newsletter 41

 

Umso besser

"Umso größer die Wohnung, umso höher die Miete."

Wie oft haben Sie schon solche Sprüche gehört?

Ich meine solche mit "Umso ... , umso ..." .

Wissen Sie eigentlich, was hier ausgesagt werden soll?


Es geht um Abhängigkeiten. Es geht um eine Voraussetzung und einen sich daraus ergebenden Sachverhalt. Die Voraussetzung ist: Die Wohnung ist größer. Daraus ergibt sich eine höhere Miete.

Oder vielleicht umgekehrt? Die Voraussetzung ist: Die Miete ist höher, und daraus folgt, dass die Wohnung größer ist.

Ja, was denn nun? Es wird nicht klar, was gemeint ist. Vielleicht verrät der Zusammenhang etwas, in dem ein solcher Spruch steht.


Geben Sie sich keine Mühe, das zu verstehen. Wenn Sie einen solchen Spruch oder einen entsprechenden ganzen Satz hören, fragen Sie doch einfach nach, was der Urheber wirklich sagen will. Was ist Voraussetzung und was ist Folgerung?

 

Warum bleibt das alles so unklar?

Wieder einmal: Ein Wortschatzproblem! Vor gar nicht langer Zeit haben wir alle noch "je ..., desto ..." gesagt.

Doch halt! – Ich kann mich erinnern, dass es "damals" durchaus etliche Leute gab, welche die Konstruktion "je ..., je ..." verwendet haben. Denen fiel im entscheidenden Moment das Wort "desto" nicht ein.


Statt "desto" sagt man heute vielfach "umso". Das ist genauso gut. Aber im Laufe der Zeit geriet das Wörtchen "je" in Vergessenheit, wurde im Wortschatz vieler Menschen deaktiviert (befindet sich nur noch im passiven Wortschatz) und wird deshalb kaum noch verwendet.


Ich kann mich der über 2000 Jahre alten Klage um die Verkümmerung unserer Sprache nur anschließen. Betroffen von diesem Schrumpfungsprozess beim aktiven Wortschatz sind viele Menschen – übrigens (auch hier wieder einmal) aus allen Bildungsschichten!

"Umso" hat die gleiche verheerende Wirkung auf unsere Sprachkompetenz wie "Alternative": Es ist hoch ansteckend und verbreitet sich deshalb viral durch den gesamten deutschsprachigen Raum.

 

Was bedeutet das nun für Sie? Zunächst einmal wird Ihnen in Zukunft auffallen, wie oft die "umso ..., umso ..." – Konstruktion von anderen Menschen verwendet wird. Sie sind ab jetzt wenigstens sensibilisiert für diese problematische Formulierung. Damit haben Sie einen entscheidenden Vorsprung vor vielen Zeitgenossen.


Sie haben jetzt die Möglichkeit, richtig zu formulieren, ohne aufzufallen. Damit erzielen Sie mehr Wirkung als mit dem Gebrauch eines Fremdwortes.


Diejenigen Menschen, die es verstehen, richtig zu formulieren, machen einen wirklich gebildeten und kompetenten Eindruck auf ihre Kommunikationspartner. Dieser Eindruck ist umso stärker, je weniger man merkt, wodurch dieser Eindruck der Kompetenz tatsächlich entsteht.


Es sind ganz elementare und einfache Tatsachen, die Sie nirgendwo in so verständlicher und verdichteter Form vermittelt bekommen, wie in diesem SKN. Aber es sind genau die sprachlichen Fähigkeiten, welche einen guten Autor auszeichnen. Glauben Sie mir: Sie sind mithilfe dieses SKN nicht weit entfernt von erfolgreichen Schriftstellern.

 

Es gibt etliche Ratgeber, die Ihnen versprechen, dass Sie schreiben können, wenn Sie deren Ratschläge befolgen. Da werden bestimmte Schlüsselwörter genannt, vielleicht auch Schrifttypen oder Schriftfarben, da wird empfohlen, einfach zu schreiben, wie Ihnen "der Schnabel gewachsen" ist, über ein Thema, in dem Sie sich als Experte bezeichnen können – alles richtig. Was aber fehlt, sind genau die Tipps, die ich Ihnen in meinem SKN verrate.


Das Bessere ist der Feind des Guten.

Dieser immer wieder zitierte Gedanke trifft genau den Kern der Sprachkompetenz: Schreiben können ist gut. Richtig formulieren ist besser.

 

Ich verspreche Ihnen: Am Ende sind Sie (viel!) besser als viele professionelle Vertreter der schreibenden Zunft.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
 

 

 Newsletter 42

 

"Herein!"

Sie hatten an die Tür geklopft. Und nun gehen Sie . . . – na?

Herein oder hinein?


Zugegeben: Ich höre selten die falsche Version. Aber trotzdem werden diese beiden Wörter hin und wieder verwechselt. Und das klingt dann merkwürdig.

 

Die Regel ist einfach:

Wenn Sie selbst schon "drin" sind, kommt alles,
was sich zu Ihnen hinbewegt, "herein".

Wenn Sie noch "draußen" sind,
müssen Sie Ihren Standort verlassen
und begeben sich "hinein".


Es kommt also auf Ihren Standpunkt an, welches Wort Sie verwenden.

 

Aber warum sagt man: "Ich bin auf den Schwindel hereingefallen" bzw. "ich wurde hereingelegt"?


Offenbar reicht es nicht aus, mithilfe des eigenen Standorts zu ermitteln, welche Formulierung die richtige ist.


Was passierte, nachdem Sie angeklopft hatten?

Zunächst einmal haben Sie gewartet. Höflich und rücksichtsvoll, wie es Ihre gute Erziehung gebietet, warten Sie nach dem Klopfen immer erst auf eine Reaktion. Kommt keine solche, können Sie davon ausgehen, dass der Raum leer ist – möglicherweise sogar abgeschlossen. Dies stellen Sie ggf. fest, indem Sie vorsichtig versuchen, die Tür zu öffnen, nachdem Sie eine Weile vergeblich auf eine Antwort gewartet haben.

Ist jedoch die Person, die Sie aufsuchen wollen, anwesend, so wird diese aktiv, indem sie Sie mit der Aufforderung "Herein!" tatsächlich herein bittet.

Jetzt wird klar, dass nicht Ihr Standort maßgebend ist, sondern der Standort der Person, die aktiv wird. Also:

Es kommt darauf an, von wem oder von welchem Vorgang die Initiative ausgeht. Sie werden herein gebeten. Erst dann werden Sie selbst wieder aktiv und gehen hinein.

 

Der andere erwähnte Vorgang – ein Betrug bzw. Schwindel – spielt die aktive Rolle und legt Sie herein oder lässt Sie herein fallen. Sie selbst sind in diesem Fall nicht aus eigenem Antrieb aktiv geworden. Die Aktivität geht vom Betrüger aus: Sie landen in dem kriminellen Netz, in dem sich der Betrüger bereits befindet.

 

Was tut eine Mutter, die ihr kleines Kind ins Bett legt?

Sie legt es hinein. Die Mutter ist aktiv. Sie und das Kind befinden sich außerhalb des Bettchens. Also legt sie das Kind hinein.

 

Jetzt bleibt noch ein Fall übrig. Es kommt vor, dass Sie in einen Vorgang hinein gezogen werden. Noch verwirrender wird dies scheinbar dadurch, dass jemand Sie in einen Vorgang hinein zieht. Ob es sich dabei um ein Projekt oder eine kriminelle Handlung handelt, ist aus sprachlicher Sicht nicht relevant. Dieser "Jemand" ist aktiv, steckt selbst bereits "drin" und holt Sie dazu. Nach den bisherigen Überlegungen müsste die Formulierung lauten: "Er zieht Sie herein".

Wir müssen hier noch genauer unterscheiden: Um Sie in eine Situation hinein zu ziehen, muss die aktive Person diese Situation (bildlich gesprochen) vorher verlassen. Nur "von außen" kann die Person aktiv werden, damit Sie ebenfalls in die Situation kommen.

Die Person muss also die Projektarbeit ruhen lassen, dann mit Ihnen sprechen und anschließend mit Ihnen gemeinsam die Projektarbeit wieder aufnehmen.

Beide, Sie und die andere Person, gehen also in die Situation (wieder) hinein. Das ist die Erklärung für "hinein ziehen".

 

Wie können Sie sich nun am besten merken, ob "hinein ziehen" oder "herein ziehen" die richtige Formulierung ist?

Wenn Sie die fragliche Aussage umformulieren können, indem Sie das Wort "einbeziehen" verwenden, ist "hinein" das richtige Wort!

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
 

 

 Newsletter 43

 

Desselbigengleichen ... - Teil 1

waren Sie schon einmal in der Kirche?


Ok, es ist Ihre persönliche Angelegenheit, ob Sie zu einer Religionsgemeinschaft gehören und wenn ja, zu welcher. Wenn Sie einmal an einer protestantischen Abendmahlszeremonie teilgenommen haben, werden Sie möglicherweise die so genannten Einsetzungsworte des Pfarrers gehört haben, die da lauten:

"Desselbigengleichen nahm er auch den Kelch, dankte, gab ihnen den und sprach ..."


Worauf es hier ankommt, ist die Formulierung "desselbigengleichen". Es ist jenes alte Deutsch, in das Martin Luther einst die Bibel übersetzt hat. Sie müssen das heute nicht wissen. Aber Sie müssen wissen, was der Unterschied ist zwischen "derselbe" und "der gleiche".


Nirgendwo in der deutschen Sprache herrscht unter den Menschen mehr Verwirrung als in der Frage, wann welche dieser beiden Formulierungen richtig ist. Und diese Verwirrung ist bei überdurchschnittlich gebildeten Menschen nicht geringer als bei den so genannten bildungsfernen Zeitgenossen.

 

Viele Menschen halten es heute nicht mehr für wichtig, bei der Verwendung ihrer Sprache die nötige Sorgfalt walten zu lassen. Gerade bei der Entscheidung zwischen "derselbe" und "der gleiche" entstehen dadurch Missverständnisse mit teilweise erheblichen Folgen.


Zunächst müssen Sie wissen:

Es gibt tatsächlich einen Unterschied! Sollten Sie also bisher nur zufällig mal die eine, mal die andere Formulierung verwendet haben, sind die folgenden Gedanken für Sie ganz besonders wichtig.


Die beste Methode, den Unterscheid zu erläutern, besteht in der Angabe von treffenden Beispielen:

Jede Frau fürchtet sich davor, auf einer Veranstaltung einer anderen Frau zu begegnen, die dasselbe Kleid trägt.


Liebe Freundin!

Haben Sie keine Angst. So etwas kann überhaupt nicht passieren! Schlimm ist nur, wenn die Andere das gleiche Kleid trägt. Um dasselbe Kleid zu tragen, müssten Sie und die andere Frau zu verschiedenen Zeiten verschiedene Veranstaltungen besuchen. Denn dann gäbe es nur dieses eine Kleid. Anderenfalls ist es "nur" das gleiche. Allerdings vermutlich von demselben Hersteller. Aber ich weiß: Auch das gleiche Kleid zur selben Zeit am selben Ort zu tragen, kommt einer modischen Katastrophe gleich!

Machen Sie sich keine Sorgen: Es steht Ihnen viel besser als der Anderen!

 

Ein anderes Beispiel:

Jeden Tag kaufen Sie dieselben Brötchen, weil sie Ihnen so gut schmecken. Wirklich?

Nein! – Es sind nur die gleichen Brötchen, allerdings – und das ist Ihnen wichtig – nach demselben Rezept gebacken. Der Bäcker verwendet nur dieses eine Rezept für Ihre täglichen Lieblingsbrötchen, aber es sind jeden Tag neue, also andere Brötchen.

 

Warum wird so oft "derselbe" verwendet, wenn tatsächlich nur "der gleiche" gemeint ist?

Gefühlsmäßig wird "derselbe" als Steigerung oder besondere Bekräftigung von "der gleiche" empfunden. So fällt es weder demjenigen auf, der diese Formulierung verwendet, noch demjenigen, der die Worte dann hört oder liest.


Besonders deutlich kommt dies in folgendem Beispiel zum Ausdruck:

Ein Kollege sagte einst zu mir: "Der Kollege XYZ ist übrigens am selben Tag geboren wie ich!"

"Toll – welch drolliger Zufall!" entgegnete ich. Für mich war sofort alles klar. Geburtszwillinge trifft man schließlich nicht alle Tage.

Aber dann ergänzte mein Kollege: "Nicht nur, dass wir am selben Tag geboren sind, es war sogar im gleichen Jahr!"


Was glauben Sie, wie ich das logische Denkvermögen dieses Kollegen fortan bewertet habe (ganz zu schweigen von seiner Sprachkompetenz)? Ich war zu der Zeit sein Chef in einer Informatik-Abteilung eines großen Unternehmens.

 

Sie sollten der Versuchung widerstehen, etwas besonders deutlich hervorzuheben, indem Sie mit der Logik brechen. Dazu müssen Sie natürlich wissen, welche Bedeutung die Formulierungen haben, die Sie verwenden.


Immerhin reden Sie doch (hoffentlich!) auch nicht von einer 150-prozentigen Möglichkeit, wenn Ihnen eine solche besonders gut gefällt. – Oder vielleicht doch?!?

Darüber werden wir uns in drei Tagen unterhalten.

 

Morgen kehren wir zu unserem gegenwärtigen Problem zurück. Hierfür gebe ich Ihnen noch ein paar Beispiele zum Grübeln über die richtige Formulierung:

  • Mauerfall und Kristallnacht haben dasselbe Datum.
     
  • Zwillinge haben dieselbe DNA.
     
  • Der gleiche Mann, der 1962 als Innensenator in Hamburg die Rettungsaktionen bei der Flutkatastrophe leitete, wurde 1974 Bundeskanzler.
     
  • Polizisten eines Landes tragen dieselbe Uniform.
     
  • Alle Flugzeuge der Lufthansa ziert dasselbe Logo.
     
  • Die Nachrichtensprecher von ARD und ZDF haben den gleichen Beruf.
     
  • Über Europa und Australien scheint dieselbe Sonne.
     
  • Ein Auto hat vorn und hinten dasselbe Nummernschild.
     
  • Die beiden Kollegen fahren mit dem gleichen Auto zur Arbeit.
     
  • Dieselben Kollegen benutzen dafür immer die gleiche Strecke.
     
  • Bei ALDI finden Sie das Brot immer an derselben Stelle.
     
  • Bei jeder Bahnfahrt sitze ich immer in demselben Waggon – gleich hinter der Lok.
     


Viel Spaß!

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

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3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
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 Newsletter 44

 

Desselbigengleichen ... - Teil 2

na?

Das war wohl doch nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussah.


Lassen Sie uns das besprechen. Zunächst wiederhole ich nach bewährtem Prinzip (demselben wie beim bevor-solange-Problem) die Sätze von gestern:

  • Mauerfall und Kristallnacht haben dasselbe Datum.
  • Zwillinge haben dieselbe DNA.
  • Der gleiche Mann, der 1962 als Innensenator in Hamburg die Rettungsaktionen bei der Flutkatastrophe leitete, wurde 1974 Bundeskanzler.
  • Polizisten eines Landes tragen dieselbe Uniform.
  • Alle Flugzeuge der Lufthansa ziert dasselbe Logo.
  • Die Nachrichtensprecher von ARD und ZDF haben den gleichen Beruf.
  • Über Europa und Australien scheint dieselbe Sonne.
  • Ein Auto hat vorn und hinten dasselbe Nummernschild.
  • Die beiden Kollegen fahren mit dem gleichen Auto zur Arbeit.
  • Dieselben Kollegen benutzen dafür immer die gleiche Strecke.
  • Bei ALDI finden Sie das Brot immer an derselben Stelle.
  • Bei jeder Bahnfahrt sitze ich immer in demselben Waggon – gleich hinter der Lok.

 

Nehmen wir uns den ersten Satz vor:

"Mauerfall und Kristallnacht haben dasselbe Datum."

Das ist normalerweise falsch. Die Kristallnacht war 1938 und die Mauer fiel 1989. Nur wenn wir dieser beiden Ereignisse gedenken, tun wir das in jedem Jahr an demselben Tag:
Am 9. November.


"Zwillinge haben dieselbe DNA."

Zunächst: Ich weiß es nicht. Als ich im Internet nach einer Antwort auf diese Frage suchte, nicht wegen des sprachlichen, sondern wegen des medizinischen oder biologischen Aspekts, ist mir – ehrlich gesagt – übel geworden. Da kommen mehrfach Formulierungen vor wie "exakt die gleiche" oder "dieselbe, aber mit Unterschieden" …

Ich kann Ihnen nur dringend raten, solche Fragen nicht im Internet zu recherchieren, ohne sich der Gefahr einer möglichen schweren Schädigung Ihrer Sprachkompetenz bewusst zu sein. Gerade in dieser Frage, die für die Wissenschaft und für die Kriminologie so bedeutend ist, kommt es auf logisch und sprachlich richtige Formulierungen an. Noch nie war ich so verzweifelt über die vielen sprachlich verunglückten Beiträge in allen Foren – bis hin zu Wikipedia. Insbesondere bei Wikipedia findet man die schlimmsten Sprachlogik-Unfälle! Ich kann es nicht verstehen! Gerade ist diese die Welt umspannende Wissensdatenbank zehn Jahre alt geworden, überwacht von Wissenschaftlern, Lektoren und Redakteuren, genutzt von Menschen mit Wissensdurst und hohem Bildungsanspruch.

Es ist eine Katastrophe! Ein kultureller Super-GAU. (gestrichen nach der Japan-Tragödie)


Hier ist der Auslöser meines Wutanfalls:

http://de.wikipedia.org/wiki/Zwillinge

Dort stand wörtlich (am 18.01.2011):

Zwillinge (lat.: gemini) sind medizinisch genau zwei Kinder einer Mutter und eines Vaters, die am gleichen Tag gezeugt (und meistens auch geboren) wurden. Umgangssprachlich werden jedoch alle Kinder als Zwillinge bezeichnet, die innerhalb der gleichen Schwangerschaft herangewachsen sind und in der Regel im Verlauf desselben Geburtsvorganges zur Welt kommen. Bei der seltenen Superfecundatio kommen ebenfalls zwei Kinder in einem Geburtsvorgang zur Welt, jedoch keine Zwillinge. Das Wort Zwilling, älter auch zwiniling, gezwinele, ist eine Ableitung vom Zahlwort zwei und bedeutet ursprünglich "was doppelt vorkommt", "wovon es ein Zweites gibt".

Ende des Zitats. 

Im August 2014 ergänzt:
Inzwischen haben aufmerksame Leser offensichtlich dafür gesorgt, dass die Formulierungen geändert wurden. Damit ist bewiesen, dass außer mir doch noch einige Leute existieren, denen solche Fehler auffallen und die darüber hinaus auch noch tätig werden - wie ich mit meinem SKN - jeder auf seine Weise. Allerdings wurde hier nur halbe Arbeit geleistet: "am selben Tag gezeugt (und meistens auch geboren)" lässt noch immer die Interpretation zu, dass Zeugung und Geburt meistens am selben Tag stattfinden - ohne die Zeit für die Schwangerschaft. Es ist zwar inhaltlich klar, was gemeint ist, aber wissenschaftlich und sprachlogisch immer noch falsch formuliert. Streng genommen (und damit richtig) muss es heißen: "am selben Tag gezeugt (und meistens auch am selben Tag geboren)". Erst damit wird deutlich, dass die beiden "selben Tage" tatsächlich zwei verschiedene, zeitlich auseinander liegende Tage sind. 

 

Spätestens bei diesen Recherchen ist mir deutlich geworden, wie wichtig der SKN ist, um uns alle davor zu bewahren, dass Deutschland in der Welt seine wissenschaftliche und kulturelle Bedeutung verliert.


Nachdem ich mich nun wieder einigermaßen beruhigt habe, betrachte ich den Satz über die DNA aus sprachlogischer Sicht:

Die DNA eines Menschen ist individuell. Auch beim Zwilling. Was die DNA von (eineiigen) Zwillingen auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie denselben genetischen Code enthalten.

Also: Zwillinge haben die gleiche DNA, eben weil sie denselben genetischen Code enthält.

Dieser Umstand macht es den Kriminaltechnikern schwer, einem von beiden Zwillingen aufgrund einer DNA-Analyse eine Tat nachzuweisen und gleichzeitig den anderen zu entlasten. Der Beispielsatz ist also falsch.


Widmen wir uns nun dem dritten Satz:

"Der gleiche Mann, der 1962 als Innensenator in Hamburg die Rettungsaktionen bei der Flutkatastrophe leitete, wurde 1974 Bundeskanzler."

Sie kennen ihn sicher: Helmut Schmidt. Der ist einmalig. Ebendieser war Innensenator in Hamburg und später Bundeskanzler. Es ist derselbe Mann.


Auch die nächsten vier Sätze sind schnell erklärt:

"Polizisten eines Landes tragen dieselbe Uniform."

Richtig, wenn damit der Schnitt, der Entwurf oder das Styling der Uniform gemeint ist, falsch, wenn das Kleidungsstück selbst Gegenstand der Aussage ist.


"Alle Flugzeuge der Lufthansa ziert dasselbe Logo."

Richtig. Es gibt nur den einen stilisierten Kranich.


"Die Nachrichtensprecher von ARD und ZDF haben den gleichen Beruf."

Falsch. Entweder sind sie Nachrichtensprecher oder nicht. Unterschiede bestehen nur in der Art, wie und wo die jeweiligen Personen ihren Beruf ausüben.


"Über Europa und Australien scheint dieselbe Sonne."

Richtig. Das muss wohl nicht erklärt werden.


"Ein Auto hat vorn und hinten dasselbe Nummernschild."

Falsch. Es sind zwei Schilder, wenn auch mit derselben Nummer.

 

Morgen behandeln wir die noch verbleibenden vier Sätze (9 bis 12). Besonders die beiden letzten bedürfen einer ausführlichen Erklärung.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

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Desselbigengleichen ... - Teil 3

wir haben noch vier Sätze zu besprechen.


Los geht’s:

"Die beiden Kollegen fahren mit dem gleichen Auto zur Arbeit."

Falsch, wenn es sich um eine Fahrgemeinschaft handelt. Dann sitzen sie nämlich zusammen in einem einzigen, also in demselben Auto. Richtig, wenn beide ein Fahrzeug desselben Typs benutzen, z.B. einen für alle gleichen Firmenwagen. Gerade beim Auto kann die Gleichheit zweier verschiedener Fahrzeuge sehr unterschiedlich beurteilt werden – je nach dem, was verglichen wird. Hersteller, Farbe, Ausstattung usw. oder eine beliebige Kombination dieser Kriterien.


"Dieselben Kollegen benutzen dafür immer die gleiche Strecke."

Richtig und falsch. Dieselben Kollegen: Richtig. Es sind keine anderen. Ansonsten falsch. Jede Strecke ist individuell, existiert nur einmal. Entweder benutzen sie dieselbe Strecke oder zwei verschiedene Strecken. Die sind dann nicht einmal gleich.


"Bei ALDI finden Sie das Brot immer an derselben Stelle."

Richtig. ALDI hat viele Filialen, die alle nach demselben Prinzip sortiert sind. Egal, in welcher Stadt Sie welche ALDI-Filiale aufsuchen – Sie könnten mit geschlossenen Augen das Brotregal sicher erreichen. Hier ist nicht der individuelle Ort des Brotregals gemeint, sondern die für alle ALDI- Filialen gültige einmalige Wegbeschreibung dorthin. Also immer dieselbe.


"Bei jeder Bahnfahrt sitze ich immer in demselben Waggon – gleich hinter der Lok."

Nein – nicht falsch, wie Sie denken, weil Sie berechtigterweise annehmen, dass die Bahn nicht immer denselben Waggon gerade in dem Zug verwendet, mit dem ich fahre.

Durch den Zusatz "gleich hinter der Lok" wird deutlich, dass hier nicht ein bestimmter Waggon in einem bestimmten Zug gemeint ist, sondern die für alle Züge (außer den von einer Lok geschobenen) gültige Position im ersten Waggon hinter der Lok. Und die gibt es nur einmal. Es ist mehr ein Prinzip. Dasselbe Prinzip bei jeder Fahrt. Also: Richtig!

 

Aus den vorangegangenen Beispielen werden Sie es sicher erkannt haben:

Wenn Sie zwei Personen, zwei Gegenstände, zwei Situationen, zwei Prinzipien – kurz: zwei verschiedene Dinge betrachten, die zum Verwechseln ähnlich sind, handelt es sich immer um die gleichen.


Wenn Sie eine Person, einen Gegenstand, eine Situation, ein Prinzip betrachten – aus unterschiedlichen Perspektiven oder zu unterschiedlichen Zeiten, so ist es jeweils dasselbe (dieselbe, derselbe).

Dies können Sie sich als Regel einprägen.

 

Das Problem "derselbe – der gleiche" ist bei näherer Betrachtung übrigens ähnlich brisant wie die "Alternative". Erschwerend kommt hinzu, dass für diese Wortwahl keine fremdwörtliche Alternative existiert. Sie können diese Formulierungen nicht ersetzen. Umso mehr sind Sie darauf angewiesen, richtig zu formulieren, wenn Sie den Anschein mangelhafter Sprachkompetenz vermeiden wollen.

 

Um die Sicherheit zu erhöhen bei der Wahl der richtigen Formulierung, gibt es noch eine zusätzliche Möglichkeit:

Wenn das Wort "dieselben" auftaucht (Plural), muss es heißen "die gleichen". In der Mehrzahl ist das Wort nur dann richtig, wenn es ersetzt werden kann durch "dieselbe Gruppe von …".


"Dieselben" sollte bei Ihnen sofort die Alarmglocke läuten lassen – ebenso wie bei "bevor … nicht …".


Umgekehrt: Existiert etwas nur einmal, ist es also identisch in beiden Aussagen, so ist es immer "dasselbe" – niemals "das gleiche". Die "gleichen" existieren also mehrfach. Kommt der-die-das gleiche im Singular (Einzahl) daher, so ist er-sie-es immer schon mindestens das zweite Exemplar.

 

Zum Schluss baue ich Ihnen eine richtig stabile Eselsbrücke, über die Sie übrigens in beide Richtungen gehen können, weil sie sehr breit ist:

"Derselbe" wird immer zusammen geschrieben und ist immer nur ein Exemplar – ein Wort.

"Der gleiche" wird immer getrennt geschrieben und setzt immer die Existenz von mindestens zwei Exemplaren voraus - zwei Wörter.

 

Jetzt erhalten Sie von mir noch einen Bonus:

Neben der Gelegenheit, mit diesem SKN Ihre Sprachkompetenz zu festigen, können Sie mit diesem Bonus noch ein anderes Problem lösen, mit dem sich mein Vater seinerzeit ein Leben lang vergeblich beschäftigt hatte. Er hatte sich stets selbst – trotz seiner naturwissenschaftlich-technischen Orientierung als Diplom-Ingenieur – als bekennender Versager in Verwandtschaftsfragen bezeichnet.

Ich betrachte in dem folgenden Beispiel nur die weibliche Linie:

Zwei Mädchen haben …  Dann sind sie …
 
dieselbe Mutter:
 
Schwestern.
 
dieselbe Großmutter, aber nicht dieselbe Mutter:

 
Cousinen.
Die Mütter sind Schwestern.
 
dieselbe Ur-Großmutter, aber nicht dieselbe Großmutter:
 
 
 
Cousinen 2. Grades ("um eine Ecke"). Die Mütter sind Cousinen.
Die Großmütter sind Schwestern.
 
dieselbe Ur-Ur-Großmutter, aber nicht dieselbe Ur-Großmutter:
 
 
 
Cousinen 3. Grades ("um zwei Ecken").
Die Mütter sind Cousinen 2. Grades ("um eine Ecke").
Die Großmütter sind Cusinen.
Die Ur-Großmütter sind Schwestern.
usw.  

Zwei Fragen zu diesem Schema:

1. Wann ist der Satz richtig: "Zwei Mädchen haben die gleiche Mutter"?

2. Wie sind diese beiden Mädchen miteinander verwandt?

Morgen verrate ich Ihnen die Lösung.

 

Natürlich kann man das auch gemischt darstellen oder nur für männliche Personen. Aber im ersten Fall ist das sprachlich umständlich, und im zweiten Fall gilt (nur für Leute ab Kleines Latinum): 

"Pater semper incertus".

Frei übersetzt - für Nicht-Lateiner:
"Man weiß nie genau, wer wirklich der Vater ist ..."

(... allerdings kein unlösbares Problem mehr seit der Möglichkeit der DNA-Analyse)

 

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

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Prozentrechnung

... nun? Haben Sie's gewusst?

Ok, ich sag's Ihnen: Die Mütter sind eineiige Zwillinge, die beiden Mädchen demnach Cousinen. Die Aussage ist ein Sonderfall der zweiten Zeile.

 

Wir reden über Sprachkompetenz, und überall ist Mathematik.


Es gibt Wissenschaftler, welche die Mathematik als reine "Geisteswissenschaft" bezeichnen. Ich möchte dem nicht widersprechen, aber ich sehe das nicht so streng. Bevor ich Informatiker wurde, habe ich dieses Fach selbst studiert - bis zur Zwischenprüfung, die man damals "Vor-Diplom" nannte. Wovon ich allerdings wirklich überzeugt bin, ist die Tatsache, dass Mathematik sehr viel mit Logik zu tun hat. Und damit kommen wir etlichen Aspekten der Sprachkompetenz schon sehr nahe.

 

Unser gesamtes Dasein, unsere täglichen Erlebnisse, unsere Kommunikation – ja, unser ganzes Denken folgt mathematischen Prinzipien und Gesetzen. Nehmen Sie einfach nur den Fahrplanaushang an Ihrer Bushaltestelle: Der Haltestellenfahrplan ist eine spezielle Teilsicht – wie durch eine Schablone – auf eine komplexe Beschreibung aller Bewegungen aller örtlichen öffentlichen Verkehrsmittel durch Raum und Zeit und mit ihren Abhängigkeiten untereinander (Anschlussverbindungen).


Schauen Sie in Ihr Portemonnaie (ich kann die alte Schreibweise besser als die neue): Die Scheine und Münzen darin bilden fast spielerisch unser Zahlensystem ab, mit dem wir rechnen.

Ich empfinde noch immer Mitleid mit den Engländern, denen dieser Vorteil bis zum "Decimal Day" im Jahre 1971 versagt blieb. Bis zu diesem Tag hatten die eine total schräge Währung: 1 Pfund wurde unterteilt in 20 Shilling und der wiederum in 12 Pence. Demnach ergaben 240 Pence dann ein Pfund Sterling. Man konnte sich zwar irgendwann daran gewöhnen, auch als Tourist, aber die Engländer waren schon immer ein besonderes Völkchen.

 

 

Hierzu (wegen "spielerisch") möchte ich Ihnen eine kleine Anekdote erzählen:

Während ihres Studiums arbeitete eine unserer Töchter zur Aufbesserung ihres Taschengeldes nebenbei als Kassiererin in einer "KAISERS"-Filiale in Berlin. Am 2. Januar 2002 - also am ersten Tag des Euro als offizielles Barzahlungsmittel - gab sie einer Kundin Wechselgeld heraus. Diese blickte auf die neuen Münzen und sagte ganz begeistert: "Das ist ja wie im Kaufmannsladen ... !" - Darauf unsere Tochter - mit einem verständnisvollen Lächeln im Gesicht: "Sie sind in einem Kaufmannsladen..."

Ob das Dezimalsystem das optimale Zahlensystem ist, ist eine andere Frage, zu der ich mich – als Informatiker – an anderer Stelle äußere. Das führt hier zu weit.

 

Unser politisches System basiert auf der Tatsache, dass bei Wahlen die Kompetenzen immer wieder neu verteilt werden, streng nach mathematischen Prinzipien. Und schließlich begegnen Sie demselben Prinzip bei Preisnachlässen in allen wirtschaftlichen Bereichen – oder bei Aufschlägen in Ihren Beiträgen zur Sozialversicherung.

Überall ist von Prozentsätzen, Prozentpunkten, prozentualen Anteilen usw. die Rede.


Was heißt "Prozent"?

Ihr Finanzamt übersetzt es Ihnen jedes Jahr aufs Neue:
"Vom Hundert".

Hundert ist eine Zahl bzw. eine Menge, die wir uns sehr gut vorstellen können. Besser als eins Komma neun Billionen Staatsverschuldung (Stand: 2011). Hundert ist klein genug, um damit sicher rechnen zu können, und groß genug, um beliebige vernünftig kleine Bruchteile davon zu benennen.

Jeder weiß, was zwei Prozent Lohnerhöhung bedeutet: So gut wie gar nichts. Und 51 Prozent Wahlbeteiligung sind ein Armutszeugnis für das Demokratieverständnis der Wahlberechtigten (in Bremen am 22.5.2011).

 

Wenn Sie früher in der Schule Schwierigkeiten mit der Prozentrechnung hatten, können wir das jetzt ganz leicht aus der Welt schaffen. Ja – Sie haben richtig gelesen! Alle Probleme im Zusammenhang mit Prozentrechnung werden sich für Sie gleich in Luft auflösen. Allein für diesen Effekt wird sich der Erwerb des SKN für Sie gelohnt haben!


Sie erfahren gleich die entscheidende "Zauberformel" für die Lösung aller – wirklich aller! – Aufgaben im Bereich der Prozentrechnung. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie die Zahlen zur Arbeitslosenquote oder die Zinsen für Ihr Baudarlehen betrachten, ob Sie Wahlergebnisse oder Ausländeranteile bewerten, ob Sie Nachrichten hören über Inflationsraten oder Rentenerhöhungen – oder ob Sie nur die Denksportaufgabe lösen, wie viel eine Flasche Wein für zehn Euro kostet, nachdem der Preis erst um zehn Prozent erhöht und kurz darauf wieder um zehn Prozent gesenkt wurde.

Diese Zauberformel ist eigentlich keine Formel – nein, es ist viel einfacher, als Sie denken! Vergessen Sie alle Formeln, die Sie im Zusammenhang mit Prozentrechnung gelernt haben. Sie müssen nichts lernen. Wirklich nicht!


Bevor ich Ihnen nun diese entscheidende "Formel" verrate, merken Sie sich nur das, was Ihnen das Finanzamt immer wieder sagt (s.o.): "Vom Hundert".

Hundert ist immer das Ganze. Und das können Sie in beliebig kleine Stücke zerteilen. Ganz übersichtlich.


Sie müssen sich vor jedem einzelnen Schritt nur – und jetzt kommt die "Formel" – eine einzige ganz einfache Frage stellen.

Sie lautet:

(bitte klicken Sie hier, um die Frage zu sehen!) 

Wenn Sie diese Frage beantworten, sehen Sie sofort die Lösung jeder beliebigen Aufgabe in der Prozentrechnung.

Der Rest ist reines Rechnen. Das erledigen Sie nötigenfalls mit einem Taschenrechner.

 

Was hat das nun mit Sprachkompetenz zu tun?

Hundert ist das Ganze. 100 Prozent – 100 vom Hundert – mehr als hundert sind im Hundert nicht drin.

Sehen Sie jetzt, was für ein ausgemachter Blödsinn es ist, "vollständig" mit dem Begriff "150-prozentig" zu bekräftigen?

 

Zum Schluss nun doch noch etwas Mathematik:

Wenn Sie eine Menge um die Hälfte erhöhen, ist das Ergebnis selbstverständlich 150 Prozent. Auch hier die Frage: Was ist Hundert? – Hier: Die Ausgangsmenge. Auf die bezieht sich in diesem Beispiel die Beschreibung der Ergebnismenge. Wenn Sie jetzt noch einmal 50 Prozent dazu packen, können Sie das Ergebnis nur feststellen, wenn Sie wiederum die Frage beantworten: Was ist Hundert?

Sie müssen sich dann nämlich klar entscheiden: Die Ausgangsmenge oder die erste Ergebnismenge. Also 100 oder 150. Dementsprechend ist das Endergebnis dann 200 oder 225. Wenn Sie das begriffen haben, ist die Denksportaufgabe mit der Weinflasche ein Kinderspiel. Und die allenthalben gefürchtete Zinseszinsrechnung verliert ihren Schrecken.


Ich gehe davon aus, dass Sie das jetzt 100-prozentig verstanden haben!

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

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 Newsletter 47

 

Deutsch ist ein Witz

ist der Witz möglicherweise eine deutsche Erfindung?


Wie ist ein Witz aufgebaut? Die wichtigste Aussage – die Pointe – steht immer am Ende.


Genau so funktioniert auch unsere Sprache. Das Wichtige steht immer am Schluss. Das wird uns selbst oft ebenso zum Verhängnis wie den Menschen, die unsere Sprache lernen wollen.

 

Erinnern Sie sich noch an das Problem der Simultanübersetzer aus dem Europäischen Parlament? Oft können diese nicht weiter übersetzen, weil sie nicht wissen, worauf ein Satz hinausläuft, wenn er von einem deutschsprachigen Abgeordneten stammt. In den anderen europäischen Sprachen wird eine Aussage getroffen und anschließend mit Attributen oder beschreibenden Nebensätzen erläutert. In Deutsch kommen die Erläuterungen oft als Einschub, bevor die Aussage endlich den Zuhörer aufklärt. Und währenddessen schweigen die Dolmetscher und versuchen, sich alle "Einschübe" zu merken, falls sie dieselben nicht aufschreiben. Die nichtdeutschen Abgeordneten vermuten dann wieder einen Ausfall der Dolmetscheranlage.

 

Den nichtdeutschen Menschen, die unsere Sprache lernen, wird dieses Prinzip der wichtigsten Aussage am Schluss als Vorteil vermittelt. Es gibt nämlich von dieser Regel keine einzige Ausnahme (über "keine einzige" unterhalten wir uns noch – später). So kann man das leicht lernen und immer richtig anwenden.


Unsere Sprache erlaubt auch das beliebige Zusammensetzen von Substantiven (Hauptwörtern) zu einem neuen Wort. Wofür dieses Wort steht, wird immer an den Schluss gestellt.

 

Kennen Sie den berühmtesten Kapitän? Oder besser: Das Abzeichen vorn an seiner Mütze?

Die Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmützenkokarde.

Haben Sie sicher schon mal gehört! Ein solches Wort müssen Sie von hinten nach vorn lesen, um auf Anhieb zu wissen, wofür es steht. Wenn Sie vorn anfangen, lernen Sie erst einmal den mit fast dreitausend Kilometern längsten europäischen Fluss kennen, lange bevor klar wird, dass eigentlich nur von einem Stückchen Blech die Rede ist. Und was auf dem Weg dahin alles passiert! Ein riesiges Verkehrsunternehmen mit einer ganzen Flotte von Schiffen, die mit genial konstruierten Dampfmaschinen angetrieben werden, mit Führungskräften und deren Uniformen wird beschrieben, alles in einem einzigen Wort zur Beschreibung eines kleinen Stückchens geprägten Blechs.

Was für eine kraftvolle Sprache!


Es ist wie bei Google Earth: Sie sehen bei Programmstart den ganzen Globus und zoomen hinein, bis Sie am Ende auf Ihrem Ziel landen, das Sie interessiert. Planet – Kontinent – Land – Region – Ort – Straße – Haus – immer in derselben Reihenfolge.


So bilden wir unsere Begriffe: Elternhaus, Berufsschule, Hundehütte, Presseball, Urlaubsziel, und wir wissen: Es handelt sich um ein Haus, eine Schule, eine Hütte, eine Tanzveranstaltung und ein Ziel – jeweils näher beschrieben durch ein vorangestelltes Wort, das sonst vollkommen eigenständig existiert und für etwas steht, was hier nicht gemeint ist: Eltern, Beruf, Hund, Presse und Urlaub.

So entstehen auch Begriffe wie Hausfrauen und Frauenhaus, die nichts miteinander zu tun haben, obwohl sie aus denselben Wörtern zusammengesetzt sind.

Weitere Beispiele:

  • Straßenbau und Baustraße,
     
  • Ballspiel und Spielball,
     
  • Rathaus und Hausrat,
     
  • Bauhaus und Hausbau, 
     
  • Kraftreserve und Reservekraft,
     
  • Bahnstraße und Straßenbahn,
     
  • Feldlager und Lagerfeld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

?!? –

 

 

Entschuldigung - ich wollte "Karl den Großen" nicht beleidigen...

Er heißt auch nicht so. Sondern Karl Otto Lagerfeldt (mit "dt"). Das t hat der Modezar wegretuschiert. Wenn Ihnen bei diesem letzten Satz etwas aufgefallen ist, schreiben Sie mir bitte.

 

Der bezeichnete Gegenstand befindet sich immer im letzten Teil des zusammengesetzten Wortes. Alle Teile davor beschreiben den Gegenstand in einer genau festgelegten Reihenfolge, aus der die Klassifizierung des Gegenstands eindeutig hervorgeht. Diese Vorgehensweise lässt unseren aktiven Wortschatz viel größer erscheinen, als er tatsächlich ist.


Dieses Prinzip erlaubt Wortschöpfungen in einer Weise, die uns Deutschen so leicht niemand nachmacht. Gerade das Wort des Jahres 2010 ist ein sehr gutes Beispiel hierfür. Ich will das Wort nicht bewerten, aber aus rein sprachlicher Sicht ist es absolut genial erfunden:

 Wutbürger.

(Für Politikerinnen und Politiker: Wutbürgerinnen und Wutbürger.)

 

Ich bewundere die Menschen, denen so etwas einfällt.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
 

 

 Newsletter 48

 

Mach mal Pause - ...

(Teil 1 einer amerikanischen Getränkewerbung) 

folgen Sie gern auch dem zweiten Teil der Aufforderung, falls Sie noch eine Flasche dieser coffeinhaltigen Limonade im Hause haben.

Heute geht es um die Pause. Nicht die zurzeit oft zitierte Blaupause ist gemeint, sondern tatsächlich diejenige Pause, die eine kurzzeitige Unterbrechung irgendeines Vorgangs darstellt.

Was eine Pause ist, muss ich nicht erklären. Sie kennen die Pause sicher noch aus Ihrer Schulzeit als zuweilen willkommene Unterbrechung einer langweiligen Unterrichtsstunde - ausgerechnet in Deutsch habe ich damals oft der erlösenden Pausenglocke entgegengefiebert. Das darf ich eigentlich gar nicht laut sagen - bei meinem heutigen Anspruch. Aber das Leben ist sowieso die bessere Schule.

Der Sinn der heutigen Lektion mit Betrachtungen über die Pause ist nicht, dass Sie etwas Neues lernen, sondern dass Ihnen bewusst wird, welche unterschiedlichen Interpretationen das Wort Pause ermöglicht, wenn es als letzter Teil eines zusammengesetzten Wortes auftritt.

Wie oft haben Sie schon in den Medien vernommen, dass der eine oder andere Politiker vorschlägt, eine Denkpause einzulegen? 

Reflexartig reagieren in diesen Fällen viele Deutsch-Besserwisser mit der Bemerkung, man wolle offenbar für einige Zeit das Denken einstellen.

Doch weit gefehlt!

Diese Besserwisser denken ihrerseits nicht zu Ende: Der Begriff "Pause" weist nämlich ähnliche Eigenschaften auf wie der Begriff "Schatz". Erinnern Sie sich? Ein Schatz kann entweder durch seinen Inhalt (Goldschatz, Wortschatz) näher klassifiziert werden oder durch die Angabe, wo er sich befindet (Bodenschatz). Die jeweils andere Klassifizierung geht nicht aus dem zusammengesetzten Wort hervor. 

Genau so "funktioniert" die Pause: Der Wortteil, der die Pause näher beschreibt, bezieht sich entweder auf den unterbrochenen Vorgang oder auf das, was während der Pause stattfindet. 

So ist eine Frühstückspause etwas anderes als eine Sendepause.

Welche von beiden Möglichkeiten, eine Pause zu beschreiben, ist denn nun richtig?

Wie so oft lautet auch hier die Antwort: Es kommt darauf an ...

Um die richtige Antwort zu finden, müssen wir überlegen, in welchem Zusammenhang die Pause erwähnt wird und welcher Tatbestand hier wichtig ist für die gesamte Aussage. Wenn also von der Frühstückspause - z.B. in Tarifverträgen - die Rede ist, geht es um den Grund für das Unterbrechen einer Tätigkeit und nicht um die Tätigkeit selbst. Ein Monteur in einer Fabrik frühstückt mit derselben Berechtigung wie ein Verwaltungsbeamter im Rathaus, denn der Tarifvertrag gesteht beiden zu, ihre jeweilige Tätigkeit für eine festgelegte Anzahl von Minuten zu unterbrechen.

Bei einer Sendepause ist nicht wichtig, was während der Pause geschieht. Was den Zuhörer oder Zuschauer interessiert, ist einzig und allein die Tatsache, dass ein Sender eine Zeitlang nicht sendet, aus welchem Grund auch immer.

 

Kommen wir auf die Denkpause zurück: Dieser Begriff taucht auf, wenn Zweifel an einer Tätigkeit entstehen und eine Entscheidung zu treffen ist, "wie es weitergehen soll". Vor dieser Entscheidung muss darüber nachgedacht werden. Die Tätigkeit wird also mit einer Denkpause unterbrochen.

Die Denkpause ist kein Stoff für satirische Besserwisserei!

Eine kleine Aufgabe:
Versuchen Sie, Pausen zu finden, deren nähere Bezeichnung angibt, was unterbrochen wird, und nicht, zu welchem Zweck. Ich habe lange überlegen müssen, bis mir wenigstens die Sendepause einfiel. Schreiben Sie einmal fünf Minuten lang alle Pausen auf, die Ihnen einfallen. Dann sortieren Sie die Pausen in die zwei Gruppen, die wir betrachtet haben. Sie werden ein interessantes Ergebnis erhalten! Übrigens testen Sie damit - ganz nebenbei - gleichzeitig Ihren aktiven Wortschatz.

Nach dieser Aufgabe sind Sie in der Lage, die Denkpausen-Besserwisser "auflaufen" zu lassen.

Viel Spaß!

Bis morgen!

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  

 Newsletter 49

 

Wörter und Worte

heute kehren wir einmal zu den Elementarbausteinen der Sprache zurück.


Der Baustoff, aus dem jede Sprache besteht, sind die Buchstaben eines Alphabets. In der Europäischen Währungsunion sind 21 Staaten vertreten mit nur zwei Alphabeten. Ohne Griechenland wären es 20 Staaten, die alle mit demselben Alphabet arbeiten, das allerdings von vielen verschiedenen Sprachen verwendet wird.

Aus diesem Buchstabenvorrat bildet nun jede Sprache ihre eigenen Elementarbestandteile:
Die Wörter.


Wörter sind, wie wir in einer früheren Lektion des SKN gelernt haben, Lautäußerungen, die im Laufe der Zeit akustische Gestalt angenommen haben, um die Dinge zu benennen, von denen wir umgeben sind. In jeder Sprache haben sich die Wörter entsprechenden Regeln untergeordnet, deren Kenntnis uns in die Lage versetzt, miteinander zu kommunizieren.


Mit dem Aussprechen von Wörtern sind wir bereits in der Lage, Stimmungen, Gefühle, Informationen auf elementarer Basis auszutauschen. Dieser Vorgang kann bei einem Kind, das gerade Sprechen lernt, sehr gut beobachtet werden.

 

In der nächsten Ausbaustufe der Sprache werden die Wörter in Gruppen zusammengefasst, wiederum nach bestimmten Regeln. So entstehen Sätze.


Dieser Prozess läuft in den unterschiedlichen Sprachen nach unterschiedlichen Regeln ab. Die Buchstaben sind für alle dieselben. Bei den Wörtern entstehen die ersten Unterschiede. Das ist der Grund dafür, dass wir in der Schule Vokabeln lernen müssen, wenn wir mit Fremdsprachen anfangen. Für das Erlernen unserer Muttersprache konnten wir unsere eigene Kindheit nutzen und haben sehr früh eine Sprachkompetenz erworben, deren Qualität unmittelbar abhängt von den Menschen, die uns großgezogen haben.

 

Kehren wir zum Bauplan unserer Sprache zurück: Nach den Sätzen, die in unserem Bild mit einer Baugruppe verglichen werden können, kommen nun die fertigen Konstruktionen. Wie man mit Baumaterial ein Haus, eine Brücke, eine Kirche, ein Stadion oder einen (ggf. unterirdischen) Bahnhof bauen kann, kann man mit den Wörtern unserer Sprache einen Brief, einen Aufsatz, eine Geschichte, einen Roman verfassen. Die Wörter eines Satzes sowie die Sätze in den Absätzen oder Kapiteln korrespondieren miteinander und verleihen dem Gesamtwerk eine individuelle Struktur.


Wörter haben eine Bedeutung. Wenn sie zu einem Satz gruppiert werden und dadurch einen Sinn bilden, der über die einzelnen Bedeutungen der Wörter hinausgeht, erhalten diese Wörter in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung. Von diesem Augenblick an spricht man von Worten.

Anders herum kann man sagen: Worte sind Wörter, die in ihrer Kombination eine Aussage darstellen.


Politiker, Dichter, Philosophen sprechen nicht Wörter, sondern Worte. Das heißt: Sie machen in der speziellen Kombination der verwendeten Wörter eine individuelle Aussage.


Der Astronaut Neil Armstrong sprach bei seinem ersten Schritt auf den Mondboden nicht die Wörter, sondern die historischen Worte:

"Ein kleiner Schritt für einen Menschen – ein großer für die Menschheit".

 

Woran erkennen Sie nun, wann es sich um Wörter und wann es sich um Worte handelt, wenn Sie etwas berichten?

Die Unterscheidung ist einfach: Wenn Sie in einer Formulierung den im aktuellen Zusammenhang verwendeten Plural von "Wort" durch den Begriff "Satz" oder manchmal auch "Sätze" ersetzen können, ohne dabei die Aussage zu verändern, sind "Worte" angebracht.

Mit anderen Worten (mit anderem Satz): Wörter sind das Material, das in der Aussage eines Satzes zu Worten wird.

Oder:

Zusammenhanglose Wörter
werden durch die Verwendung
in einem Satz zu Worten.

 

Niemand spricht große Wörter. Das ergibt keinen Sinn. Aber große Worte treffen eine bestimmte Aussage.

Ganz kurz formuliert:

Worte sind Wörter mit einer Aussage.

 

Der Plural von Wort ist ein paar Aufgaben wert, mit denen Sie sich beschäftigen können. Hierzu gebe ich Ihnen einige Sätze, die Sie bitte mit dem richtigen Plural ergänzen. Diese Sätze finden Sie mit folgendem Link:

Worte und Wörter

Lassen Sie sich Zeit mit dieser Aufgabe - gern bis zum Ende des SKN. Denken Sie daran:

Wiederholen ist wichtiger als anstrengen!

 

Bis morgen!

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
7. Die Verwendung von "Worten" und "Wörtern" üben.  

 Newsletter 50

 

Eine einzige Steigerung

"Das Bessere ist der Feind des Guten".


Dieser Satz ist Motor jeglichen Fortschritts. Sportler, Ingenieure, Erfinder, Politiker, ja wir selbst wollen normalerweise immer besser werden, immer reicher, immer glücklicher, immer mächtiger, immer klüger, immer gesünder – aber nur eines ist ganz sicher: Wir werden immer älter. Ohne Ausnahme.

 

Was ist das – sprachlich gesehen? Fortschritt im wahrsten Sinne des Wortes heißt also: Wir schreiten fort, vom jetzigen Zustand in einen anderen, den wir mit dem jetzigen vergleichen. Dieser Vergleich lässt sich nun in der Sprache mit einer entsprechenden Verwandlung des Wortes darstellen, das unseren zukünftigen Zustand beschreibt: Mit seiner Steigerungsform – höher – schneller – weiter.


Was beschreibt einen Zustand?

Ein Adjektiv (Eigenschaftswort), das gesteigert werden kann. Dieses Wort erscheint dann in einer grammatischen Form, die Komparativ (Steigerungsform) genannt wird.

"Komparativ" kommt aus dem Lateinischen und kann mit "Vergleichsform" übersetzt werden.

Der Vergleich findet überall statt: Entweder vergleichen wir ein Objekt (Tatbestand, Lebewesen, Gegenstand), genauer: eine bestimmte Eigenschaft desselben, zu zwei verschiedenen Zeitpunkten miteinander oder eine bestimmte Eigenschaft als Momentaufnahme mit derselben Eigenschaft eines anderen Objekts.


Betrachten wir den zeitlichen Aspekt, so kann die Steigerung irgendwann zu Ende sein ("Am kräftigsten war ich im Alter von 45 Jahren"), oder der Vergleich derselben Eigenschaft zwischen verschiedenen Personen liefert sofort das Ergebnis, welche von diesen am kräftigsten ist. Diese Form des Adjektivs wird Superlativ genannt. Frei übersetzt bedeutet das: "Der über allen anderen liegende Wert".


Superlativ wird als Wort in der Werbung verwendet oder in anderen Zusammenhängen, wenn zum Ausdruck kommen soll, dass keine Steigerung mehr möglich ist.

 

Bevor Sie jetzt anfangen, sich zu langweilen, weil Sie das alles schon wissen, werde ich Sie jetzt kräftig provozieren:

Sie – ja, Sie! – haben bisher den Superlativ immer wieder schwer missbraucht!

Geben Sie zu, dass Sie irgendwann in Ihrem Leben von der einzigsten Möglichkeit gesprochen haben. Und Wortschöpfungen wie die meistbesuchteste Veranstaltung oder der weitgehendste Antrag oder die hochwertigste Ware sind Ihnen mit Sicherheit auch schon über die Lippen gekommen!

Den Antrag und die Ware lässt MS Word 2007 übrigens ebenfalls ohne Beanstandung gelten. Aber darüber haben wir ja schon gesprochen.

Alle Deutschen haben sich irgendwann am Superlativ versündigt. Auch ich, das gebe ich zu.

Und warum? Weil wir inzwischen oft nicht mehr nachdenken über das, was wir sagen oder schreiben.


Bei meinen Recherchen zur richtigen Form des Superlativs von "weitgehend" stieß ich am 19. Januar 2011 auf einen Auszug aus SPIEGEL ONLINE, geschrieben vom renommierten Literaturkritiker Hellmuth Karasek:

"Liest man schon auf der ersten Seite des Romans der Elsner das Wort 'weitgehendst' (das man allerdings weitestgehend auf Kosten des Rowohltschen Lektorats verbuchen müßte), dann scheinen sich solche Befürchtungen nur allzu rasch zu bestätigen."

Ende des Zitats.


"Ein Mann der Sprache – mit einem Anflug von Ironie hat er den Finger in die richtige Wunde gelegt und sich dabei gleichzeitig einen elementaren Fehler erlaubt beim letzten Wort in der eingeklammerten Textpassage! Müßte - mit "ß"! Was haben wir gleich zu Beginn - noch während der kostenlosen Testphase - gelernt? Das müssten Sie eigentlich noch wissen...

Aber vielleicht hat sein Beitrag auch nur unter der Nachlässigkeit eines Redakteurs gelitten, die unmittelbar davor dem Lektorat des Rowohlt-Verlags zur Last gelegt wird."

Diese beiden Absätze habe ich bewusst in Anführungszeichen gestellt und farblich hervorgehoben. Hier bin ich nämlich buchstäblich hereingefallen auf meine eigene Nachlässigkeit. Ganz korrekt gesehen kann ich mich hier nämlich nur noch selbst zitieren, nachdem mir beim zweiten Hinsehen aufgefallen ist, dass dieser SPIEGEL ONLINE Beitrag aus den achtziger Jahren stammt - lange vor der Rechtschreibreform!

 

Bei dieser Gelegenheit ist es angebracht, von ein paar Erfahrungen aus meinen gelegentlichen Internetrecherchen zu einigen Sprachproblemen zu berichten. Meine Erwartung, Antworten zu finden, wird regelmäßig schwer enttäuscht, denn zu jedem Problem gibt es in den einschlägigen Foren rege Diskussionen, zugegebenermaßen und glücklicherweise auf hohem Niveau, aber mit unerfreulichem Inhalt und – wie üblich – mit etlichen Rechtschreibfehlern. Trotz klarer Regelungen in der reformierten Rechtschreibung existieren unglaublich viele verschiedene Auffassungen, die alle ihre Berechtigung haben.

Dennoch werde ich den Verdacht nicht los, dass die Damen und Herren Sprachwssenschaftler(innen) sich mit ihren wortreichen Einlassungen nur herausreden wollen aus ihrer eigenen Unfähigkeit, sich zu einer klaren Sprache zu bekennen. Vieles wird geduldet und umständlich mit Argumenten unterstützt, um nur ja nicht irgendeinen Kollegen zu brüskieren.

Es lohnt den Zeitaufwand nicht, allen Argumenten zu folgen. Deshalb bleibe ich dabei, mich bewusst gegen die mehrheitliche Auffassung zu stellen, indem ich der Logik in unserer Sprache eine deutlich höhere Priorität einräume, als es in den wissenschaftlichen Erörterungen geschieht. Ich werde am Ende dieses Seminars ausführlicher auf diesen Aspekt eingehen.

 

Tiefgreifend, weitgehend, schwerwiegend und alle weiteren Wörter dieser Art sind aus jeweils zwei Bestandteilen zusammengesetzt. Erinnern Sie sich bitte an die Regel, dass das, was die Bedeutung eines zusammengesetzten Wortes ausmacht, immer am Ende steht.

Greifend, gehend und wiegend lassen sich nicht steigern. Steigern kann man nur Adjektive (Eigenschaftswörter) sowie Adverbien (Umstandswörter). Hier also: Tief, weit und schwer. Das Steigern der Beispielwörter im adverbialen Bestandteil ist regelgerecht, logisch richtig und stilistisch einwandfrei. Es ist also trotz der vielen unterschiedlichen Meinungen nicht verkehrt, diesen klaren und leicht zu merkenden Weg zu gehen und die drei Wörter zu steigern mit tiefer greifend, weiter gehend und schwerer wiegend (alles in zwei getrennten Wörtern – gemäß neuen Regeln ... nicht: "gemäß neuer Regeln", wie man so oder ähnlich sehr oft liest oder hört, wenn der bildungsbeflissene Genitiv wieder einmal mit dem Verfasser durchgeht). Der Superlativ führt schließlich zu tiefstgreifend, weitestgehend und schwerstwiegend.

 

Zum Schluss noch eine streng logische Bemerkung:

Es gibt Wörter, die nicht zu steigern sind, z.B. einzig, vollständig, kein, schwanger …


Die einzige Möglichkeit ist nicht etwa die einzigste aller einzigen Möglichkeiten, sondern es gibt nur die eine.

Vollständig – basta. Vollständiger geht nicht. Solange noch nicht vollständig gilt, gilt nur unvollständig.

Kein – hartnäckig hält sich die Formulierung: In keinster Weise. Nicht einmal MS Word 2007 beanstandet das. Trotzdem: Lassen Sie es bleiben.

Schwanger – die berühmte Feststellung "ein bisschen schwanger gibt es nicht" bekommt eine völlig neue Bedeutung durch den (sinngemäß übersetzten) Ausspruch einer englischen Literaturkritikerin:

"Wer einmal im neunten Monat mit Drillingen schwanger war, wird nie mehr behaupten, dass eine Frau nicht schwangerer sein kann als eine andere."

 

Ein besseres Schlusswort zu dieser Lektion fällt mir nicht ein.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

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7. Die Verwendung von "Worten" und "Wörtern" üben.  

 Newsletter 51

 

Ein Zeichen setzen

als ich noch zur Schule ging, habe ich viele Regeln zur Zeichensetzung gelernt. Viele Jahre lang war die Kenntnis und fehlerfreie Anwendung dieser Regeln eine Möglichkeit, sich von Anderen positiv zu unterscheiden.

Wusste man, wo ein Komma zu stehen hat und wo nicht, so konnte man entsprechend positiv auffallen. Aber wehe, wenn das Wissen über die Zeichensetzung nur lückenhaft war! Ganz schnell handelten sich Schüler unnötig viele Fehler ein und kassierten dadurch schlechtere Zensuren.

Die Zeichensetzung gehört zum so genannten Elementarbereich der deutschen Sprache und wird - auch heute noch - entsprechend bewertet. Es gab immer schon Schüler, die ihre Kommas an den richtigen Stellen platzierten. Die fielen nicht weiter auf bzw. wurden von ihren Lehrkräften nicht ausdrücklich erwähnt. Aber ich erinnere mich noch gut daran, dass häufig das sprichwörtliche Sieb bemüht wurde, wenn unser Deutschlehrer irgendeinen Mitschüler bei der Rückgabe eines Aufsatzes vor der Klasse bloßstellte, wenn er ihm vorhielt, er habe bei der Verteilung der Satzzeichen offenbar dieses Sieb zu Hilfe genommen.

(Dass ich meinen Deutschlehrer nicht leiden konnte - wenn auch aus anderen Gründen - hatte ich wohl schon erwähnt ...)

Ich war übrigens nur ein durchschnittlicher Schüler - allerdings mit herausragenden Leistungen in einigen wenigen Punkten. Rechtschreibung hatte ich schon erwähnt. Zeichensetzung war für mich auch nie ein Problem. Dennoch hätte das Fach Deutsch mir seinerzeit beinahe im Abitur "das Genick gebrochen". Ich kann mich an viele Prüfungssituationen im Laufe meines Lebens erinnern, aber die mündliche Abitur-Prüfung in Deutsch habe ich vollkommen vergessen (verdrängt?). Die mehr als ein Jahr vorher absolvierte Führerscheinprüfung dagegen läuft noch heute wie ein Film in meinem Kopf ab. Die ganze Fahrprüfungsstrecke mit allen Manövern und entsprechenden Anweisungen und Kommentaren des Prüfers ist lückenlos in meinem Gedächtnis.

Es ist schon merkwürdig, wie unser Gehirn funktioniert ...

Doch nun zurück zur Zeichensetzung:

Hier hat die Rechtschreibreform ordentlich aufgeräumt. Das Problem ist allerdings, dass die meisten Menschen das vollkommen missverstanden haben.

Diese Menschen glauben offenbar, durch die Rechtschreibreform sei nun das oben erwähnte Sieb offiziell legalisiert worden. Und so sind viele Texte - ganz besonders im Internet, also auf Webseiten, in Newslettern, in E-Mails - übersät mit Kommas, die den Lesefluss hemmen, vielfach den Sinn des Textes entstellen und sich anfühlen wie Sand zwischen den Zähnen.

Ich möchte noch einmal das Bild aus einer früheren Lektion bemühen:

So, wie ich Rechtschreibfehler mit Schlaglöchern im Asphalt verglichen habe, sind für mich die vielen überflüssigen Kommas wie jene erhabenen Querfugen, die man beim Fahren mit einem lauten "d-dong!!!" wahrnimmt und zuweilen auch deutlich spürt. 

 

Ja - lachen Sie nicht! Ein Rechtschreibfehler ist normalerweise gut zu erkennen, aber ein falsch platziertes Komma ergibt im Extremfall einen vollkommen anderen Sinn. Und das fällt - wenn überhaupt - erst dann auf, wenn der Kontext nicht richtig zu der verdächtigen Aussage passen will. Darauf muss man erst einmal kommen!

 

Wenn Verträge solche Kommafehler enthalten, können daraus erhebliche wirtschaftliche Schäden erwachsen.

 

Aber nach der jüngsten Rechtschreibreform ist jetzt alles ganz einfach.

Es gibt nur noch zwei Situationen, in denen ein Komma oder deren mehrere erforderlich sind:

1. Die Aufzählung.
Werden mehrere Begriffe oder Ausdrücke, die als gleichwertig anzusehen sind, hintereinander aufgezählt, so sind sie jeweils durch ein Komma voneinander zu trennen. Zwischen dem letzten und dem vorletzten Ausdruck kann das Komma durch ein verbindendes Wort (z.B. "und") ersetzt werden.

2. Der Nebensatz.
Ein Nebensatz, der einen im Hauptsatz genannten Begriff oder Sachverhalt näher beschreibt, erläutert oder begründet, wird vom Hauptsatz mit einem Komma getrennt oder, falls der Hauptsatz anschließend fortgesetzt wird, in ein Komma-Paar eingeschlossen.

In der zweiten Regel wurden beide Regeln übrigens entsprechend angewendet.

Wenn Sie sich diese beiden Regeln merken und sonst möglichst keine Kommas mehr verwenden, können Sie nicht mehr viel verkehrt machen.

Tatsächlich ist das Setzen von Kommas in allen Situationen, in denen die beiden Regeln nicht greifen, dem Ermessen des Autors überlassen. Strenge Vorschriften wie z.B. "Vor 'und' steht ein Komma, wenn ein vollständiger Hauptsatz folgt" gelten nicht mehr. Als einzige strenge Vorschrift kann die Anweisung gesehen werden, ein Komma nur im äußersten Notfall zu verwenden, wenn es zum Verständnis der Aussage bzw. des Satzes dringend erforderlich ist.

Legen Sie das sprichwörtliche Sieb also endgültig beiseite und setzen Sie im Zweifelsfall kein Komma, nachdem Sie sichergestellt haben, dass keine der beiden obigen Regeln greift.

 

In Kurzform zusammengefasst:

Kein Komma ist besser als ein Komma, außer bei Aufzählungen und Nebensätzen.

 

Hier noch ein Trick, um Kommas zu überprüfen:
Lesen Sie den Satz laut vor und machen Sie bei jedem Komma eine deutliche Pause. Dann hören Sie sofort, ob ein Komma richtig gesetzt wurde oder nicht.

 

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
7. Die Verwendung von "Worten" und "Wörtern" üben.  

 Newsletter 52

 

Punkt - Punkt - Komma - Strich ...

... fertig ist das Mondgesicht.

diesen Kinderreim sollte wohl jeder von uns kennen. Als Kinder haben wir zu diesem Spruch mit einem Zeichenstift in der Hand unser erstes menschliches Antlitz zu Papier gebracht.

Den pädagogischen Wert dieser kleinen Übung kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Viele Begabungen werden damit gleichzeitig auf spielerische Weise gefördert: 

  • Die Motorik unserer Schreibhand,
  • das Gefühl für Sprachrhythmus,
  • die Fähigkeit zu zeichnen,
  • die Koordination von Sprechen und Bewegen,
  • die Fantasie
  • und vieles mehr.

Das entstandene "Mondgesicht" ist Urvater des Smiley und hat im Laufe seiner Evolution Eingang in unser modernes Informationszeitalter gefunden in Gestalt der so genannten "Emoticons", die Ihnen sicher aus der Kommunikation im Internet bekannt sind - z.B. von Skype.

Schon in den Anfängen der E-Mail-Kommunikation - möglicherweise sogar schon früher - war es üblich, Freude oder Ärger mit Tastatur-Zeichen zu übermitteln - gedreht um 90 Grad, aber für Alle verständlich: Freude mit :-) und Ärger mit :-( .

 

Wir sind mittendrin.

Im Thema "Interpunktion" (Zeichensetzung).

Erinnern Sie sich an die Bausteine unserer Sprache? Buchstaben - Wörter - Sätze. In diesen "Baustoffen" spielen die Satzzeichen eine sehr wichtige Rolle. Bleiben wir beim Bild vom Baumaterial: Stahlträger einer Brückenkonstruktion oder des Eiffelturms werden durch Schrauben zusammengehalten. Mauersteine werden verbunden mit Mörtel. Es wird geschraubt, genietet, geschweißt, geklebt. Die entstehenden Verbindungen sind elastisch oder fest, chemisch oder mechanisch, dicht oder durchlässig - und sie geben damit dem Bauwerk genau diejenige Gestalt und Struktur, durch welche es seinen Zweck optimal erfüllen kann.

Klebstoff, Schrauben, Nieten, Klammern, Federn, Ösen usw. für die Sätze in einem Text sind die Satzzeichen. Erst durch die Satzzeichen erhält ein Text seine Struktur und damit seinen Sinn bzw. seine Aussage. So wird eine Feststellung mit einem Punkt (.) beendet und eine Frage mit einem Fragezeichen (?).

Wenn Sie einen Computer besitzen (was für eine unsinnige Voraussetzung - wie sonst könnten Sie denn diesen Text lesen?), machen Sie einmal das Experiment, aus einem längeren Text mittels Suchen/Ersetzen alle Satzzeichen zu entfernen. Drucken Sie diesen Text dann aus und lassen Sie eine andere Person den Versuch machen, diesen Text laut vorzulesen. Am besten wandeln Sie noch alle großen Anfangsbuchstaben eines Satzes in Kleinbuchstaben um - nur an den Stellen, die eine Kleinschreibung zulassen, versteht sich. Das ist zwar ziemlich aufwändig, verstärkt aber den Aha-Effekt erheblich bei der Erkenntnis, wie wichtig Satzzeichen sind. 

Dabei können Sie auch erkennen, wie wichtig es ist, dass die Zeichen an der richtigen Stelle sitzen.

 

Gestern haben Sie erfahren, dass die Rechtschreibreform bei der Zeichensetzung aufgeräumt hat. Gleichzeitig wurden darüber hinaus noch einige "Notausgänge" geschaffen. Einen davon zeige ich Ihnen jetzt:

Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie ein Komma setzen müssen, verwenden Sie den Gedankenstrich (das Minuszeichen), eingeschlossen in eine vorangehende und eine nachfolgende Leerstelle. Gehen Sie aber sparsam damit um! Sonst erkennt man schnell, dass das eine Verlegenheitslösung ist.

Damit ziehen Sie sich geschickt "aus der Affäre" und verleihen Ihrem Text gleichzeitig ein wertvolles Aussehen.

Die Rechtschreibreform hat den Gedankenstrich erheblich aufgewertet. Er existierte zwar schon vorher, war aber wie das Komma strengen Regeln unterworfen. Das ist zum Glück Geschichte.

 

Dieses Kapitel möchte ich noch einmal zum Anlass nehmen, darauf hinzuweisen, nach welchem Prinzip dieser SprachKompetenz-Newsletter arbeitet. Ich möchte Ihnen keinesfalls die Regeln aus einschlägigen Lehrbüchern und Nachschlagewerken in umformuliertem Text wiedergeben, denn Sie könnten dieselben besser im Original selbst nachlesen.

Mein Ziel ist es, Sie in die Lage zu versetzen, mit bestimmten Merksätzen weitestgehend unabhängig zu werden von Duden & Co. Die Herausforderungen beim täglichen Umgang mit unserer Schriftsprache (und mit den gesprochenen Worten!) setzen keine höhere Schulbildung oder gar ein Germanistikstudium voraus, sondern sie sollten mit solidem Grundwissen effizient gemeistert werden können.

Ohnehin haben wir im bisherigen Verlauf des SKN vieles behandelt, das Sie in keinem einzigen Lehrbuch oder Nachschlagewerk finden - auch nicht im Internet und schon gar nicht an der germanistischen Fakultät einer beliebigen Uni, zu der Sie vermutlich nur in Ausnahmefällen Zugang haben.

Die Behandlung ebendieser Themen macht den eigentlichen Wert dieses SKN aus. Wenn Sie ein Gerät kaufen, erhalten Sie eine ausführliche Bedienungsanleitung und eine Kurzanleitung zur schnellen Inbetriebnahme. Wie gehen Sie vor?

Sie lesen die Kurzanleitung und können Minuten später einen Latte Macchiato zubereiten, Ihre Fotos ausdrucken, die nächste Fernsehsendung aufnehmen, auf dem Navigationsgerät ein Ziel eingeben oder - oder - oder. Erst wenn Sie den Kaffee-Automaten entkalken, die Farbpatronen wechseln, die Sendertabelle sortieren oder die Strecke ohne Autobahn berechnen und überdies ein Zwischenziel eingeben wollen, studieren Sie die ausführliche Bedienungsanleitung.

Genau so funktioniert dieser SprachKompetenz-Newsletter. Der SKN ist die effiziente Kurzanleitung, die gleichzeitig an entsprechenden Stellen auf die ausführliche Bedienungsanleitung verweist, welche nicht zum Lieferumfang gehört, da Duden & Co. diesen Markt bereits ausreichend versorgen.

Besonders mit den nirgendwo anders zu findenden Themen (z.B. bevor/solange, Alternative/Möglichkeit) halten Sie mit dem SKN ein wirksames Instrument zur Verbesserung Ihrer Sprachkompetenz in der Hand.

Nicht mehr und nicht weniger!

 

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
7. Die Verwendung von "Worten" und "Wörtern" üben.  

 Newsletter 53

 

Verbindung herstellen

nein, wir wollen nicht telefonieren.

Wir machen uns Gedanken.

Über den Strich.

Den Gedankenstrich.

Ohne Leerstellen.

 

Also über den Bindestrich!

 

Der Bindestrich ist eine Verbindung zwischen zwei Wörtern. Wieder einmal gibt es Anlass, sich über die Rechtschreibreform zu freuen:

Es ist in Ihr Ermessen gestellt, ob Sie zwei Wörter zusammenschreiben oder dieselben einfach nur mit einem Bindestrich verbinden. Sie entscheiden darüber, welche der beiden Formen Ihrer beabsichtigten Aussage am besten dient. Die neuen Regeln lassen Ihnen völlig freie Hand.

 

Hören Sie also endlich auf,
über die Rechtschreibreform zu schimpfen!

 

Der Bindestrich hat einen kleinen Bruder: Er heißt Trennstrich. Der Trennstrich verbindet die Silben eines Wortes, und zwar genau dann, wenn das Wort nicht mehr in die Zeile passt und in der nächsten Zeile fortgesetzt werden soll. Das Wort wird also getrennt, die Silben bleiben verbunden.

Auch die Silbentrennung wurde vereinfacht.

Generell kann man sagen: Es wird getrennt wie man spricht. Am deutlichsten wird dies bei der Buchstabenkombination "st".

Trenne nie "st" - denn es tut ihm weh!

So haben wir in der Grundschule gelernt.

Heute schreiben wir:
Es ist noch kein Meis-
ter vom Himmel gefallen.

Ich - als Angehöriger einer älteren Generation - muss mich an diesen Anblick erst noch gewöhnen, das gebe ich zu. Aber das Problem der Silbentrennung wurde weitgehend entschärft.

 

Zurück zum Bindestrich:

Es ist erst einige Tage her, dass ich Ihnen ein kleines Stück geprägten Blechs vorgestellt habe, das mit einem monströsen Wort beschrieben wird und dadurch seinen kompletten Hintergrund preisgibt.

Die Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmützenkokarde. Es sind nicht weniger als acht einzelne Wörter, die allesamt auch eigenständig existieren und aus denen dieses Mammut-Wort zusammengesetzt ist. Donau, Dampf, Schiff, Fahrt, Gesellschaft, Kapitän, Mütze und Kokarde.

Zur besseren Lesbarkeit könnte das Wort auch folgendermaßen geschrieben werden:

Donau-Dampf-Schiff-Fahrt-Gesellschaft-Kapitän-Mütze-Kokarde.

Die real existierende Gesellschaft hieß abgekürzt übrigens DDSG, demnach schreibt man heute sinnvollerweise:

Donau-Dampf-Schifffahrt-Gesellschaft.

Noch übersichtlicher wäre:

Donau-Dampfschifffahrt-Gesellschaft.

Aber das ist alles nur Theorie. In der Praxis hat dieses Unternehmen längst umfirmiert. Mit Rücksicht auf die Tatsache, dass keine Dampfschiffe mehr betrieben werden, nennt es sich jetzt

DDSG Blue Danube GmbH - in Anlehnung an den Walzer "An der schönen blauen Donau" des Wiener Walzerkönigs Johann Strauss Sohn und dem Trend folgend, Firmennamen durch Verwenden der englischen Sprache einen internationalen Touch zu geben. Aber die Abkürzung DDSG blieb immerhin als Markenzeichen erhalten. Geben Sie bei Google DDSG ein, dann erfahren Sie Näheres.

 

Bei allen Betrachtungen über den Namen dieses Verkehrsunternehmens ist Ihnen möglicherweise noch etwas anderes aufgefallen. Damit werden wir uns aber erst morgen beschäftigen. 

Heute halten wir als Ergebnis fest: Wörter können beliebig zusammengesetzt werden, indem sie zusammengeschrieben oder in ihrer ursprünglichen Form nur durch einen Bindestrich verbunden werden. Bei mehreren zu einem neuen Begriff zusammengesetzten Wörten ergibt sich daraus der Vorteil, dass man durch Anwenden beider Methoden in dem neuen Begriff deutlich machen kann, wo der jeweilige Schwerpunkt sitzt.

Beispiel:

Donau-Dampfschifffahrt oder Elbe-Dampfschifffahrt (Wien oder Dresden). In jedem Fall sind es (historische) Dampfschiffe; der hier wichtige Unterschied liegt in der Angabe des Flusses. Das wird durch Absetzen des Flussnamens durch einen Bindestrich besonders deutlich.

Bis morgen!

 

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
7. Die Verwendung von "Worten" und "Wörtern" üben.  

 Newsletter 54

 

Die Kunst der Fuge

bei diesem Begriff denken viele Musik-Kenner sofort an Johann Sebastian Bach, jenen Leipziger Thomas-Kantor, der im 17. und 18. Jahrhundert eine Fülle von geistlichen und weltlichen Kompositionen geschaffen hat und damit auch einen eigenen unverwechselbaren Stil prägte. Eines seiner Werke nannte er "Die Kunst der Fuge".

Die Fuge ist eine bestimmte Kompositionsform. Sie steht für sich allein oder ist eingebunden in ein umfassendes Werk. Alle Komponisten haben sich mit dieser Form auseinandergesetzt und Fugen komponiert. 

Aber Musik ist nicht unser Thema. Daneben gibt es auch Handwerker eines bestimmten Gewerks im Baugewerbe, welche die Kunst der Fuge beherrschen müssen. Es sind die Maurer, die eine aus einzelnen Steinen zusammengesetzte Mauer - als letzten Schliff - verfugen. Spezieller Fugenmörtel wird dazu in die sichtbaren Zwischenräume zwischen den Steinen gestrichen, so dass die Mauer ein gleichmäßiges Aussehen erhält. 

Natürlich gehört die Bezeichnung dieser durchaus anspruchsvollen Tätigkeit eines Maurers nicht zum Vokabular der Maurer-Ausbildung, vielmehr ist sie wortspielartig angelehnt an J. S. Bach. Aber mit diesen Worten kommt wenigstens ein kleiner künstlerischer Aspekt zum Ausdruck, der beispielsweise in der Wahl der richtigen Fugenfarbe - passend zu den Steinen - von Bedeutung ist.

Liebe Fliesenleger, ich habe Euch nicht vergessen. Ihr beherrscht die Kunst der Fuge ebenfalls perfekt! Das stelle ich immer wieder mit Begeisterung fest.

 

Jedoch:

Weder die Musik noch das Handwerk soll uns heute interessieren. Wir richten unser Augenmerk auf eine dritte Zunft - auf die Autoren. Jeder, der Texte verfasst (oder spricht!), sollte die Kunst der Fuge beherrschen.

Was ist damit gemeint?

Begeben wir uns wieder nach Wien in die KuK-Monarchie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Unsere gute alte DDSG aus den letzten Tagen dient uns hier zum letzten Mal als Beispiel für ein Prinzip, um das es heute geht.

Ich hatte gedacht, dass ich drum herum komme, aber einmal muss es noch sein. Ich muss das Wort doch noch ein letztes Mal schreiben:

Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmützenkokarde.

Warum?

Sie können es sofort sehen, denn ich habe die Stellen fett hervorgehoben. Auch wenn es nicht immer wieder derselbe Buchstabe ist, sprechen wir hier vom Fugen-S. Der letzte Zwischenraum ist mit einem Fugen-N ausgefüllt. Nur der Vollständigkeit halber: Es gibt auch andere Buchstaben oder Buchstabengruppen, die als "Fugenmörtel" zwischen zwei Wörter eingefügt werden. Die Regeln hierfür sind nicht eindeutig. Als grobe Orientierung für das Einfügen des Fugen-S mag folgende Überlegung dienen:

Endet der Genitiv des ersten Wortes in der Zusammensetzung mit einem s, so wird dieses zum Fugen-S, außer das zweite Wort beginnt mit S.

Beispiel:
Einkommensteuer - aber: Einkommensbesteuerung

Endet der Genitiv des ersten Wortes in der Zusammensetzung mit einem e, so wird der letzte Buchstabe des Genitiv Plural zum Fugen-Buchstaben.

Beispiele:
Steppe und Wolf: Steppenwolf. Wanne und Bad: Wannenbad. Mütze und Kokarde: Mützenkokarde

 

Bestehen erhebliche Zweifel, ob ein Fugen-S oder Fugen-N einzufügen ist, gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Sie schlagen nach bei Duden oder Wahrig o.ä. - das kostet die meiste Zeit.
     
  2. Sie verzichten vollständig auf den "Fugenmörtel" - das sieht nicht sofort fehlerhaft aus und wird, wenn überhaupt, nur von Germanistik-Spezialisten (oder notorischen Besserwissern) bemerkt.
     
  3. Sie verwenden den Bindestrich. Das ist am einfachsten. Aber es sollte nicht zu oft passieren.

Mit dieser Empfehlung dürften Sie in der Lage sein, dieses wirklich nicht einfache Kapitel für sich abzuhaken. 

Wie gesagt, wir machen keinen Deutschunterricht, sondern suchen nach effizienten Lösungen zur fehlerfreien Textproduktion mit geringstmöglichem Aufwand.

Bis morgen!

Herzlichst

Ihr Hans-Werner Leopold

P.S.: in einem von mir geschriebenen Computerprogramm werden Abschlagsrechnungen erstellt. Diese hatte ich fast zehn Jahre lang mit dem Wort "Abschlagrechnung" überschrieben. Dann stellte sich ein Kunde quer und verlangte das Einfügen eines Fugen-S. Er hatte, nebenbei bemerkt, die Möglichkeit, das Formular selbst zu ändern. Dennoch musste ich das besorgen.

Leute gibt's ...

Ich habe das zum Anlass genommen, dieses Thema in den SKN aufzunehmen.

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
7. Die Verwendung von "Worten" und "Wörtern" üben.  

 Newsletter 55

 

Ausgelassen

keine Sorge!

Wie Sie sehen, wird dieser Newsletter keineswegs ausgelassen.

Auch sollen mit der Überschrift nicht etwa überschäumende Freude und Begeisterung zum Ausdruck kommen.

Nein - ganz anders:

Gestern war das Einfügen einzelner Buchstaben das generelle Thema, heute dagegen befassen wir uns mit dem Weglassen einzelner Buchstaben - wir lassen sie also aus.

Thomas hat ein neues Fahrrad. Wessen Fahrrad ist es nun?

Es ist Thomas' Fahrrad. Nicht Thomass Fahrrad. Wolfgang beneidet ihn darum, denn Wolfgangs Fahrrad ist ziemlich alt.

Die Regel ist klar: Endet ein Name auf s, ss, ß, tz, z oder ce (z.B. Alice), so wird das zusätzlich notwendige s für den Genitiv ausgelassen und durch ein Auslassungszeichen (einen Apostroph) ersetzt. Das gilt aber nur dann, wenn der Name ohne Artikel verwendet wird. So heißt es in der Bibel: Das Evangelium des Matthäus - ohne Apostroph. Für die anderen Evangelisten gilt dasselbe: Markus, Lukas und Johannes. J. S. Bach hat also seine berühmte Matthäus-Passion nach Matthäus' Evangelium komponiert.

 

Alle anderen Auslassungen sind freiwillig:

Wie war's? Hat's geklappt? Kommen S' gern vorbei, wann's Ihnen passt!

Wann und wie Sie einen Apostroph einsetzen, wissen Sie jetzt. Es gibt weitere Möglichkeiten des Auslassens von Buchstaben, Buchstabengruppen oder ganzen Textteilen. Am besten wird unsere Schreib- und Lesefaulheit unterstützt durch die eben gerade angewendete Technik des Ergänzungsstrichs. Diese Technik wird häufig verwendet. Sie ist elegant und beschleunigt erheblich den Lesefluss ohne Verständnisverlust.

Aber gerade bei dieser Technik werden häufig Fehler gemacht
(z.B. Schreib und -Lesefluss
oder Schreib und Lese-fluss
- achten Sie mal drauf, wenn Sie irgendetwas lesen).
Dabei ist es ganz einfach: Ersetzen Sie den weggelassenen Wortbestandteil durch einen Strich. Buchstabengenau!

Eine dritte wichtige Methode der Auslassung sind die drei Punkte innerhalb eines Zitats.  

Zitate kommen oft sehr "ausgelassen" daher: In wissenschaftlichen Texten, in denen der Autor Bezug nimmt auf einen anderen Text, muss dieser Autor darauf achten, den fremden Text korrekt wiederzugeben. Dort steht oft eine Menge Inhalt, der für das Zitat nicht von Belang ist, aber unglücklicherweise in die zu zitierende Aussage eingebettet wurde. Dieser für das Verständnis nicht wichtige Teil des Textes kann dann ausgelassen werden, indem statt seiner nur drei Punkte gesetzt werden.

Ein Beispiel finden Sie übrigens im Newsletter 29 am Schluss. Dort habe ich diese Technik verwendet, um Ihnen eine falsche Formulierung zu zeigen. Da es sich um ein Zitat handelte, musste ich den Text vollständig wiedergeben und habe am Anfang und am Schluss mit jeweils drei Punkten die Teile des Textes ausgelassen, die für das Verständnis meiner Aussage nicht wichtig waren.

 

Der Umgang mit fremden Texten ist eine hochsensible Angelegenheit. Seit der Plagiatsaffäre des ehemaligen Verteidigungsministers werden immer wieder neue Fälle bekannt, bei denen Personen in herausragender Position (bislang in der Politik) entsprechendes Fehlverhalten in deren Doktorarbeiten vorzuwerfen ist. Nicht nur die betroffenen Kandidaten, sondern auch deren wissenschaftliche Betreuer sowie die Universitäten selbst geraten dabei in Misskredit.

Die "Dunkelziffer" dieser Plagiate dürfte erschreckend hoch sein.

 

Geklaut wurde schon immer. Menschen sind latent kriminell (latent: lat. = verborgen, versteckt). Das liegt in unserer Natur. Die Kunst des Aufbaus und der Pflege einer menschlichen Gesellschaft besteht darin, wirksame Mechanismen zu schaffen, die den Ausbruch unserer Kriminalität verhindern. Ich beschränke mich hier auf das Delikt "Diebstahl geistigen Eigentums".

Bei diesem Prozess erleiden wir permanent Rückschläge. Der größte Rückschlag in der Geschichte ereilte uns durch die Entwicklung und Ausbreitung des Internet.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Das Internet selbst ist weder gut noch böse. Aber wie in vielen anderen Bereichen des Lebens verläuft die Entwicklung so, dass Bösewichte die ersten Nutzer einer neuen Technologie sind und dass erst danach Vorkehrungen getroffen werden, jenen Bösewichten das Handwerk zu legen.

Die informationstechnischen Möglichkeiten des Internet sind so groß, dass schreibfaule Doktoranden aus Bequemlichkeit und aus Mangel an moralischer Integrität aufgrund der uns allen innewohnenden latenten Kriminalität diese Möglichkeiten nutzen und - siehe Guttenberg - ihre Doktorarbeit überwiegend kopieren statt selbst verfassen.

Erst jetzt bzw. allmählich kommen endlich auch die Bewohner der Elfenbeintürme - also die Doktorväter (und -mütter) an den Universitäten - darauf, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und Doktorarbeiten zuallererst einem Plagiatstest zu unterziehen.

Allgemeinbildende Schulen sind da schon weiter. Dort lernen die Schüler bereits seit geraumer Zeit, dass es sich nicht auszahlt, auch noch so kleine Hausarbeiten "zusammenzukopieren".

"Wehret den Anfängen!" warnten schon die alten Römer.

 

Trotz aller ideologisch begründeten Schulreformen bei jedem Regierungswechsel und trotz des chronischen Lehrkräftemangels aufgrund der extrem kurzsichtigen Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte schaffen es die Schulen, den Schülern doch eine vernünftige Sprachkompetenz zu vermitteln. Der Erfolg hängt allerdings vom Verhalten jedes Einzelnen ab.

Kenntnis der Regeln ist notwendig, aber nicht hinreichend für eine hohe Sprachkompetenz. Von Ausnahmen abgesehen versuche ich gar nicht erst, Ihnen ein komplettes Regelwerk zu vermitteln. Regeln können Sie notfalls selbst nachschlagen.

Ich möchte Sie vor allen Dingen sensibilisieren für den verantwortungsvollen Umgang mit der Sprache. Irgendwo sind nämlich auch Sie ein Vorbild - für Ihre eigenen Kinder ebenso wie für Ihnen anvertraute Menschen, die Sie zu führen oder anzuleiten haben.

Erziehung und Bildung funktionieren nur mit Vorbildern. Suchen Sie sich die richtigen Vorbilder und übernehmen Sie Verantwortung als Vorbild für Andere.

Auch und vor allem mit Ihrer Sprache!

Unsere Gesellschaft braucht Sie!

 

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
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7. Die Verwendung von "Worten" und "Wörtern" üben.  
Newsletter 56

 Newsletter 56

 

Medien

ich hatte es Ihnen in einer sehr frühen Lektion schon angekündigt: Wir müssen uns unbedingt mit den Medien beschäftigen.

Medien sind alle Einrichtungen, von denen Sie mit Informationen versorgt werden oder die Ihnen zur Unterhaltung dienen. Da sind zunächst einmal Bücher. Sie lesen doch hoffentlich immer noch fleißig? Dann folgen die Zeitschriften und die Zeitungen. Diese Medien werden zusammenfassend als Printmedien bezeichnet (print = alles, was gedruckt ist).

Lange Zeit waren Printmedien die einzige Informationsquelle, abgesehen vom gesprochenen Wort. Erst im vergangenen Jahrhundert entstanden weitere Medien: Radio, Schallplatten, Film, Fernsehen, CD, DVD, Internet usw.

Das Wissen der Menschheit konnte vor der Erfindung des Buchdrucks nur mittels handgeschriebener Dokumente von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dementsprechend klein war der Kreis derjenigen Menschen, die Zugang zu diesen Schriften hatten. Es waren Geistliche, deren im Laufe der Jahrhunderte gewachsene Bibliotheken in Kirchenarchiven und Klöstern das Wissen beherbergten. Sie wachten eifersüchtig darüber, dass dieses Wissen nicht in die "falschen Hände" gelangte.

Damals wie heute galt die Aussage: Wissen ist Macht.

Solange der Klerus über das Wissen herrschte, hatte er die Macht. So ist zu erklären, dass die Kirche, allen voran der Papst, einen erbitterten Kampf führte gegen Menschen, die wissenschaftliche Erkenntnisse hatten, welche nicht in das Weltbild der Kirche passten.

Die Geschichte Europas ist voll von Ereignissen, die diesen Machtkampf widerspiegeln. Das reicht von den Kreuzzügen über die Reformation bis in die Neuzeit, als erst in der zweiten Hälfte des vergangenen 20. Jahrhunderts der Vatikan die Lehren und Erkenntnisse von Galileo Galilei, Johannes Kepler und Isaac Newton offiziell anerkannte - zu einer Zeit, als der erdnahe Weltraum längst erforscht war.

 

In unserer abendländischen Kultur gehört der allgemeine Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den Errungenschaften unserer Zeit. Insbesondere durch die Flut von Druckerzeugnissen aller Art und durch das Internet können wir uns über alles informieren. Rundfunk und Fernsehen - oder wie es korrekt heißen muss: Ton- und Fernsehrundfunk - bieten uns alles, was zur Information, zur Unterhaltung und zur Zerstreuung nötig ist - allerdings mit einem fatalen Effekt:

Es bedarf in aller Regel nur noch eines Knopfdrucks (einer Taste auf der Fernbedienung), um uns die schöne oder grausame bunte Welt in die eigenen vier Wände zu holen.

Zwei sehr wichtige Dinge bleiben dabei auf der Strecke:

Erstens:
Die Lernfähigkeit. Wir werden faul und wissen bald nicht mehr, wie wir unsere Freizeit gestalten sollen. Alles wird "vorgekaut". Immer mehr gleiten wir in die virtuelle Welt und verlieren das Gefühl für das soziale Miteinander.

Zweitens:
Die Wahrheit. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen entpuppen sich die Informationen über die Medien als Meldungen, die falsch oder unvollständig sind und uns damit ein verkehrtes Bild der Realität vermitteln. Was noch viel schwerer wiegt in der Informationsübermittlung, ist die Wortwahl, mithilfe derer derselbe Tatbestand beim Empfänger ganz unterschiedliche Interpretationen auslöst.

 

Durch diesen Effekt entwickelt sich unsere Gesellschaft wieder zurück zu den überwunden geglaubten Strukturen des frühen Mittelalters, ohne dass wir etwas davon bemerken: Nur wenige Wissende, die im Besitz der wahren Informationen sind, sorgen in Zusammenarbeit mit einigen Mächtigen in Politik und (Medien-)Wirtschaft dafür, dass nur diejenigen Informationen uns erreichen, die uns nicht aufbegehren lassen gegen die Missstände in unserer Gesellschaft.

Es gehört zu den positiven Eigenschaften der Demokratie, dass diese Manipulation nur unvollkommen funktioniert. Dennoch nehmen wir Manipulation nur sehr eingeschränkt und oft erst viel zu spät wahr.

Wer im Besitz einer überdurchschnittlichen Sprachkompetenz ist - und damit sind wir wieder beim Thema, der ist viel besser und vor allem früher in der Lage, Entwicklungen zu erkennen und ihnen, falls nötig, wirksam entgegenzutreten. Ich erinnere hierzu an meine mehrfach geäußerte Feststellung:

Es fallen immer erst Worte, bevor Taten folgen.

 

Es gibt zum Glück in unserer Gesellschaft etliche Publikationsorgane (kritische Zeitungen, Fernsehmagazinsendungen), die immer wieder den Finger in die Wunden legen und dafür sorgen, dass wir uns nicht allzu weit entfernen von Wahrheit, Aufrichtigkeit, Anstand und Toleranz, jenen Tugenden, die wir uns alle bei unserem jeweiligen Gegenüber wünschen.

Leider werden diese Organe zu wenig und zu selten zur Kenntnis genommen. Sie erreichen keine große Auflage bzw. erhalten oft nicht die besten oder wenigstens zweitbesten Sendezeiten.

 

Langsam schließt sich der Kreis:

Wie stellen wir sicher, dass wir uns nicht auf lange Sicht wenigen machthungrigen und geldgierigen Menschen ausliefern?

Wir müssen dafür sorgen, dass wir, unsere Mitmenschen, unsere ausländischen Mitbürger und vor allem unsere Kinder eine Sprachkompetenz erlangen, die uns alle dazu befähigt, die Gesellschaft kritisch zu bewerten und durch eigenes Denken, Argumentieren und Handeln zu verbessern.

Die Elementarbausteine dazu sind:

  • Lesen statt Fernsehen.
  • Unterhalten statt Schmollen.
  • Vorbild sein statt Anordnen
  • Überzeugen statt Befehlen.
  • Argumentieren statt Schlagen.
  • Tolerieren statt Bekämpfen.
  • Fragen statt Hinnehmen.
  • usw.

 

Wir können es schaffen! 

 

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
7. Die Verwendung von "Worten" und "Wörtern" üben.  

 Newsletter 57

 

Beziehungskiste

für das, was ich Ihnen heute erzählen möchte, ist die Überschrift eigentlich falsch. Aber sie klingt besser - "macht mehr her", wie man so schön sagt.

Korrekt müsste es heißen:

Bezugskiste.

Noch genauer: Heute geht es um das Thema "Bezug".

Bevor wir damit beginnen, verweilen Sie gern noch ein paar Sekunden auf dem Wort Bezugskiste. Es ist zusammengesetzt aus den Wörtern "Bezug" und "Kiste", die mit dem sprachlichen Mörtel des Fugen-S zusammengehalten werden. Das zweite Wort "Kiste" steht wie in anderen Wortverbindungen für eine Sammlung von Gedanken, Ereignissen und Umständen. Sogar als eigenständiges Wort verwenden wir die Kiste, um damit alle Aspekte eines Themas mit einem einzigen zusammenfassenden Wort zu benennen.

Das ist umgangssprachlich und wird möglicherweise auch nur regional verwendet.

Genug - lassen wir diese Kiste...

 

Jetzt zum Thema:

Erst einmal ein Satz, in dem dieses Thema wichtig wird:

Die Politiker greifen in Gegenwart ihrer Wähler populäre Themen auf, damit sie nicht in Vergessenheit geraten, was bei ihnen oft geschieht, wenn sie nicht ständig nachhaken und sie immer wieder daran erinnern, dass sie außerordentlich wichtig und bei ihnen als Experten gut aufgehoben sind.

Verstanden?

 

Dann beantworten Sie mir bitte folgende Fragen:

  • Wer soll nicht in Vergessenheit geraten?
  • Bei wem geschieht das oft?
  • Wer muss ständig nachhaken?
  • Wer wird immer wieder daran erinnert, dass...?
  • Wer ist außerordentlich wichtig?
  • Wer sind die Experten?

 

Wenn Sie diese Fragen nicht sofort beantworten konnten, wovon ich ausgehe, dann liegt das daran, dass Sie nicht auf Anhieb wissen, wer oder was mit "sie" und "ihnen" gemeint ist - oder besser ausgedrückt: worauf sich "sie" und "ihnen" jeweils bezieht.

 

Jetzt formulieren wir den Satz um, indem wir die Wörter "sie" und "ihnen" durch andere Wörter ersetzen:

Die Politiker greifen in Gegenwart ihrer Wähler populäre Themen auf, damit diese nicht in Vergessenheit geraten, was bei jenen oft geschieht, wenn sie nicht ständig nachhaken und jene immer wieder daran erinnern, dass diese außerordentlich wichtig und bei ihnen als Experten gut aufgehoben sind.

Schon besser - weil verständlicher. Denn erst jetzt wird klar, dass

  • die Themen nicht in Vergessenheit geraten sollen,
  • das oft bei den Wählern geschieht,
  • die Politiker ständig nachhaken müssen,
  • die Wähler immer wieder daran erinnert werden müssen, dass ...,
  • die Themen außerordentlich wichtig sind und
  • die Politiker die Experten sind.

 

Woran liegt es, dass Sie den Satz in seiner zweiten Fassung besser verstehen?

Es ist von Politikern, Wählern und Themen die Rede, und zwar - und das ist ganz wichtig! - in genau dieser Reihenfolge. Alle daran angehängten Nebensätze beziehen sich auf jeweils unterschiedliche Wörter aus diesen drei Begriffen. Ein "sie" oder "ihnen" bezieht sich auf die Politiker, ein anderes auf die Wähler, ein weiteres auf die Themen. Weil diese Bezüge alle gleich lauten, wird nicht sofort ersichtlich, worauf sie jeweils verweisen.

Hier gibt es eine eindeutige Verabredung:

Auf den zuletzt genannten Begriff (Themen) wird mit "diese" verwiesen, auf den vorletzten Begriff (Wähler) mit "jene". Der Verweis auf den ersten Begriff bleibt bei "sie", weil es sich hierbei um das Subjekt (den Satzgegenstand) des Satzes handelt.

 

Aus Spaß verändern wir einmal die Reihenfolge im Haupsatz, lassen aber die Nebensätze unverändert:

Die Politiker greifen populäre Themen in Gegenwart ihrer Wähler auf, damit diese nicht in Vergessenheit geraten, was bei jenen oft geschieht, wenn sie nicht ständig nachhaken und jene immer wieder daran erinnern, dass diese außerordentlich wichtig und bei ihnen als Experten gut aufgehoben sind.

Hier schließt man sofort daraus, dass die Wähler nicht in Vergessenheit geraten - und die Themen werden daran erinnert, dass die Wähler außerordentlich wichtig sind ... da wird das Ganze absurd und stimmt vorn und hinten nicht. 

 

Keine Sorge - so komplizierte Sätze kommen im wirklichen Leben kaum vor. Aber eines wird immerhin deutlich:

"Dieses" ist gefühlsmäßig (im Sinne des Sprachgefühls) näher dran als "jenes". Spüren Sie das auch? 

Damit weiß man sofort, dass "diese" sich auf das nächstgelegene Wort bezieht, also auf das zuletzt genannte, und "jenes" auf das davor genannte, also weiter entfernt stehende Wort. 

 

Sehr oft fallen Sätze wie:

Der Mann rollt den Stuhl seines Kollegen beiseite, damit er nicht dauernd im Weg steht ...

Wer? Der Stuhl oder der Kollege? 

Wenn der Stuhl gemeint ist, ist es "jener" statt "er", wenn der Kollege gemeint ist, ist es "dieser" statt "er".

 

Obwohl man im Rundfunk sehr oft Sätze hört, bei denen der Bezug nicht klar ist, fällt es ziemlich schwer, treffende Beispielsätze zu finden. Auch hier "schreibt das Leben die besten Romane". Halten Sie die Ohren offen, wenn Journalisten über irgendetwas berichten. Ich tu es auch. Und ich werde hier noch Beispiele anfügen, wenn ich es schaffe, diese sofort aufzuschreiben.

Gleich im Anschluss an diesen Text. Versprochen. Wenn jetzt keine Beispiele folgen, hatte ich noch keine Gelegenheit, ein solches einzufangen.

 

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold


P.S.: Es hat lange gedauert. Aber heute, am 2. Oktober 2014, ist es mir gelungen, eine Radio-Meldung von NDR Info aus den 19 Uhr - Nachrichten wörtlich festzuhalten. Dort hieß es zum Thema Misshandlung von Flüchtlingen auch in Hamburg: "Der Sicherheitsmann misshandelte einen Flüchtling so stark, dass seine Jacke zerriss."

Wessen Jacke? - Die des Sicherheitsmannes oder die des Flüchtlings? 

Gemeint war sicher: "Der Sicherheitsmann misshandelte einen Flüchtling so stark, dass dessen Jacke zerriss." 


Aber es gibt noch deutlichere missverständliche Beispiele! 

 

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
7. Die Verwendung von "Worten" und "Wörtern" üben.  

 Newsletter 58

 

Begabung

der SprachKompetenz-Newsletter nähert sich seinem Ende. Heute ist der drittletzte Tag. Vielleicht machen Sie sich schon Sorgen darüber, dass ein bestimmtes Thema unserer Sprache noch nicht behandelt wurde, und fragen sich möglicherweise, wann das denn noch geschehen könne ...

Ja, ganz recht - soeben habe ich etwas bewusst angewendet, das Sie vielleicht bisher vermissen:

Wo bleibt das Thema "Konjunktiv (Möglichkeitsform)"?

Zu Beginn dieses Newsletter-Seminars habe ich Ihnen ausführlich meine Motivation für dieses Seminar erläutert. Dabei habe ich auch erwähnt, dass ich kein Germanist und kein Pädagoge bin. Trotzdem halte ich mich für fähig, vielen Menschen zu einer hohen Sprachkompetenz zu verhelfen. Dies habe ich seinerzeit ausführlich begründet.

Beim Thema Konjunktiv stoße ich allerdings an meine Grenzen. Nicht meine Fähigkeit, diese grammatische Form richtig zu verwenden, ist begrenzt, wohl aber, Anderen dieses Thema didaktisch einwandfrei zu vermitteln. Das kann ein Deutschlehrer besser.

Ich hatte schon genug damit zu tun, das "bevor-solange-Problem" verständlich zu erklären. Es hat sehr lange gedauert, bis ich selbst herausgefunden hatte, wie man das formal begreifen kann, was ich selbst intuitiv schon immer richtig gemacht hatte. Das Thema "Konjunktiv" ist für mich ungleich komplizierter zu erklären. Ganz sicher könnte ich eines Tages auch dieses Thema verständlich vermitteln, wenn ich die Zeit hätte, das zu lernen. Aber die Zeit habe ich nicht, und für meine eigene Sprachkompetenz brauche ich sie auch nicht, denn ich beherrsche dieses Thema in ausreichendem Umfang für meine eigenen Belange. Wie ich das gelernt habe, kann ich heute nur noch vermuten: Grundstein war sicher der Deutschunterricht in der Schule, parallel dazu hatte ich ein gebildetes Elternhaus. Später hatte ich überwiegend Umgang mit akademisch gebildeten Menschen, und seit mehr als 40 Jahren bin ich mit einer Deutschlehrerin verheiratet.

Ich besitze also, was man im Sport als "Heimvorteil" bezeichnet.

Aber einen ganz wichtigen Punkt - nach meiner Einschätzung den wichtigsten Punkt überhaupt - habe ich noch nicht erwähnt: Begabung.

Begabung ist kein Verdienst, sondern eine biologische Tatsache. "Gebildet" ausgedrückt: Begabung ist eine Disposition. Begabung wird vererbt oder entsteht durch eine Mutation (Fachausdruck für genetische Veränderung). Begabung wirkt sich auch erst dann aus, wenn sie gefordert oder gefördert wird - oder beides.

Zwischen gefordert und gefördert besteht ein großer Unterschied:

Am Beispiel der Musikalität (eine spezielle Begabung) lässt sich dieser Unterschied leicht erklären. Ein musikalischer Mensch erkennt an der Tonhöhe und Obertonzusammensetzung eines Geräusches viel eher eine herannahende Gefahr als ein unmusikalischer Mensch. Im Extremfall (Auto oder Raubtier) kann also diese Begabung gefordert sein, um zu überleben. Wer unmusikalisch ist, wird überfahren oder gefressen...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ach - könnten Sie mal bitte eben mit anfassen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir müssen die Kirche wieder ins Dorf zurücktragen ...

 

 

 

 

 

 

ZUUUU -

 

 

 

 

GLEICH !!!

 

 

 

 

 

 

Vielen Dank.

Sehr nett von Ihnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Machen wir weiter:  

Musikalität muss, nachdem sie entdeckt wurde, gefördert werden, wenn der musikalische Mensch ein Instrument spielen möchte. Von allein kann man allenfalls vielleicht "richtig" singen, aber sehr bald ist auch dort Gesangsunterricht vonnöten, also Förderung.

 

Es gibt so viele Begabungen, wie es Menschen gibt. Eine weitere spezielle Begabung ist das Sprachgefühl. Wer diese Begabung besitzt, lernt leicht Fremdsprachen, schreibt gute Texte, besitzt einen großen Vorsprung vor Anderen beim Erwerb einer hohen Sprachkompetenz. Eine dritte wichtige Begabung ist die mathematisch-naturwissenschaftliche Begabung, eng verwandt mit logischem Denken.

Für diese drei Begabungen nenne ich einige herausragende Persönlichkeiten:

Musikalität:
Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart.

Naturwissenschaft:
Albert Einstein und Stephen Hawking.

Sprachgefühl:
Eine Mitarbeiterin einer Bootsvermietung in Südfrankreich, die sieben (!) europäische Sprachen fließend sprechen konnte - und nach eigenem Bekunden noch einige weitere, nicht ganz so fließend.

 

Begabungen helfen beim Lernen. Lernen ist das Handwerk, das aus einer Begabung eine Fähigkeit entstehen lässt. Dieser Aspekt ist extrem wichtig für die Berufswahl. Es gibt viele musikalische Menschen, aber nur wenige Musiker. Viele Menschen besitzen mehr oder weniger Sprachgefühl, aber nur wenige werden Dolmetscher. Auch die mathematisch-logisch-naturwissenschaftliche Begabung ist entgegen allgemeiner Meinung sehr verbreitet. Aber nur wenige (insbesondere wenige weibliche) Menschen trauen sich, allen Vorurteilen zum Trotz diese Begabung wirklich zu nutzen. 

Ein individueller Mix aus diesen und vielen weiteren Begabungen ist bei allen Menschen vorhanden. Seine eigenen Begabungen zu entdecken ist ein spannendes Abenteuer und führt oft zu überraschenden Ergebnissen.

Und jetzt komme ich wieder zurück auf den Konjunktiv: Mir macht er keine Schwierigkeiten. Vielleicht geht es Ihnen sogar genauso. Sie wissen es nur noch nicht. In den vergangenen 57 Tagen haben wir uns mit vielen Themen unserer Sprache beschäftigt. Für viele Begabungen war etwas dabei. Verstehen Sie dies bitte als Anregung, nach Ihren eigenen Begabungen zu suchen. Wenn Sie den Konjunktiv nicht perfekt beherrschen, dann gehen Sie damit einfach genauso um wie mit der "Alternative". Sollte Ihr angeborenes Sprachgefühl vorerst nicht ausreichen, den Konjunktiv fehlerfrei zu verwenden, haben Sie, insbesondere nach der Lektüre eines oder mehrerer Bücher, etliche Möglichkeiten, anders zu formulieren.

Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass Sie gerade durch die Lektüre einiger guter Bücher eben doch in die Lage kommen, den Konjunktiv richtig einzusetzen. Lassen Sie es einfach geschehen.

Und wenn nicht: Im täglichen Leben fällt das niemandem auf.

Was auffällt, haben wir eingehend behandelt. Der SKN ist kein Ersatz für zehn Jahre Schule. Aber er ist ein Hobel für das grobe Holz einer verkommenen Sprachkompetenz. Er enthält auch etwas Schleifpapier für die feinere Behandlung der Oberfläche. Den Konjunktiv jedoch finden Sie erst in der Politur.

Ich überlasse es ganz bewusst Ihnen, wie weit Sie gehen möchten bei der Veredelung Ihrer Sprachkompetenz.

 

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
7. Die Verwendung von "Worten" und "Wörtern" üben.  
Newsletter 59

 Newsletter 59

 

Ziel erreicht?

heute ist der letzte Tag mit Fachinformationen. Morgen werde ich mich von Ihnen verabschieden. Gleichzeitig werde ich Ihnen aber noch einige Tipps mit auf den Weg geben.

 

Ich möchte heute das, was wir gelernt haben, zusammenfassen, damit Sie eine Art Checkliste erhalten, um nicht immer wieder aufwändige Nachschlage-Aktionen starten zu müssen.

Bevor ich diese Checkliste nun liefere, gestatten Sie mir noch ein paar generelle persönliche Bemerkungen:

Bei der Arbeit an diesem Newsletter-Seminar, das ich anspruchsvoll "SprachKompetenz-Newsletter" genannt habe, habe ich bestimmt genauso viel dazugelernt, wie Sie im Verlauf dieses Seminars. Allerdings waren die Inhalte unterschiedlich. So waren die Dinge, die Sie gelernt haben, bei mir natürlich schon vorhanden, sonst hätte ich niemals dieses Seminar erstellen können.


Aber ich habe in anderen Aspekten viel gelernt. Ich habe zum Beispiel gelernt, wie man Texte schreibt. Gut – ich konnte das schon vorher – und sicherlich auch ganz gut, aber dieses Seminar stellt alles in den Schatten, was ich bisher an Schriftlichem produziert habe. Da ist insbesondere der Umfang zu nennen. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viel Text am Stück produziert, wie für diesen SKN. Schon gar nicht in so kurzer Zeit.

Das Gespür für die Aufnahmefähigkeit meiner Leser ist eine neue Erfahrung. Ebenso neu für mich ist die Methode, nach der ich vorgegangen bin. Bei allen vorangegangenen Schreib-Projekten wusste ich in den einzelnen Phasen bzw. Kapiteln vorher, was ich schreiben wollte. Ich hatte schon vorher eine qualitative und eine quantitative Vorstellung vom Inhalt.


Vor Beginn der Produktion dieses Seminars hatte ich nur eine Handvoll Beispiele, die mich immer wieder störten, und ich hatte vereinzelt auch Probleme damit, schlüssige Erklärungen zu finden für das, was ich instinktiv richtig zu machen gewohnt war. Ich bin eben kein Germanist und schon gar kein Pädagoge. Vielleicht erinnern Sie sich an die Lektionen mit bevor und solange. Dort hatte ich schon ein paar Worte darüber verloren. 


Dieses Mal war alles anders. Ausgehend von den paar Besserwissereien, die ich im Kopf hatte, ahnte ich nur, dass noch viel mehr zu schreiben war, als ich bis dahin wusste.

Aber ich hatte den erklärten Willen, ein Produkt zu schaffen, mit dem ich Anderen sinnvoll helfen und dabei gleichzeitig Geld verdienen kann.

 

Dann besann ich mich auf meine Fähigkeiten, habe mir klar gemacht, dass ich einiges zu bieten habe und fing schließlich mit dem Schreiben an. Dabei geschah etwas, das ich zwar von Anderen mehrfach gehört und gelesen hatte, womit ich allerdings noch nicht über eigene Erfahrungen verfügte:

Nachdem ich die ersten Sätze niedergeschrieben hatte, kamen die nächsten plötzlich ganz von selbst. Wer das nicht einmal ausprobiert hat, kann kaum nachempfinden, was da in einem selbst vorgeht. Ich kann es jedem nur dringend empfehlen, diesen Prozess selbst zu durchleben. Es lohnt sich – in vielerlei Hinsicht!


Ein "Abfallprodukt" dieses Prozesses ist nebenbei entstanden:

Als Präsident eines örtlichen Lions-Clubs hatte ich mir vorgenommen, eine gute Idee meiner Amtsvorgängerin aufzugreifen bzw. fortzusetzen und auf unserer Weihnachtsfeier eine passende Geschichte auszuwählen und vorzulesen. Ich merkte sehr schnell, dass ich kaum Zeit hatte, eine solche zu finden, obwohl meine Frau, die über eine reichhaltige Bibliothek verfügt, mir jede erdenkliche Unterstützung gewährte. Schließlich packte ich alle Bücher beiseite und beschloss – ohne eine noch so vage Idee – selbst eine Geschichte zu schreiben. Vorgabe: Weihnachtliches Thema, in höchstens zehn Minuten zu lesen, in der Gegenwart handelnd und ein auf einem Wortspiel beruhendes Happy End als Pointe.

Die Stoppuhr lief.

Zu Beginn: Keine Idee.

Dann: Analyse meines persönlichen Umfeldes, Personen – Schicksale – Ereignisse – und plötzlich der Einfall, orientiert an zwei real existierenden Personen: Zwei Handlungsebenen – Gegenwart und Erinnerungen an die Schulzeit. Die Protagonisten: Eine junge Frau und ihre Jugendliebe, die plötzlich wieder auftaucht. Ein abgedroschenes Thema, etwas kitschig, aber mit entsprechenden sprachlichen Mitteln dennoch spannend – bis zum letzten Wort.

Nach drei Stunden war die Geschichte fertig. Drei Stunden!

Ich konnte es selbst kaum glauben. Ich war schweißgebadet wie nach einer anstrengenden Radtour.

Die Geschichte kam sehr gut an!

 

Mit dieser Erfahrung arbeitete ich fortan an diesem Seminar weiter. Und es klappte! Hatte ich eben eine Lektion fertig, kam sofort die Idee für eine Fortsetzung bzw. ein neues Thema. Dabei sind mir Dinge eingefallen, an die ich schon lange nicht mehr gedacht hatte.


Um nun jedoch nicht "vom Hundertsten ins Tausendste" zu verfallen wie der selbsternannte Deutschlehrer Peter Schmachthagen im Hamburger Abendblatt, hatte ich mir zu Beginn ein Limit gesetzt: 60 Lektionen, also zwei Monate Seminardauer. Das ist die Hälfte dessen, was mein Vorbild für diese Seminarform, Helmut Ament, mit seinem SuccessCoach-Newsletter (SCN) geschaffen hat. Aber er hatte sich hierfür eine Auszeit von vier Monaten genommen, ich dagegen nur zwei Monate – und die nicht als Auszeit. Alle anderen Arbeiten gingen weiter. Und die Weihnachtszeit 2010 kam noch dazwischen – mit dem üblichen Adventsstress, den wohl jeder kennt.

 

Meine Recherchen zu diesem Seminar haben ergeben, dass ich alles, was ich an Tipps, Regeln, Prinzipien usw. geschrieben habe, bereits selbst vorher schon wusste. Dennoch hatte ich in Einzelfällen zur Absicherung in einschlägigen Nachschlagewerken meine Einschätzungen überprüft. Es gab keinen Fall, in dem ich etwas zu korrigieren hatte. Aber man kann ja nie wissen …

Bei diversen Nachforschungen im Internet habe ich zwei wichtige Erkenntnisse gewonnen:

Erstens:
Es gibt tatsächlich Foren, die frei sind von Fäkalvokabular und von persönlichen Verbalinjurien. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben.

Zweitens:
Die Diskussionen in den seriösen Foren finden auf hohem Niveau statt. Aber inhaltlich führen sie eher zur Verwirrung als zur Klärung. Alle haben Recht. Die Sprache lebt. Die Rechtschreibreform war nichts anderes als das Einschlagen eines Pflocks, um den Weg zu markieren, auf dem die Sprache voran schreitet.
Für Informatiker: Ein Systemwiederherstellungspunkt. Nichts weiter.


Eingedenk der Erkenntnisse aus Punkt 2 habe ich eine klare Entscheidung getroffen:

Wortwahl, Sprachlogik und nachvollziehbare Gesetzmäßigkeiten haben Vorrang vor Interpretationen, unklaren, wenngleich erlaubten Formulierungen sowie Aufweichung der Bedeutung einzelner Wörter bzw. Begriffe. Damit verstoße ich einerseits nicht gegen die geltenden Regeln, vermittle aber andererseits leicht zu merkende Tipps, um unfallfrei durch den deutschen Sprachdschungel zu kommen.

Zu der Effektivität des SKN gesellt sich also die Effizienz bei der Anwendung von Regeln, indem das Wichtigste verfügbar ist und tiefer gehende Details einer expliziten Recherche in Nachschlagewerken oder Internet überlassen werden können.

Im Ernstfall hat man keinen Duden zur Hand!

Und die Freunde der blonden Frisösen können ihn aus ihrem Manta nicht wieder ausbauen, nachdem dieser der Abwrackprämie zum Opfer gefallen ist.

(Wenn Sie diese Bemerkung nicht verstehen, fragen Sie Ihre Eltern - oder Ihre Kinder.)

 

Das Ziel lautete: Festigung der Sprachkompetenz zum Zweck des Erfolges in Beruf und Gesellschaft.

Haben wir dieses Ziel erreicht?

 

Und nun kommt die versprochene Checkliste. Es ist die Zusammenfassung aller Tipps im Verlauf dieses Seminars – jeweils mit dem Hinweis auf die Lektion, in der die Tipps erstmalig auftauchen.

Sprechen Sie Hochdeutsch (6)

Kann das Wort das ersetzt werden durch dieses, welches oder jenes, so hat es nur ein s, im anderen Fall deren zwei: ss. (8)

Der scharfe S-Laut wird nach einem kurzen Vokal mit ss geschrieben und nach einem langen Vokal mit ß. Doppelvokale (eu, ei, au) sind immer lang. (9)

"Ein geschriebener Fäkalausdruck sieht scheiße aus – und gesprochen klingt er genauso bepisst!" – Vermeiden! (16)

Wenn das ung-Wort einen Gegenstand oder einen Sachverhalt beschreibt, ist es angebracht. Wenn dieses Wort allerdings nur die Tätigkeit beschreibt, aus der es hervor gegangen ist, sollte es vermieden werden. (25)

Die förmliche Anrede Sie (Ihnen, Ihre) wird immer mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben – ohne jede Ausnahme! (26)

Ein Wort wird mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben, wenn es durch einen bestimmten oder unbestimmten Artikel (der, die, das, ein, eine) näher bezeichnet werden könnte. Auch ein vorangestelltes persönliches Fürwort (Personalpronomen) kann als Test hierfür dienen. (27)

Stellen Sie die Nachfrage: "Wegen dem Verfall …" – wie fragen Sie? Weswegen? Das Auto von dem Handwerker – wessen Auto? (Kommen Sie mir jetzt nicht mit "Wem sein Auto?"!!!) (28)

Immer dann, wenn Sie versucht sind, das Wort trotzdem zu verwenden, indem Sie es auf der zweiten Silbe betonen wollen, ersetzen Sie es bitte blitzschnell durch das Wort obwohl. Das stimmt immer. Ohne Ausnahme! (30)

Scheinbar wird nur verwendet, wenn ganz sicher ist, dass die damit verbundene Aussage nicht zutrifft. Solange die Richtigkeit einer Aussage noch nicht feststeht, wird offenbar verwendet. (31)

Wann immer Sie auf einen Nebensatz treffen, der mit bevor beginnt und in dem gleichzeitig das Wort nicht vorkommt, sollten Sie bevor durch solange ersetzen. (34)

Fassen wir zusammen: 1. Die Kombination bevor und nicht ist immer dann durch solange und nicht zu ersetzen, wenn der Nebensatz eine gegenwärtige Situation schildert. 2. Bevor leitet einen Nebensatz ein, der eine zukünftige oder eine zu vermeidende Situation bzw. ein entsprechendes Ereignis schildert. 3. Solange leitet einen Nebensatz ein, der eine gegenwärtige Situation schildert. 4. Zwei negative Aussagen können umgekehrt werden, um die fehlerhafte Logik sofort zu verdeutlichen. (35)

Mit den folgenden Regeln verwenden Sie das Wort Alternative korrekt:

Statt
"zwei (oder mehr) Möglichkeiten"

verwenden Sie
"eine (oder die) Alternative".
(38) 

Eine "weitere Möglichkeit" kann korrekt
als "Alternative" bezeichnet werden.
(39) 

Herein/Hinein:

Wenn Sie selbst schon "drin" sind, kommt alles,
was sich zu Ihnen hinbewegt, "herein".

Wenn Sie noch "draußen" sind,
müssen Sie Ihren Standort verlassen
und begeben sich "hinein".
(42)

Zum Schluss baue ich Ihnen eine richtig stabile Eselsbrücke, über die Sie übrigens in beide Richtungen gehen können, weil sie sehr breit ist:

"Derselbe" wird immer zusammen geschrieben und ist immer nur ein Exemplar – ein Wort.

"Der gleiche" wird immer getrennt geschrieben und setzt immer die Existenz von mindestens zwei Exemplaren voraus - zwei Wörter. (45)

Woran erkennen Sie, wann es sich um Wörter und wann es sich um Worte handelt, wenn Sie etwas berichten?

Die Unterscheidung ist einfach: Wenn Sie in einer Formulierung den im aktuellen Zusammenhang verwendeten Plural von "Wort" durch den Begriff "Satz" oder manchmal auch "Sätze" ersetzen können, ohne dabei die Aussage zu verändern, sind "Worte" angebracht.

Mit anderen Worten (mit anderem Satz): Wörter sind das Material, das in der Aussage eines Satzes zu Worten wird.

Oder:
Zusammenhanglose Wörter
werden durch die Verwendung
in einem Satz zu Worten.

Niemand spricht große Wörter. Das ergibt keinen Sinn. Aber große Worte treffen eine bestimmte Aussage.

Ganz kurz formuliert:
Worte sind Wörter mit einer Aussage. (49) 

 

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben (auch über das Ende des SKN hinaus)

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.  
5. Testsätze der beiden bevor/solange - Tests bearbeiten.  
6. Vorläufig nicht mehr das Wort "Alternative" verwenden.  
7. Die Verwendung von "Worten" und "Wörtern" üben.  
Newsletter 60

 Newsletter 60

 

Abschied

heute sind wir am Ende des Newsletter-Seminars angelangt. Ich weise ausdrücklich und wiederholt darauf hin, dass der SKN nicht den Deutschunterricht in neun, zehn, zwölf oder dreizehn Schuljahren ersetzen kann, je nachdem, welche Schulform Sie besucht haben.

Das war auch nicht das Ziel dieses SKN.

Der SKN ist vielmehr eine Maßnahme zur Renovierung und zum Ausbau Ihrer Fähigkeiten im Gebrauch der deutschen Sprache.


Sprache muss gepflegt werden. Sprache lebt und entwickelt sich weiter. Stellen Sie sich dieser Herausforderung und verharren Sie nicht stur in alten Gewohnheiten. Die Rechtschreibreform mag zwar nicht unbedingt perfekt gelungen sein, aber sie hat viele Dinge vereinfacht.


Als relativ junger Mensch wird es Ihnen nicht schwer fallen, mit der Entwicklung mitzuhalten, und als Mensch in fortgeschrittenem Alter sind Sie gut beraten, Ihren Geist fit zu halten, indem Sie Entwicklungen aktiv für sich mit gestalten, statt sich ihnen entgegen zu stemmen oder von ihnen überrollen zu lassen.

Alt werden beginnt im Kopf!

Manche fangen damit schon bei 30 an, viele erst mit 70 plus, einige gar nicht. Entscheiden Sie, zu welcher Gruppe Sie gehören möchten.


Ganz gleich, welcher Generation Sie angehören – überlegen Sie, welche Ziele Sie haben, was Sie noch erreichen wollen in Ihrem Leben.

 

Was immer Sie vorhaben, Sie brauchen in allen Fällen die Anerkennung Ihrer Mitmenschen. Von diesen Mitmenschen müssen Sie als kompetente Person wahrgenommen werden. Sie müssen diese Menschen beeindrucken. Das können Sie nur, wenn Sie fehlerfrei sprechen, wenn Sie fehlerfrei schreiben, wenn Sie mit Ihren gesprochenen oder geschriebenen Texten nicht sofort den Eindruck eines abgebrochenen Hauptschülers erwecken.

 

Sehen Sie die Teilnahme an diesem Newsletter-Seminar wie den Aufenthalt in einer Kurklinik. Die dort angestoßenen Maßnahmen müssen Sie unbedingt fortsetzen, wenn Sie wieder zu Hause sind. Der Arzt gibt Ihnen Anweisungen, wie Sie zukünftig leben sollten, um nicht wieder krank zu werden.

 

Ihre angeschlagene Gesundheit wiederherzustellen, ist Aufgabe und Leistung der Klinik. Nach der Klinik müssen Sie nach deren Anweisungen weiterleben, um Ihre Gesundheit zu erhalten und zu festigen.

Ersetzen Sie in dem farbigen Text nun das Wort "Gesundheit" durch "Sprachkompetenz" und das Wort "Klinik" durch "SKN". Dann lautet der Satz:

Ihre angeschlagene Sprachkompetenz wiederherzustellen, ist Aufgabe und Leistung des SKN. Nach dem SKN müssen Sie nach dessen Anweisungen weiterleben, um Ihre Sprachkompetenz zu erhalten und zu festigen.

 

Damit wissen Sie genau, was zu tun ist:

Ich empfehle Ihnen dringend, Ihre Sprachkompetenz auch ohne meine Hilfe zu erhalten und weiterzuentwickeln, indem Sie die von mir gestellten Aufgaben weiterhin bearbeiten – lesen, Gespräche führen, neugierig bleiben, möglichst oft mit Ihren Kindern oder anderen jüngeren Menschen sprechen, von Ihren Gesprächspartnern lernen, Vorbilder suchen – und hin und wieder einen Text schreiben, auch wenn Sie dazu nicht verpflichtet sind.


Der Wert und die Wirkung dieses SKN zeigen sich erst mittel- bis langfristig – und nur dann, wenn Sie in Ihren Bemühungen niemals nachlassen, die vorher genannten Dinge weiterhin zu tun.

Etwas bin ich Ihnen noch schuldig. Im Verlauf des SKN gab es einige Testseiten mit Aufgaben, die Sie nebenher lösen sollten. Heute - im allerletzten Moment - erhalten Sie die zugehörigen Lösungsseiten:

Bevor und Solange Test 1 
Bevor und Solange Test 2 
Worte und Wörter 

 

Gestern habe ich Ihnen einen kleinen Einblick in die Entstehungsgeschichte dieses SprachKompetenz-Newsletters gegeben. Ich würde mich nun sehr darüber freuen, wenn Sie mir mitteilen, ob ich Ihnen wirklich helfen konnte. 

60 Tage sind wir ein Stück unseres jeweiligen Weges gemeinsam gegangen - möglicherweise etwas zeitversetzt, aber an einem gemeinsamen Thema orientiert. Wenn Ihnen der Weg und das, was Sie auf demselben erlebt und erfahren haben, gefallen hat, dann empfehlen Sie diesen SKN bitte weiter an Ihre Freunde und Bekannten. Der Preis für den Bezug dieses SKN ist hoffentlich so günstig, dass es nicht nötig ist, den SKN "an mir vorbei" weiter zu geben. Abgesehen davon, dass dies eine Straftat wäre, hielte ich das für ausgesprochen unfair.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Anfang dieses Seminars, als ich Sie als gleichgesinnte Person im "Club" willkommen geheißen hatte. Ich möchte meine Aussage aus dem Newsletter 11 hier noch einmal wiederholen:

Erster Grund für dieses Seminar war mein Interesse, auf eine neue und unkonventionelle Weise die Schwachstellen unserer Sprachkultur offenzulegen und zu beseitigen - zusammen mit Menschen, die dasselbe Interesse haben.

In zweiter Linie möchte ich damit Geld verdienen. Wenn das funktioniert, können Sie das als Vorlage nehmen für ein eventuelles eigenes Vorhaben. Sicher haben Sie auch ein Thema, das es wert ist, von Anderen beachtet und nachgefragt zu werden. Auch Sie sind möglicherweise Experte in Ihrem Thema, das übrigens nicht unbedingt im Zusammenhang mit Ihrem Beruf stehen muss.

Ganz gleich, was immer Sie können, können wollen oder vorhaben: Es lohnt sich, auf ein solches Ziel hin zu arbeiten.

Behalten Sie Ihr Ziel im Blick, beruflich und gesellschaftlich erfolgreich zu werden.


Ich konnte Ihnen nur den Weg weisen.

Gehen müssen Sie selbst.

 

Ich bin überzeugt, dass Sie das jetzt können.

Dazu wünsche ich Ihnen allen erdenklichen Erfolg!

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

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